Tammy Neumann und ihr Freund sahen am Montagabend in der Nähe des Hardter Storchennestes drei Wölfe. Die Raubtiere waren überhaupt nicht scheu. © Stefan Diebäcker
Wolfsgebiet Schermbeck

Neue Begegnung mit Wölfen in Dorsten: „Die hatten keine Scheu!“

Erneut sind in Dorsten drei Wölfe gesehen worden. Beobachtungen eines Buchhändlers haben sich damit bestätigt. Was Zeugen beunruhigt: Die Wölfe ließen sich nur widerwillig verscheuchen.

Der abendliche Kontrollgang ist für Tammy Neumann (30) und ihren Freund Stefan Wende zur Routine geworden. Wenn es dunkel ist, machen sie sich mit Taschenlampen auf den Weg zu ihren Tieren, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. Pferde, Ziegen und Hühner leben tagsüber auf einer Wiese an der Grabenstraße, sie sind zu diesem Zeitpunkt natürlich schon im Stall. „Aber man weiß ja nie …“

Am Montagabend gegen 20 Uhr traf das Paar tatsächlich auf Tiere, deren Bekanntschaft es lieber nicht gemacht hätte. „Als wir mit den Taschenlampen über die Wiese am Hardter Storchennest leuchteten, haben wir drei Wölfe gesehen“, berichtet Tammy Neumann.

Sie bestätigt damit die Beobachtungen von Buchhändler Apolonius Parrenin, der die Wolfsfamilie bereits Ende Oktober an der Fährstraße entdeckt hatte.

Gloria und ihre Jungen haben also längst ihre „Fühler“ nach Dorsten ausgestreckt, wie es scheint, streunen regelmäßig in der Nähe von Wohngebieten herum und haben offenbar immer weniger Scheu vor Menschen. „Wir haben versucht, sie mit lauten Rufen zu vertreiben, aber das hat sie nicht gestört. Sie sahen uns einfach an, ihre Augen leuchteten im Schein der Taschenlampe“, sagt Tammy Neumann.

Angriffslustig wirkten die Tiere nicht, sondern eher neugierig, „aber schön war das trotzdem nicht“, gibt Tammy Neumann zu.

„Die Jungen waren schon recht groß“

Die Hardterin schätzt, dass die Wölfe „vielleicht 50 Meter“ von ihr entfernt waren. Sie telefonierte mit ihrem Vater. Peter Neumann lief wenig später sogar hinter den Raubtieren her, um sie zu vertreiben. Irgendwann trollte sich die Wolfsfamilie dann, „aber eilig hatte sie es nicht“. Tammy Neumann ist überzeugt, Gloria mit ihren beiden Jungen schon vor einiger Zeit gesehen zu haben, „jetzt waren die Jungen viel größer“.

Um ihre Tiere sorgt sich Tammy Neumann nach dieser Begegnung noch mehr. Denn anders als Pferde, Ziegen und Hühner bleiben die drei Kamerunschafe auch über Nacht im Freien. „Sie sind das gewohnt. Der Stress wäre zu groß, wenn wir sie in einen Stall pferchen würden.“ Der Zaun um das Gelände an der Grabenstraße wird verstärkt, Lichtsensoren und Reflektoren gibt es schon.

Auch Wildkameras will die Familie auf der Wiese installieren lassen, um nachweisen zu können, dass Wölfin Gloria und ihre Jungen sich auch Wohngebieten nähern, wo Familien mit Kindern leben, ein Spielplatz in der Nähe und eine Kindertagesstätte geplant ist. Obwohl es doch immer hieß, die Raubtiere würden großen Abstand halten.

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Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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