Die Coronakrise kommt die Stadt Dorsten teuer zu stehen. Ob und wo der Rotstft angesetzt werden muss, ist noch nicht abzusehen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Ein Jahr Corona

Nachfolgende Generationen in Dorsten zahlen die Corona-Kosten mit

Die Corona-Pandemie kommt Dorsten teuer zu stehen. Doch von Verzweiflung ist beim Stadtkämmerer nichts zu spüren. Denn die Finanzlage muss man aus zwei Winkeln betrachten.

Hubert Große-Ruiken hat für die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 17. März die aktuelle Haushaltslage analysiert. „Unter dem Strich können die pandemiebedingten Verschlechterungen bei den Einnahmen nicht durch höhere Erträge an anderer Stelle oder durch geringere Aufwendungen ausgeglichen werden“, sagt er.

Der Stadtkämmerer geht derzeit von einem Minus von rund 870.000 Euro in diesem Jahr aus. „Das wird in den nächsten Jahren noch mehr, weil die Anteile an der Lohn- und Einkommensteuer bei weitem nicht mehr so stark steigen, wie

dies vor Corona prognostiziert wurde.“ Nervös macht ihn das noch nicht, weil die Stadt die Corona-Ausgaben isoliert betrachten darf.

Ohne Corona gäbe es sogar ein Plus

Große-Ruiken erklärt: „Ohne Corona schaffen wir in den nächsten Jahren nicht nur den Haushaltsausgleich, wir erwirtschaften sogar Überschüsse.“ Die „pandemiebedingten Sondereffekte“ dürfen in den nächsten Jahren gesondert

ausgewiesen werden und haben keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Zahlungsfähigkeit der Stadt. Das sieht das „NKF-Covid-19-Isolierungsgesetz“ ausdrücklich vor.

Dieser Rettungsschirm bedeutet letztlich, dass der Kämmerer die Corona-Kosten getrennt betrachten darf und sie erst ab 2025 zurückgezahlt werden müssen – verteilt auf 50 Jahre. Ein Beispiel: Kostet die Pandemie die Stadt Dorsten zehn Millionen Euro, zahlt sie ab 2025 jedes Jahr 200.000 Euro zurück – bis 2075.

Nachfolgende Generationen zahlen mit

Der ganz große Druck wäre also raus, allerdings zahlen die nächste und die übernächste Generation die Corona-Kosten noch mit. Die Dorstener Politik hatte ihren strengen Sparkurs stets auch damit begründet, den nachfolgenden Generationen keinen zu hohen Schuldenberg hinterlassen zu wollen. Wobei das neue Minus nun wahrlich nicht hausgemacht ist.

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Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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