Nachbarn sorgen sich ums Kindeswohl

DORSTEN Das Jugendamt in Dorsten registriert verstärkt Meldungen aufmerksamer Mitbürger, die sich um das Wohl ihrer Nachbarskinder sorgen.

von Von Anke Klapsing-Reich

, 22.07.2008, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hubert Kuhn, sozialer Dienst der Stadt Dorsten.

Hubert Kuhn, sozialer Dienst der Stadt Dorsten.

Nachbarn, Polizei, Schule, Kindergarten, Ärzte und Krankenhaus – aus vielfältigen privaten und institutionellen Quellen speist sich die Hinweisflut, die ins Dorstener Jugendamt schwappt. Kinder, die in der Nachbarschaft um Essen betteln, Babys, die unbeaufsichtigt alleine gelassen werden, Schüler, die im Winter in Shorts zur Schule kommen – typische Meldungen, die tagtäglich im Jugendamt landen. „Laut Dienstanweisung müssen wir jedem einzelnen Fall nachgehen“, kann Hubert Kuhn in der Regel zehn Prozent der Meldungen sehr schnell als „Fehlalarm“ aussortieren. Die umfangreiche Recherche erfordert viel Fingerspitzengefühl: Hausbesuche, Gespräche, interne Beratungen, Dokumentation – „die steigenden Fallzahlen können wir mit unserem Personal nicht mehr bewältigen“, erwarten die Wächter über das Kindeswohl dringend die bewilligte neue Kraft, die am 1. Oktober ihre Arbeit im sozialen Dienst aufnehmen wird.

Die so genannte „Inobhutnahme“ gibt dem Jugendamt die Möglichkeit, akut gefährdete Kinder kurzfristig aus ihren Familien zu holen – notfalls auch gegen den Elternwillen. „Unser Ziel ist, dass die Familien mit ambulanter Unterstützung ihre Probleme wieder in den Griff bekommen“, erklärt Hubert Kuhn. Oft genüge dieser Schreckschuss, um die Erziehungsberechtigten aus ihrer Gleichgültigkeit zu rütteln. Die Unverbesserlichen landen allerdings vor dem Familiengericht. „Unsere Anträge ans Familiengericht haben sich in den letzten drei Jahren ebenfalls verdoppelt“, zitiert Kuhn die Statistik. Dann ist es immer noch ein langer bürokratischer Weg, bis ein Kind endgültig seinen Eltern entzogen werden kann.

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