Nach einem Großbrand in einem Mehrfamilienhaus steht ein vielfach vorbestrafter Mann (28) aus Recklinghausen erneut vor Gericht. © Jörn Hartwich
Landgericht Bochum

Nach Würgeattacke: „Der hatte schon Schaum vorm Mund“

Ein psychisch kranker Mann aus Dorsten greift in der Psychiatrie einen Mitpatienten an. Einer Polizistin sagt er später: „Dem habe ich es gezeigt“.

Erst lief das Gesicht blau an, dann verdrehten sich die Augen: Mit dramatischen Details ist am Freitag der Prozess um einen Würgeangriff in der Hertener LWL-Klinik fortgesetzt worden. Der angeklagte Dorstener zeigte sich davon jedoch völlig unbeeindruckt – zumindest äußerlich. Es soll aber auch nicht sein erster Gewalt-Ausraster gewesen sein.

Es war der 25. August 2019, als der 23-Jährige im Garten der Psychiatrie plötzlich einen Mitpatienten ansprang. Ein Pfleger hatte die Attacke aus einem Personalraum gesehen und war sofort nach draußen gerannt. Wie es aussieht, hätte er keine Sekunde später kommen dürfen.

Dramatische Sekunden

„Der andere Patient lag schon auf dem Boden und war total panisch“, so der LWL-Mitarbeiter. „Er zitterte am ganzen Körper und hatte auch schon etwas Schaum vorm Mund.“ Der Gesichtsausdruck sei „voller Angst“ gewesen. „Er krampfte und hat stark um Luft gerungen.“

Er sei auch nicht mehr ansprechbar gewesen. „Ich habe ihm sogar in die Wange gekniffen, um über den Schmerz eine Reaktion zu erzeugen.“ Doch auch das habe nicht geholfen. Erst nach bangen Sekunden habe der Mann wieder Luft bekommen. Die Ärzte sprachen später von akuter Lebensgefahr.

„Ist doch nicht so schlimm“

Der Dorstener hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf einem Stuhl gesetzt und eine Zigarette geraucht. „Ist doch nicht so schlimm“, soll er dem Pfleger damals gesagt haben. „Ich hätte den schon nicht getötet. Der wäre doch nur bewusstlos geworden.“

Der Auslöser für den Würgeangriff ist nicht ganz klar. Einer Polizistin hatte der Angeklagte damals gesagt: „Dem habe ich es gezeigt.“ Er lasse sich nämlich nicht gerne anfassen. Das Opfer selbst ist psychisch schwer krank und kann zur Aufklärung offenbar nicht viel beitragen.

Karatekick und Beiß-Attacke

Nur einen Tag zuvor soll der Dorstener bereits einen anderen Patienten angegriffen haben. Diesen Mann hat er angeblich mit einem Karatekick zu Boden gebracht, gebissen und ebenfalls gewürgt. „Ich habe keine Luft mehr bekommen“, so der damalige Patient bei seiner Zeugenvernehmung im Bochumer Landgericht. „Ich war absolut unterlegen“, sagte er den Richtern. „Der hatte so Kampfgriffe drauf, da konnte man nichts machen.“

Narben bleiben

Zwei Wochen lang habe er damals Schmerzen gehabt – von dem Tritt gegen die Brust und den Biss in die Flanke. „Die Narben kann man noch immer sehen“, so der Zeuge.

Auch dieser Angriff soll aus dem Nichts erfolgt sein – ohne ersichtlichen Grund. Der Angeklagte selbst hat sich dazu am Freitag zwar nicht geäußert, aber um Entschuldigung gebeten.

Mehrere Angestellte der Hertener LWL-Klinik waren damals notwendig gewesen, um die beiden Männer auseinanderzubekommen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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Gerichtsreporter

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