Nach einem Würgeangriff in der Hertener LWL-Klinik wurde ein Dorstener zu einer Bewährungshaftstrafe verurteilt. © Werner von Braunschweig
Landgericht Bochum

Nach Würgeangriff in der LWL-Klinik: Überraschung im Prozess gegen Dorstener

Ein Dorstener greift in der Psychiatrie einen Mitpatienten an. Im Prozess hatte ein Gutachter eine dicke Überraschung parat.

Nach einem lebensgefährlichen Würgeangriff auf einen Mitpatienten in der Hertener LWL-Klinik ist ein 23-jähriger Dorstener am Freitag am Bochumer Schwurgericht zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Zum Prozessbeginn hatte noch eine unbefristete Psychiatrie-Einweisung des 23-Jährigen im Raum gestanden.

„Er ist ein kerngesunder 23-jähriger Mann“

Der psychiatrische Sachverständiger hatte den 23-Jährigen in der vergangenen Woche aber als einen offenbar perfekten Simulanten enttarnt. „Er hat kein Trauma, er hat keine Persönlichkeitsstörung – er ist ein kerngesunder 23-jähriger junger Mann“, hatte der Psychiater sich festgelegt. „Es gibt überhaupt keine Anzeichen, dass hier eine Psychose vorliegt. Das kann man ganz sicher ausschließen.“

Dem Ex-Patienten aus Dorsten war es gelungen, mit einer von angeblich traumatischen Erlebnissen im syrischen Kriegsgebiet geprägten Schicksalsgeschichte zahlreiche Therapeuten in der LWL-Klinik Herten zu blenden.

„Mütterlich über den Kopf gestrichen“

„Ihm wurde dort mütterlich über den Kopf gestrichen“, sagte Richter Josef Große Feldhaus in der Urteilsbegründung. Und weiter: „Die Aufenthalte haben ihm gut gefallen.“ Letzteres habe wohl nicht zuletzt auch an einer „besonderen Nähebezie-hung“ zu einer ganz bestimmten Oberärztin der Klinik gelegen. Dadurch, dass diese Ärztin ihm alles geglaubt und offenbar auch attestiert habe, sei es dem 23-Jährigen gelungen, hunderte stationäre Aufenthaltstage in der Klinik zu erschleichen, hieß es beim Urteil.

Mitpatient wurde angesprungen und gewürgt

Dass er am 25. August 2019 einen Mitpatienten im Garten der LWL-Klink angesprungen und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt hat, hatte der angeklagte Dorstener im Prozess sofort zugegeben und sich auch dafür entschuldigt. Der Ex-Patient hatte sich von dem Mitpatienten provoziert gefühlt, weil dieser nicht nachgelassen hatte, ihn um eine Zigarette anzuschnorren. Und zum Schluss auch die Kopfhörer des Dorsteners zur Seite geschlagen hatte.

500 gemeinnützige Arbeitsstunden angeordnet

Der bislang unbestrafte Angeklagte war in der vergangenen Woche nach fast fünf Monaten vorläufiger Unterbringung in einer geschlossenen Straftäter-Psychiatrie auf freien Fuß entlassen worden. Der Dorstener will nun vorerst zu seiner Mutter nach Süddeutschland ziehen und möglichst schnell ein Studium beginnen. Als spürbare Auflage ordneten die Bochumer Richter die Ableistung von 500 gemeinnützigen Arbeitsstunden an.

Das Urteil lautet auf gefährliche Körperverletzung.

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