Nach den Bauarbeiten bekommt der Bahnhof in Dorsten ein neues Gesicht

dzBahnhofs-Umbau

Neue Gleise, neue Weichen, neue Bahnsteige, neue Technik: Am Bahnhof und an den Bahnstrecken in Dorsten wird derzeit kräftig gebaut - er wird zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 ein ganz neues Gesicht bekommen.

Dorsten

, 26.09.2018 / Lesedauer: 4 min

Die alte Bahnmeisterei - im Bahn-Jargon „Rotte“ genannt - neben dem Dorstener Bahnhofsgebäude ist in den vergangenen zwei Wochen abgerissen worden: Hier sollen künftig an zwei neuen „Sack-Gleisen“ die „Emschertalbahn“ und der „Oberhausener“ halten. Reger Baustellenbetrieb herrscht auch an den Gleis- und Bahnsteiganlagen des Dorstener Bahnhofs: Bauzäune engen teilweise den Zugang für die Bahn-Pendler ein, hin und wieder ertönt ein lautes Warngeräusch, immer dann, wenn ein Zug einfährt.

„Arbeiten unter rollendem Rad“

Es tut sich derzeit eine Menge auf den Dorstener Bahnstrecken. „Und das alles unter rollendem Rad“, sagt Sebastian Brinkmann, zuständiger technischer Leiter des DB-Netzbezirks Münsterland-Ostwestfalen. Will heißen: Die Bauarbeiten finden parallel zum laufenden Zugbetrieb statt, nur an wenigen Wochenenden musste der Zugverkehr bislang ausfallen.

Nach den Bauarbeiten bekommt der Bahnhof in Dorsten ein neues Gesicht

Das Gebäude der alten Bahnmeisterei wurden in den vergangenen zwei Wochen abgerissen. © Michael KLein

Einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investiert die Bahn derzeit, um die Strecken von Coesfeld nach Dorsten sowie von Bottrop nach Essen technisch zu modernisieren. Bislang steuern Bahnmitarbeiter von den Stellwerkhäuschen aus die Weichen und Signale noch von Hand, demnächst übernimmt das Elektronische Stellwerk (ESTW) in Coesfeld diese Arbeit. Am Dorstener und am Rhader Bahnhof entstehen dafür zwei kleine fensterlose Server-Gebäude, die die Firma Siemens mit digitaler Technik bestückt und die an das Coesfelder ESTW angeschlossen werden.

Nach den Bauarbeiten bekommt der Bahnhof in Dorsten ein neues Gesicht

In diesem fensterlosen Gebäude ist das Elektronische Stellwerk in Dorsten untergebracht. © Michael Klein

Diese Technik ist auch nötig, um das „Flügelkonzept“ verwirklichen zu können. Sprich: „Zukünftig sollen die aus Borken und Coesfeld kommenden Züge am Dorstener Bahnhof zusammengekoppelt werden“, erläuterte Sebastian Brinkmann am Mittwoch während eines Rundgangs. „Das macht eine bessere Vernetzung des südlichen Münsterlandes mit dem Ruhrgebiet möglich.“ Er versprach, dass künftig genügend Gleiskapazität zur Verfügung steht, um Sonderverkehr (Schienenbus - und On-Wheels-Fahrten, Bugdoll-Bahn) zu ermöglichen.

Zwei Strecken werden über Ostgleise geführt

Beide Zugstrecken werden künftig über die Ostgleise des Bahnhofs geführt. In diesem Zusammenhang modernisiert die Bahn derzeit die Gleise, Weichen und Bahnsteige des Dorstener Bahnhofs komplett – für die Bahnpendler sind die Bauarbeiten seit ein paar Wochen ein tägliches Bild. „Fünf Millionen Euro nehmen wir dafür in die Hand“, sagt Michael Jansen, zuständiger DB-Regio-Bahnhofsmanager für das Münsterland und das nördliche Ruhrgebiet. „Die ersten Pläne dafür sind schon mehr als 15 Jahre alt“, so Jansen: „Nun wurden uns Gelder aus verschiedenen Fördertöpfen bewilligt.“ Er geht davon aus, dass bis zum nächsten Fahrplanwechsel im Dezember dieses Jahres der „größte Teil der Arbeiten in Dorsten fertiggestellt ist“.

Nach den Bauarbeiten bekommt der Bahnhof in Dorsten ein neues Gesicht

Die Bahn investiert am Dorstener Bahnhof für Gleise und Bahnsteig über fünf Millionen Euro. © Michael Klein

Die neuen Bahnsteige erhalten einen barrierefreien Zugang über Rampen, die ab nächstes Jahr gebaut werden. Wie die Bahnsteige aussehen werden, kann man bereits am Gleis 1 Ost sehen: Zwei Wetterschutzhäuschen wurden dort errichtet, Blindenleitstreifen erleichtern sehbehinderten Reisenden den Weg. Ein neues LED-Beleuchtungssystem wird auch noch installiert. Der Bahnsteig 2 Ost wird im Augenblick zurückgebaut, an den Bahnsteigen 3 und 4 (für die Emschertalbahn und den Oberhausener) sind die meisten Bahnsteigkanten schon gesetzt. Der Bahnsteig 5 (nördlich an den Bahnhof angrenzend) ist als Ersatzhalt für den „Coesfelder“ gedacht.

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Am Gleis 1 Ost ist bereits ein neuer Bahnsteig mit zwei Wartehäuschen entstanden. © Michael Klein

Parallel zu den DB-Regio-Arbeiten am Bahnhof hat Abteilung DB-Netz in den vergangenen Wochen und Monaten für die ESTW-Technik Schächte gegraben, darin Kabel verlegt. „Ein paar Kilometer stehen noch aus“, sagt Sebastian Brinkmann. Und zwar auf der Strecke von Dorsten nach Coesfeld. Die kann nämlich erst Ende nächsten Jahres an das ESTW-Stellwerk angeschlossen werden. Grund: Es habe auf dieser Strecke Planungsverzögerungen geben, weswegen auch der neue Halt in Klein-Reken erst in 2019 kommen wird.

Die meisten Bahnübergänge sind fertig

Im Zuge der Modernisierung der Strecken waren auch Arbeiten an insgesamt 45 Bahnübergängen erforderlich, die meisten davon in Dorsten. „Die Hälfte wurde neu gebaut, die andere an die neue Technik angepasst.“ Der Kirchweg in Deuten wurde von 4,70 Meter auf 6,35 Meter verbreitert, damit der Begegnungsverkehr ungefährlicher wird. Die meisten Bahnübergänge sind fertig, nur an der Muna in Wulfen und bei Hülsdünker in Rhade wird in den kommenden Monaten noch gebaut. „Und im nächsten Jahr ist dann zum Abschluss der B 58-Übergang an der Reihe“, so Brinkmann. Sofern es zu nächtlichen Arbeiten kommt, würden die Anwohner vorab informiert.

Wenn die alte Technik abgelöst und die neue aufgespielt wird, dürften noch einige Einschränkungen auf die Berufspendler und die übrigen Bahnkunden zukommen. „Der Bahnverkehr am Dorstener Bahnhof wird vom 24. November bis zum 9. Dezember komplett gesperrt“, hieß es vonseiten der Bahnvertreter.

Nach den Bauarbeiten bekommt der Bahnhof in Dorsten ein neues Gesicht

Der „Oberhausener“ und der „Borkener“ werden balf nicht mehr auf der Westseite verkehren. © Michael Klein

Ist die Umstellung gelaufen, steht der Umbau des Bahnhofsgebäudes, des neuen Bahnhofsvorplatzes, der Bau der barrierefreien Ost-Rampen und des neuen Rad- und Fußwegs entlang der westlichen Bahngleise an. Fast zehn Millionen Euro an Fördermitteln innerhalb des Stadtumbau-Projekts „Wir machen Mitte“ bekommt die Stadt dafür an Zuschüssen. Der stadtseitige Tunnel wird zugeschüttet, die Westgleise werden abgebaut, der Bahnhof wird sich zur Innenstadt hin öffnen.

Gastronomie mit Außenterrasse

Bernd Lehmann (Planungsamt der Stadt) erläuterten die bereits bekannten Planungen. Diese sehen vor, dass der Bahnhof von der Beschäftigungsgesellschaft „Dorstener Arbeit“ getragen wird. „Sie wird dort auch eine Gastronomie mit Außenterrasse betreiben.“ Auch Vereine sollen in dem Gebäude Räume bekommen. „Ende 2022 wollen wir mit allen Projekten fertig sein“, kündigte Bürgermeister Tobias Stockhoff an.

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Bernd Lehmann (Planungsamt) sowie die Bahn-Vertreter Sebastian Brinkmann (zweiter v.l.) und Michael Jansen (rechts) stellten die Pläne vor. © Michael Klein

Was aus den neun Stellwerkhäuschen auf Dorstener Stadtgebiet wird, die entweder schon bald und auf der Coesfeld-Strecke ab Ende 2019 nicht mehr benötigt werden, steht noch nicht fest. „Abgerissen werden sie zunächst nicht“, so DB-Mann Sebastian Brinkmann. Er sieht aber durchaus Vermarktungsmöglichkeiten: „In anderen Städten haben beispielsweise Vereine die Gebäude angemietet, Privatleute sie zu Wohnzwecken gekauft oder Kommunen haben sie erworben, um auf den Grundstücken Parkplätze zu errichten.“

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Die Zeiten der alten Stellwerkstechnik (Gebäude hinten) sind bald vorbei. © Michael Klein

Und die Männer, die derzeit noch die Weichen stellen? „Entlassen wird niemand“, versprach Brinkmann: „Entweder sind sie in dem Alter, in dem sie in den Ruhestand gehen können, oder sie werden in anderen Bereichen eingesetzt, wo wir eine Personal-Unterdeckung haben.“

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