Mutter von fünf kleinen Kindern: Ihr helfen oder sie wegsperren?

dzGerichtsprozess

Immer wieder wird eine 32-jährige Mutter von fünf kleinen Kindern wegen Betrügereien verurteilt. Nun steht sie wieder vor Gericht. Über das schwierige Ringen nach einem angemessenen Urteil.

Dorsten

, 26.06.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Helfen oder wegsperren? Wie geht man juristisch mit einer 32-jährigen Mutter von fünf Kindern im Alter von zwei bis zehn Jahren um, die immer wieder Betrügereien begeht? Die von sich selbst unter Tränen sagt, dass sie alles verdrängt, dass sie psychologische Hilfe benötigt, dass sie immer dann Fehler begeht, wenn sie vom Leben enttäuscht wird?

Die Wulfenerin fand sich am Mittwoch vor dem Dorstener Schöffengericht wieder - auf ihrem Schoß saß ihre zweijährige Tochter. Obwohl sie unter gleich drei-facher Bewährung stand, wurde sie erneut straffällig. Sie verkaufte im Internet-Auktionshaus „Ebay“ an zwei Kunden vermeintliche Tickets für das DFB-Pokalendspiel in Berlin. Die Käufer zahlten - die Karten erhielten sie aber nie.

Immer wieder Schulterzucken

Die Angeklagte sagte, das Geld sei noch auf ihrem Paypal-Konto. Warum sie den Schaden nicht gut gemacht habe? Ihre Kundenkonten seien gesperrt, antwortete die Frau auf Nachfrage von Richterin Lisa Hinkers. Warum sie sich dennoch nicht weiter gekümmert habe? Schulterzucken.

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Dann soll die 32-Jährige Kleider unter falschem Namen bestellt haben. „War ich nicht“, sagte sie. Zweimal wurde die Angeklagte außerdem von der Polizei geblitzt, mit einem Auto, das das Kennzeichen eines anderen Halters trug. „Das Nummernschild haben wir seit Jahren, mehr weiß ich nicht.“ Erneutes Schulterzucken. „Mein Mann hat sich um solche Sachen gekümmert.“

Klinikaufenthalt abgebrochen

Dabei war sie schon mal wegen des gleichen Delikts verurteilt worden.

Wegen der Coronazeit musste die Wulfenerin einen ihrer Depression geschuldeten Aufenthalt in einer psychiatrischen LWL-Klinik abbrechen. „Sie hat sich aber nicht weiter um einen Platz dort bemüht “, so ihre Bewährungshelferin.

Ihr Kontakt zu der Angeklagten sei schwierig. „Sie hat sich ein Jahr lang nicht bei mir gemeldet“, sagte die Sozialarbeiterin. Zudem habe die Angeklagte eine Bewährungsauflage nicht bezahlt. „Es tut mir wirklich sehr leid um sie, aber ich kann ihr keine günstige Sozialprognose ausstellen.“

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Ihr Verteidiger - auch bei ihm meldete sich die Angeklagte monatelang nicht - forderte, „Gnade vor Recht ergehen zu lassen“: Was bringt eine Haft, fragte er, „sie wird zerbrechen, ihre Familie wird zerbrechen“. Das Schöffengericht schloss sich aber dem Antrag des Staatsanwalts an: ein Jahr Haft.

Berufung erwartet

„Gegen das Urteil wird ihr Anwalt sicher Berufung einlegen“, so die Richterin. Bis zum Prozess vor dem Landgericht, so ihre Mahnung, habe die Angeklagte Zeit, „ihr Leben in die Spur zu bringen“, Punkte gegenüber den Richtern in Essen zu sammeln. Und wenn nicht? Dann werden dort wohl auch die vorherigen Bewährungsstrafen einkassiert, dann drohen ihr gut drei Jahre Haft.

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