Die Muslime in Dorsten weichen in die Julius-Sporthalle aus, um das Ende des Ramadan mit einem gemeinsamen Gebet zu feiern. © Andreas Leistner
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Muslime feiern Ramadan-Ende in Turnhalle – „Das macht alles kaputt“

Für die Dorstener Muslime endet der Fastenmonat Ramadan. Zum Gebet treffen sich bis zu 200 Gläubige in der Turnhalle Pliesterbecker Straße. Das bringt einige Dorstener auf.

Die Moschee Am Holzplatz in Hervest wird umgebaut. Das trifft die Dorstener Muslime neben der Corona-Pandemie im Fastenmonat Ramadan doppelt hart. Denn das Brauchtum besagt unter normalen Umständen, dass die Muslime nach Sonnenuntergang im Ramadan zusammenkommen, um zu essen und Tee zu trinken und vor allem: alle guten Gaben, von Nahrungsmitteln bis hin zu Geldspenden für Bedürftige, zu teilen.

Ismet Kaynak hat die Palettenregale für das Badezimmerzubehör eigenhändig bearbeitet für sein Geschäft „Alles paletti“.
Ismet Kaynak hat die Palettenregale für das Badezimmerzubehör eigenhändig bearbeitet für sein Geschäft „Alles paletti“. © Claudia Engel © Claudia Engel

„Ramadan – das heißt für uns teilen“, sagt Ismet Kaynak. Er ist Vorstandsmitglied der Dorstener Ditib-Gemeinde und erzählt, dass die Gemeinde unter normalen Umständen mit Hunderten Menschen zusammenkommen würde. In Dorsten leben Muslime 17 verschiedener Nationalitäten, hauptsächlich aber aus der Türkei, Afghanistan und Syrien.

2021 treffen sich Dorstens Muslime zum Ende des Ramadans am Donnerstag (13. Mai) nicht in der Moschee, sondern in der Turnhalle des Schulzentrums an der Pliesterbecker Straße. Darauf haben sich der Vorstand der Ditib-Gemeinde und die Stadt Dorsten verständigt.

Inzidenzwerte sinken gerade und dann das

Das stößt bei einigen Dorstenern im Vorfeld der Veranstaltung auf Unverständnis und Kritik. Eine Anruferin sagte am Mittwoch, dass sie Stadtsprecher Ludger Böhne in einem Gespräch deutlich gemacht habe: „Diese Gebetsveranstaltung in einem geschlossenen Raum kommt zur Unzeit und macht bei gerade sinkenden Inzidenzwerten alles wieder kaputt.“ Die Anruferin fürchtet das Schlimmste: „Nach der Feier gibt es trotz Hygienekonzepts wieder mehr Corona-Erkrankungen.“ Dass die Stadt die Veranstaltung im geschlossenen Raum nicht untersagt hat, kann sie nicht nachvollziehen: „Man kann ja auch unter freiem Himmel feiern.“

Die Moschee am Holzplatz wird gerade umgebaut. © privat © privat

Die Stadt beruft sich in ihrer Pressemitteilung darauf, dass die Ditib-Gemeinde am Donnerstag sicherstellt, dass „die Daten aller Teilnehmer für eine eventuelle Kontaktnachverfolgung erfasst und die notwendigen Abstände von zwei Metern eingehalten werden“. „Das haben wir in der Moschee auch so gehalten“, so Ismet Kaynak. Außerdem wird die Turnhalle „ausreichend gelüftet, die Teilnehmer an diesem Gebet tragen Maske“.

Das Recht auf Religionsausübung

Die Stadt weist die Dorstener zudem darauf hin, dass die Ditib-Gemeinde am Donnerstag das gleiche Recht wahrnimmt, das allen Kirchen zusteht: den grundgesetzlich geschützten Bereich der Religionsausübung. „Das Infektionsschutzgesetz des Bundes enthält dazu keine Einschränkungen. Der Kommunale Ordnungsdienst wird an diesem Tag vor Ort sein und die Einhaltung der Regeln zum Infektionsschutz unterstützen“, schreibt Stadtsprecher Ludger Böhne.

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Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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