Der Dorstener Künstler Nils Mechlinski alias "Nilsen" hat "Das gelbe Album" mit Dancefloor-Liedern für Kinder ab sechs Jahren eingespielt. © Erik Mechlinski
Neues Album

Musiker findet Erfolgsrezept: Kinderlieder mit elektronischen Beats

Ein Künstler aus Dorsten hat eine echte Marktlücke entdeckt: elektronische Musik für Kinder mit lustig-nachdenklichen Texten. Ein großes Label bringt jetzt sein zweites Album auf den Markt.

Das zweite Album ist immer das schwierigste. Alte Musiker-Weisheit. Nils Mechlinski hat dennoch ein gutes Gefühl. „Meine Fan-Base ist in den letzten anderthalb, zwei Jahren stetig gewachsen“, weiß der Dorstener Künstler.

Und außerdem habe er wieder zeitlose Themen in seinen Songtexten verarbeitet, die nah dran an seiner jungen Zielgruppen seien. „Erfahrungen aus meiner Kindheit, die so ähnlich auch die Kinder heute machen.“

Mitmach-Sound für Kinder

Vor zwei Jahren brachte der jetzt 25-Jährige Musiker unter dem Künstlernamen „Nilsen“ sein blaues Debüt-Album heraus. Nils Mechlinski, der 2015 als „Lockvogel“ mit der vom Partyvolk gefeierten Hymne „Ne Sekunde Sommer“ erfolgreich war, hatte mit dem blauen Album quasi ein neues Musik-Genre aus der Taufe gehoben: elektronische Beats und griffige Melodien verpackt er mit lustig-nachdenklichen Texten in einen ansteckenden Mitmach-Sound für Kinder ab sechs Jahren.

Private Kinderfunksender wie „Radio Teddy“ spielten die Songs rauf und runter, mit dem TV-Sender „Super RTL“ ging er auf eine mehr als 60 Auftritte umfassende Toggo-Tour, bis Corona den Kinderlied-Beatmeister jäh ausbremste.

Im alten Kinderzimmer

Immerhin hat „Nilsen“ die lange Pausenzeit genutzt, um gemeinsam mit dem Songwriter Robin Kallenbach via unzähliger „Skype“-Konferenzen neue Songs für das Nachfolgealbum zu schreiben. „Dafür bin ich oft zu meinen Eltern gefahren, um mich in mein altes Kinderzimmer zurückzuziehen“, erzählt der Vater einer neun Monate alten Tochter.

„Die neuen Lieder sind im Sommer und zumeist bei Sonnenschein entstanden“ begründet der 25-jährige den Titel des Nachfolgers, der als „Das gelbe Album“ am 26. Februar (Freitag) bei Universal/Karussell erscheinen wird. „Und außerdem ist gelb für mich eine positive Freudenfarbe.“ Denn positiv will Nilsen in die Zukunft blicken, die hoffentlich bald auch Künstlern wie ihm wieder den Live-Kontakt mit ihrem Publikum bereithält.

Hürden des Kinderalltags

In den Songtexten des „gelben Albums“ geht es um hochfliegende Kinderträume („Der Astronaut“), um Abenteurer-Fantasien auf hoher See („Der Pirat“ ) oder den ersten besten Freund („Teddy Bär“). Und es geht nicht allein um Sonnenschein, sondern auch um die kleinen und großen Hürden des Kinderalltags.

Mal augenzwinkernd, wenn Mama und Papa sich mal wieder über die ungekämmten Haare der lieben Kleinen aufregen („Krise mit der Frise“). Dann nachdenklich, wenn die Kinder in der nicht enden wollenden Coronazeit zu Hause bleiben müssen („Langweilig“) oder wenn die Erwachsenen einfach nichts erlauben wollen („Bitte, bitte“).

Nils Mechlinski alias
Nils Mechlinski alias “Nilsen” hat im vergangenen Jahr nur wenig Live-Auftritte gehabt. Hier eine Hula-Hup-Show in einem Autokino. © Privat © Privat

Eines der wichtigsten Lieder sei der „Anti-Mobbing-Song“. „Auch ich war als Kind von dem Thema betroffen“, sagt Nils Mechlinski. „Entweder, weil ich dabei stand und nicht eingegriffen habe, wenn andere Kinder geärgert oder ausgeschlossen wurden oder weil ich auf dem Schulhof selber herumgeschubst wurde.“ Deshalb der musikalische Appell an seine kleinen Fans: „Wenn wir füreinander einstehen, dann merken wir, dass wir nicht allein sind“, singt er.

Über 60 Auftritte weggebrochen

Ab Mittwoch (24.2.) beginnt die Promotion-Arbeit für das neue Album, natürlich ohne flankierende Live-Auftritte. Bis auf die kleine „Hula-Hup-Tour“ durch die Autokinos, die den Künstler im Vorjahr auch in seine Heimatstadt führte, hat er seit Ausbruch der Coronakrise nicht mehr auf der Bühne gestanden. „Mindestens 60, 70 fest gebuchte Auftritte sind weggebrochen“, so der 25-Jährige.

Immerhin: Am Sonntag (21.2.) zeigte er mit Tänzern eine komplette Show in einer Tanzschule in Unna, aber als Live-Stream. 250 Familien verfolgten zu Hause vor den Rechnern das Event. „Auf der einen Seite schön, mal wieder engagiert worden zu sein, auf der anderen Seite aber komisch, keine Reaktion der Kinder so sehen und zu hören.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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