Mörder spricht in der Vernehmung von "Blackout"

DORSTEN „Ich hacke dir den Kopf ab und bringe ihn dann der Polizei!“ So habe ihr Mann ihr gedroht. Als Fatma N. sich vor einigen Wochen Schutz suchend an die Polizei wandte, konnte wohl keiner ahnen, dass der 29-jährige Türke aus Bochum seine brutale Ankündigung tatsächlich wahrmachen würde:

von Von Anke Klapsing-Reich

, 18.12.2008, 16:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Blumen und Kerzen legten Passanten am Tatort nieder.

Blumen und Kerzen legten Passanten am Tatort nieder.

  Er habe davon erfahren, dass seine von ihm getrennt lebende Frau versuche, Auftragsmörder für ihn zu finden. Da habe er ihr zuvorkommen müssen, was auch die Beschaffung einer Waffe „zur eigenen Verteidigung“ rechtfertigen solle. Wie er den geheim gehaltenen Aufenthaltsort seiner Frau herausgefunden habe, die durch Vermittlung  der Polizei mit den beiden Kindern, der sechsjährigen Tochter und dem achtjährigen Sohn, Zuflucht im Dorstener Frauenhaus gefunden hatte, erklärt der Täter ebenfalls recht unglaubwürdig: „Ein anonymer Anrufer hat mir diese Information gegeben.“ Im Gegensatz zu den Zeugenaussagen will er bei der Begegnung in der Essener Straße nicht mit seiner Frau gestritten haben: „Er sagt, dass er nur seinen Sohn sprechen und küssen wollte, was seine Frau habe verhindern wollen“, referiert Staatsanwalt Gutjahr. Dass er in seiner Erregung das Messer in den Hals seiner Frau gestoßen habe, erklärt der 29-Jährige mit einem „Blackout“.

„Für einen Blackout hat er allerdings einen recht coolen Eindruck gemacht“, hegt der Staatsanwalt berechtigte Zweifel an der Wahrheit. Die Zeugen hatten nämlich ausgesagt, dass sich der Mann nach dem Mord relativ unaufgeregt und gemächlichen Schrittes vom Tatort entfernt habe. Das Tatmesser, das der Türke „irgendwo auf seinem Fluchtweg weggeworfen“ habe, konnte bislang noch nicht gefunden werden. „Wir werden jetzt weitere Zeugen vernehmen und das Umfeld prüfen“, erklärt Gutjahr, der nun mit einer Anklage wegen Mordes rechnet. Und darauf gibt´s nur eine Strafe: Lebenslänglich hinter Gittern!  Um zu bekunden, „dass wir die Gewalt nicht einfach so hinnehmen wollen“, hat sich die Klasse 5c des Dorstener St. Ursula-Gymnasiums zu einer Schweigeminute am Freitag nach der fünften Unterrichtsstunde (12.45 Uhr) am Platz der Deutschen Einheit (Toom-Markt) entschlossen. Pfarrer Lutterbeck, Pastor Becker und die Bürgermeister von Dorsten und Schermbeck, Lambert Lütkenhorst und Ernst-Christoph Grüter, haben ihre Teilnahme zugesagt. 

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