Wenn Worten Taten folgen: Wie darf ein Schüler sich wehren?

dzMobbing unter Schülern

Ein Schüler wird von drei Jungen gepiesackt. Das Mobbingopfer wehrt sich. Aber nicht nur mit Worten. Denn der Junge ist auch Schüler einer Kampfsportschule. Der Zwischenfall macht die Runde.

Wulfen, Wulfen-Barkenberg

, 08.09.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Streit unter Schülern hat in einer Schulgemeinde für Wirbel gesorgt. Das Thema wurde in den Sozialen Medien breit getreten. Ein jüngerer Schüler soll mit drei anderen etwa gleichaltrigen Kindern auf dem Nachhauseweg aneinandergeraten sein. Der Schüler wehrt sich, aber nicht so, wie seine Schule es gern sähe: „Ich habe mich verteidigt und dafür einen auf den Deckel gekriegt“, vertraute sich das Kind seinem Kampfsportlehrer Ilias Essouadi an.

Der leitet die Fitness- und Kampfsportschule Team Assassin in Dorsten und bis vor Kurzem bot er auch eine Arbeitsgemeinschaft für 20 bis 25 Schüler an der Gesamtschule Wulfen an. Die Schule hat nach dem Zwischenfall Ende August die gerade einmal ein Jahr alte Zusammenarbeit mit Essouadi aufgekündigt: „Wir geben Gewalt keine Chance“, sagt Gesamtschulleiter Hermann Twittenhoff nach dem handgreiflich ausgetragenen Streit in der Schülergruppe. Gewalt sei kein Mittel, um Konflikte beizulegen, sagt er auch.

„Sie sollen keine Täter sein, aber auch keine Opfer“

Ilias Essouadi bedauert das Ende der Kooperation. Seine Schule stehe dafür, dass Kinder selbstbewusst im Leben auftreten. „Wir wollen ausdrücklich nicht, dass sie zu Tätern werden. Aber Opfer sollen sie auch nicht sein“, erklärt er. Ein respektvoller, rücksichtsvoller Umgang sei ihm wichtig, sagt er auch. Das vermittle er den Kindern in seiner Schule. Und auch, dass sie sich mit Worten wehren sollen und nicht mit Taten. „Wenn Worte aber nicht ausreichen, sollen sie sich verteidigen dürfen, wenn sie angegriffen werden.“

Seinen Schüler, der in den Streit verwickelt war, kenne er als ruhigen und zurückhaltenden Jungen. Er habe sich seines Wissens nach gewehrt, als er attackiert worden sei: „Der Junge hat den Angriff abgewehrt und ist dann gegangen“, so Essouadi.

Erziehungswissenschaftler nennt zwei Konfliktebenen

„Das ist doch super“, kommentiert der bekannte Erziehungswissenschaftler, Konfliktmanager, Mediator und Autor Dr. Albert Wunsch auf unsere Anfrage. Wunsch, der schon mal in Dorsten referiert hat, sagt, dass das Kind augenscheinlich „so viel wie nötig gezeigt hat, um auf Distanz zu den Mitschülern zu gehen“.

Gewaltfreiheit sei wunderbar und sehr begrüßenswert im zwischenmenschlichen Miteinander. Bei Konflikten gebe es ohne Mediator meist aber nur zwei Ebenen, wie diese ausgetragen werden: „Die erste Ebene ist die sachliche Ebene. Auf der zweiten Ebene heißt es dann: Wer setzt sich durch?“ Leider ende das häufig in Gewalttätigkeiten. Selbst Erwachsene brauchten dann einen professionellen Mediator, um die Wogen zu glätten.

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Die Schulleitung hat indes alles unternommen, um die Situation „herunterzukochen“, wie Hermann Twittenhoff sagt. Eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit der Schule von Essouadi sieht er nicht mehr: „Wenn Kinder Kampfsport betreiben, dann führt das dazu, dass sie Kampfsport anwenden.“ Das sei nicht im Sinne der Gesamtschule Wulfen. „Wir trainieren mit unseren Schülern, wie Konflikte gewalt- und aggressionsfrei ausgetragen werden können“, so der Schulleiter.

Ordnungsmaßnahmen gegen Schüler eingeleitet

Gegen die Gruppe von Kindern, die aneinander geraten ist, seien Ordnungsmaßnahmen eingeleitet worden. So wird pädagogisch auf Kinder eingewirkt, die ein Fehlverhalten gezeigt haben. Anderen Schülern wird deutlich gemacht, welches Verhalten in der Schule nicht akzeptiert und deshalb sanktioniert wird. Eine Form von Konfliktmanagement, wie es an der Gesamtschule Wulfen praktiziert wird.

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