Ungewöhnliche Entscheidung am Essener Landgericht © Jörn Hartwich
Landgericht Essen

Mittelfinger-Vorwurf: Autofahrerin sollte „emotionalen Schmerz“ spüren

Eine junge Autofahrerin wird angezeigt, weil sie einer Nachbarin den Mittelfinger gezeigt haben soll. Im Prozess greifen die Richter zu einer ungewöhnlichen Maßnahme.

So schnell ist eine junge Frau aus Lembeck wahrscheinlich noch nie zum Geldautomaten gelaufen: Um einer möglichen Bestrafung zu entgehen, hatten ihr die Richter am Essener Landgericht am Mittwoch genau drei Stunden Zeit gegeben, um 500 Euro aufzutreiben und in bar bei der Gerichtskasse einzuzahlen.

„Man verspürt einen emotionalen Schmerz, wenn man Geld abheben und es sofort wieder abgegeben muss“, so Richter Roland Wissel. Genau das sei beabsichtigt.

Zu schnell durch eine Spielstraße gefahren?

Was war passiert? Die 20-jährige Angeklagte war angezeigt worden, nachdem sie im letzten Sommer angeblich zu schnell durch eine Spielstraße gefahren und einer Nachbarin dabei den Mittelfinger gezeigt haben soll. Das Amtsgericht Dorsten hatte sie daraufhin wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt.

Weil sie die Strafe jedoch nicht akzeptieren wollte, musste sich nun auch das Landgericht mit dem Fall befassen. Dort hat die 20-Jährige alles bestritten. „Ich kam von der Arbeit, bin ganz normal nach Hause gefahren“, sagte sie den Richtern. Es sei nichts passiert.

Weil die Aussicht auf einen Freispruch jedoch zumindest nach Aktenlage schlecht stand, akzeptierte sie noch vor Vernehmung der Zeugen die Einstellung des Verfahrens. Auch wenn die 500 Euro nun trotzdem weg sind, gilt sie damit weiter als nicht vorbestraft.

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