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Mit Messer im Krankenbett: Gewalttätige Übergriffe häufen sich im Dorstener Krankenhaus

dzSt.-Elisabeth-Krankenhaus

Immer mehr Krankenhäuser melden eine Zunahme von Übergriffen auf ihr Personal. Auch auf der Intensivstation des Dorstener St.-Elisabeth-Krankenhauses hat sich die Situation verschärft.

Dorsten

, 30.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Ärzte und Pflegekräfte in Krankenhäusern beklagen eine Zunahme von gewalttätigen Übergriffen. Vor allem in Notaufnahmen und auf Intensivstationen rasten immer mehr Patienten und Angehörige aus. Erst vor wenigen Wochen verhinderte eine aufmerksame Mitarbeiterin auf der Intensivstation des Dorstener St.-Elisabeth-Krankenhauses möglicherweise Schlimmeres, als sie ein verstecktes Messer im Krankenbett eines Patienten entdeckte.

Patrick Kedora hat als pflegerischer Leiter der Dorstener Intensivstation täglich mit Patentien und Angehörigen zu tun. Man müsse unterscheiden zwischen Patienten, die sich etwa nach einer Operation in einem Zustand allgemeiner Verwirrtheit befinden und sich ihr Verhalten hinterher gar nicht erklären können - und jenen, die betrunken oder unter Drogeneinfluss auf der Station ankommen und von Anfang an aggressiv auftreten, betont der 30-Jährige.

Endet der Drogentrip, drehen Patienten schon mal durch

Gerade wenn es darum geht, dass der Drogentrip aufhört oder durch Medikamentengabe abrupt beendet werden muss, reagieren Patienten aggressiv. „Die Leute kratzen teilweise ihr letztes Geld zusammen, holen sich einen Schuss und wir sind dann die Bösen, die den Trip beenden“, sagt Kedora.

Aber auch Angehörige neigen zunehmend zu gewalttätigen Ausbrüchen: „Wir hatten hier vor Wochen einen Fall, da hat ein Angehöriger einer Patientin quasi die halbe Station auseinandergenommen.“ Zweimal sei die Polizei an diesem Tag wegen des Angehörigen angerückt, so Kedora. „Beim zweiten Mal wurde er dann der Station verwiesen.“

Studie: Fast 80 Prozent haben Gewalterfahrungen gemacht

Dass das Problem nicht neu ist, zeigt eine bundesweite Erhebung der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege aus dem Jahr 2017. Demnach gaben 79,5 Prozent der Beschäftigten an, in den vorausgegangenen zwölf Monaten Gewalt erlebt zu haben. Von diesen berichteten wiederum 94 Prozent von verbalen und 70 Prozent von körperlichen Gewalterlebnissen.

Die Krankenhäuser schauen bei diesem Thema genau hin. „Tatsächlich haben sich sowohl die verbalen als auch die körperlichen Angriffe im St.-Elisabeth-Krankenhaus in letzter Zeit gehäuft“, sagt Guido Bunten, Prokurist und kaufmännischer Betriebsleiter des St.-Elisabeth-Krankenhauses sowie des Marien-Hospitals in Marl.

Der Klinikverbund KKRN verfüge bereits über Sicherheitstüren mit einem Zutrittsmechanismus und verteile das Mineralwasser auf den geriatrischen Stationen in Kunststoff- statt Glasflaschen, so Bunten. „Außerdem hat die Geschäftsführung mit der Betriebsleitung sowie dem Qualitäts- und Risikomanagement des Verbundes bereits einen Risiko-Zirkel gegründet, im Zuge dessen weitere Sicherheitsmaßnahmen geplant wurden.“

Notfallknopfsystem geht demnächst in Betrieb

Dazu gehört etwa ein Notfallknopfsystem, das demnächst in Betrieb geht. Schon jetzt arbeiten die Krankenhäuser im Klinikverbund mit Notfallnummern und erweiterten Deeskalationstrainings. Auch die Videoüberwachung wird laufend ausgebaut.

„Wir haben hier die klare Ansage, dass wir uns niemandem in den Weg stellen“, sagt Patrick Kedora. „Man darf nicht vergessen, dass hier 90 Prozent weibliche Pflegekräfte sind. Aber selbst ich als stabiler, großgewachsener Mann erlebe so manchen Kunden, dem ich mich nicht in den Weg stellen würde.“

Fixierung als letztes Mittel der Pflegekräfte

Wenn ein Patient vehement versucht abzuhauen, lassen ihn die Pflegekräfte nach Rücksprache mit den Ärzten laufen und informieren die Polizei. Die Dorstener Wache ist nicht weit entfernt und die Beamten sind entsprechend schnell vor Ort. Als letztes Mittel bleibt dem Klinikpersonal die Fixierung von aggressiven Patentien.

Für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei das eine belastende Situation, sagt Patrick Kedora. „Wenn jemand beispielsweise einer jungen Kollegin damit droht, auf dem Parkplatz auf sie zu warten, dann fängt es meist damit an, dass man Angst hat, im Dunkeln alleine zum Parkplatz zu laufen. Das ist ja nur nachvollziehbar.“

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