Coronavirus: Die ersten Mieter geraten in Zahlungsschwierigkeiten

dzMieter in Bedrängnis

Die meisten Geschäfte haben zu. Den Inhabern kleiner Firmen laufen die Kosten weg. Und auch einige private Mieter sind wegen der Corona-Einschränkungen in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Dorsten

, 15.04.2020, 09:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Claus Deese, 1. Vorsitzender des Mieterschutzbundes mit einer Niederlassung in Dorsten, stellt in diesen Tagen eine weitaus höhere Nachfrage nach Beratungen fest. „Es sind insbesondere Geschäftsinhaber, die sich an uns wenden“, sagt Deese. Viele Inhaber kleinerer Unternehmen, Floristen etwa, Friseure oder Gastronomen, seien in Zahlungsschwierigkeiten geraten, weil sie seit Wochen keine Einnahmen mehr haben.

„Seit 1. April können Mieter Stundungen bei den Mietzahlungen beantragen“, so Deese. Der Mieterschutzbund rät allerdings nur in besonderen Ausnahmefällen dazu, diese Möglichkeit in Anspruch zu nehmen. „Zwar sind die Vermieter zurzeit sehr wohlwollend, trotzdem können Mieter die Zahlungen nicht einfach streichen, sondern müssen nach einer Stundung dann mit erheblichem Zinsaufschlag schuldig gebliebene Mietleistungen an die Vermieter abführen“, sagt Deese.

Drei Monate Ausnahmesituation

Drei Monate beträgt die Frist, die die Bundesregierung per Sondergesetz zahlungsunfähigen Mietern einräumt. Sie können in diesem Zeitraum auch nicht gekündigt werden, vorausgesetzt, sie haben sich mit ihren Vermietern über die Zahlungsmodalitäten verständigt. „Es gibt einige Mieter, die meinen, die Gunst der Stunde zu ihrem Vorteil nutzen zu können“, hat Deese beobachtet. Ein paar nähmen offenbar an, dass sie nun gar keine Miete mehr zahlen müssten. „Das ist nicht so“, sagt Deese.

Die Justizministerin stellt den Sachverhalt klar

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht erklärt die Einzelheiten auf der Homepage ihres Hauses: „Mit den zum 1.4. in Kraft getretenen zivilrechtlichen Vorschriften erhalten Mieter, Verbraucher und Kleinstgewerbetreibende eine wichtige Verschnaufpause, die sie benötigen, um staatliche Hilfen und Unterstützungsleistungen in Anspruch nehmen zu können.

Die Regelungen stellen sicher, dass Mieter und Gewerbetreibende in dieser schwierigen Zeit nicht ihr Zuhause oder ihr Betriebs- oder Ladenlokal verlieren. Die Mieten müssen trotz des Kündigungsausschlusses vollständig gezahlt werden. Daran ändern auch die vorübergehenden Regelungen nichts.“

Velero hat ein paar Anfragen von Mietern bekommen

Die Velero, Vermietergesellschaft für die ehemaligen LEG-Wohnungen in Barkenberg, ist für knapp 1200 Mieter zuständig. Sie verwaltet die Wohnungen im Auftrag der Eigentümerin Merlion. Deren Geschäftsführer, Lennart Weinhold, sagt auf unsere Anfrage zu Zahlungsschwierigkeiten von Mietern, die aufgrund von Kurzarbeit oder weggebrochener Einnahmen deutlich weniger Einkommen haben: „Vereinzelt haben Mieter aus unserem Bestand in Dorsten Kontakt mit Velero aufgenommen und wir suchen zusammen mit den jeweiligen Mietern nach individuellen Lösungen.“

Einige Mieter der jetzigen Velero-Wohnungen in Barkenberg sind wegen der Corona-Umstände in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Einige Mieter der jetzigen Velero-Wohnungen in Barkenberg sind wegen der Corona-Umstände in Zahlungsschwierigkeiten geraten. © Bludau

Wenn nötig, gebe die Velero Mietern auch Auskunft darüber, wie etwa Mietbeihilfe in Anspruch genommen werden kann oder bei Selbständigen, wie eines der neuen Corona Hilfsprogramme beantragt werden kann.

Jetzt lesen

„Darüber hinaus haben wir all unseren Mietern, die ihren Mietvertrag gekündigt haben, angeboten, ihre Kündigung zurückzunehmen und länger in ihrer Wohnung zu bleiben – natürlich nur sofern gewünscht“, sagt Weinhold zudem. „Selbstverständlich“ halte sich die Velero „an die neuesten gesetzlichen Regelungen“. „Wir werden keinem Mieter, der durch die Corona-Krise in Zahlungsschwierigkeiten geraten ist, kündigen.“

Lesen Sie jetzt