Messerattacke beim Frühstück – Sohn spricht von Stolper-Unfall

dzLandgericht Essen

Ein psychisch kranker Mann aus Dorsten geht mit einem Messer auf seinen Vater los. Jetzt steht er vor Gericht – und will von all den Vorwürfen nichts wissen.

Dorsten, Essen

, 05.05.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Angriff kam aus dem Nichts. Eigentlich wollte die Familie nur gemeinsam frühstücken. So, wie sie es schon x-mal zuvor getan hatte. Der Sohn hatte eine Wohnung im selben Haus, brauchte nur durchs Treppenhaus nach unten zu gehen. Die Eltern hatten auch schon alles vorbereitet, der Vater stand direkt vor der Kaffeemaschine. Doch dann nahm das Drama seinen Lauf.

„Ich habe meinem Sohn noch gesagt, er solle sich hinsetzten“, sagte der 63-Jährige am Montag als Zeuge vor Gericht. Das nächste Bild, das er noch im Kopf hat, waren die Augen seines Sohnes. „Er war irgendwie aufgebracht, hatte ein Messer in der Hand.“

Stich ging von hinten in den Hals

Die Staatsanwaltschaft hat den Fall so rekonstruiert: Der 34-jährige Angeklagte soll am Morgen des 3. November 2019 in der Wohnung der Eltern an der Klosterstraße erschienen und sich sofort ein Messer aus der Schublade genommen haben. Damit stach er seinem Vater dann direkt in den Hals – und zwar von hinten. Geschrei, Gerangel, Blut, Krankenhaus.

Hintergrund der Attacke soll eine schwere psychische Erkrankung sein. In den vergangenen zwei Jahren war der 34-Jährige fast zehnmal in der Psychiatrie. Angeblich setzt er die ihm verschriebenen Medikamente immer wieder ab, greift stattdessen zu Alkohol und Marihuana.

„Ich bin ein friedliebender Mensch“

Er selbst spricht vor Gericht von einem Unfall. Die Küche sei eng, der Vater müsse ins Stolpern gekommen sein, als er sich gerade setzen wollte. „Ich bin ein friedliebender Mensch“, sagte er den Richtern. „Ich hatte doch gar keinen Grund, meinem Vater etwas zu tun.“

Es war aber wohl nicht der erste Angriff. Der 64-Jährige erzählte vor Gericht von zahlreichen Vorfällen aus der Vergangenheit. Er sei von seinem Sohn schon geschlagen, gewürgt und eingesperrt worden. Manchmal war auch die Polizei im Einsatz.

Richter prüfen Unterbringung in der Psychiatrie

Die Verletzung war zum Glück nicht besonders schwer. Die Ärzte im Krankenhaus hatten eine 3,5 Zentimeter tiefe Stichwunde festgestellt, die offenbar problemlos genäht werden konnte. Durch die Gegenwehr des Vaters war aber auch dessen Hand verletzt worden. In zwei Fingern hat er bis heute ein „komisches Gefühl“.

Die Richter müssen nun prüfen, ob der Angeklagte in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden muss. Wegen der möglicherweise besonders großen Gefährlichkeit und Unberechenbarkeit. Der 34-Jährige soll bei dem Angriff auf seinen Vater nämlich auch noch diesen Satz gerufen haben: „Ich bringe dich um!“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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