Auf dem Waldfriedhof am Tüshausweg in Holsterhausen gibt es bereits Rasenpartnergrabstätten. © Guido Bludau

Mehr Urnen, weniger Pflege: Dorsten reagiert auf veränderte Bestattungskultur

Die Stadt Dorsten will eine noch recht neue Art der Bestattung bald auf alle kommunalen Friedhöfe ausweiten. Die Nachfrage ist enorm.

Satzung zur 3. Änderung der Satzung für die Friedhöfe der Stadt Dorsten – das Thema liest sich etwas sperrig in der Beschlussvorlage des Haupt- und Finanzausschusses. Doch was die Politiker am 26. Mai verabschieden sollen, kommt durchaus einer Revolution gleich.

Die Stadt Dorsten plant, auf allen kommunalen Friedhöfen die Bestattung in sogenannten Rasenpartnergräbern zu ermöglichen. Das gibt es bislang nur auf zwei Friedhöfen: auf dem Waldfriedhof am Tüshausweg in Holsterhausen und auf dem Friedhof an der Glück-Auf-Straße in Hervest.

Seit 2016 gibt es dort auf eigens dafür vorgesehenen Rasenfeldern Sargbestattungen, seit 2019 auch Urnenbestattungen. Das Angebot nun auf alle kommunalen Friedhöfen auszuweiten, ist der offenbar großen Nachfrage geschuldet. Immer mehr Menschen wollen möglichst pflegefreie Grabstätten in Dorsten, außerdem bevorzugen immer mehr Dorstener Urnenbestattungen.

Immer mehr Grabstätten kommen ohne Pflege aus

In Zahlen: Allein im vergangenen Jahr erfolgten rund 70 Prozent der 485 gebührenpflichtigen Beisetzungen auf den kommunalen Friedhöfen in pflegefreien Grabstätten, über 60 Prozent aller Verstorbenen wurden in Urnengrabstätten beigesetzt. „Die Friedhöfe der Stadt Dorsten unterliegen einem ständigen Wandel in der Bestattungskultur“, sagt Bürgermeister Tobias Stockhoff.

Rasengrabstätten sind nahezu pflegefrei. Wenn die Grabsteine aus China, Indien, Vietnam und den Philippinen kommen, müssen sie zertifiziert (ohne Kinderarbeit hergestellt) sein, © Guido Bludau © Guido Bludau

Nun also soll es wegen einer aktuellen Anfrage Rasenpartnergrabfelder für Sarg- und Urnenbeisetzungen auf allen kommunalen Friedhöfen der Stadt Dorsten geben. Das hatte die Friedhofsverwaltung schon vor fünf Jahren im Hinterkopf. „Die benötigten Flächen sind bei allen Friedhöfen in ausreichendem Maß vorhanden und lassen sich in das bestehende Friedhofsbedarfskonzept integrieren“, meint der Bürgermeister nun.

Dorsten hat sechs kommunale Friedhöfe

Die Stadt Dorsten unterhält zurzeit sechs kommunale Friedhöfe mit einer Gesamtgröße von ca. 24 Hektar. Neben dem Waldfriedhof in Holsterhausen und dem Friedhof an der Glück-Auf-Straße sind dies die Friedhöfe in Altendorf-Ulfkotte und auf der Hardt sowie am Riedweg (Hervest) und am Schultenfeld (Wulfen-Barkenberg).

Sie sind nicht nur letzte Ruhestätte für Verstorbene, sondern haben nach Angaben der Stadtverwaltung auch „eine hohe kulturelle Bedeutung“. Außerdem seien sie als öffentliche Grünflächen sehr geschätzt. „Nicht zuletzt sind die städtischen Friedhöfe ökologisch hochwirksame Freiräume für den Natur- und Artenschutz.“

Über den Autor
Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
Zur Autorenseite
Stefan Diebäcker