Mehr als 3000 Dorstener durch Straßenlärm belastet

dzLärmaktionsplan

Immer mehr Dorstener sind belastendem Straßenlärm ausgesetzt. Das zeigt der Lärmaktionsplan der Stadt. Abhilfe zu schaffen, dauert mitunter Jahre - auch wenn es nur um ein Schild geht.

Dorsten

, 21.06.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine normale Unterhaltung bei Zimmerlautstärke erreicht ungefähr einen Schallpegel von 50 Dezibel (dB). Das wird normalerweise nicht als störend empfunden. Doch schon Geräusche ab 55 dB können eine Belastung darstellen und bei längerer Dauer die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden mindern. Alles über 65 dB wird als Lärm wahrgenommen, erzeugt Stress und kann zu gesundheitlichen Schäden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Vor allem dann, wenn man dauerhaft diesem Lärm ausgesetzt ist - so wie bei Straßenlärm.

Dorsten ist durch zwei Autobahnen, drei Bundes- und drei Landesstraßen gut an der überörtliche Verkehrsnetz angebunden. Aber der rege Verkehr auf diesen Straßen verursacht eben auch Lärm, der Anwohnern zu schaffen macht.

Rund 3100 Menschen betroffen

Laut dem Lärmaktionsplan der Stadt vom Juni 2020 leben in Dorsten schätzungsweise rund 3100 Menschen in Gebäuden, die sich in der Nähe von Autobahnen, Bundes- und Landestraßen befinden und an deren Fassade ein Schallpegel zwischen 55 und 75 dB erreicht wird. Im Vergleich zum Jahr 2012 sind das knapp 500 Betroffene mehr.

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Der Plan basiert auf einer Lärmkartierung von Bundes- und Landesstraßen mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als 3 Millionen Fahrzeugen pro Jahr. In Dorsten sind das die A 31, A 52, B 225, B 58, B 224, L 509 und die L 463. Die Daten stammen aus dem Jahr 2017 und können auf www.umgebungslaerm-kartierung.nrw.de eingesehen werden.

Kommunen sind verpflichtet, Lärmaktionspläne aufzustellen, wenn an Schulen, Wohnungen, Krankenhäusern oder anderen schutzwürdigen Gebäuden im sogenannten Tag-Abend-Nacht-Index über 24 Stunden ein Lärmpegel von 70 Dezibel (dB) und nachts von 60 dB erreicht wird. Der Plan soll Lärmprobleme darstellen und mögliche Lösungen aufzeigen.

Keine Handlungsempfehlungen im Lärmaktionsplan

Handlungsempfehlungen zur Lärmminderung sind im Dorstener Plan nicht enthalten, was daran liegen könnte, dass die Stadt hier kaum Handhabe hat: „Die kartierten Hauptverkehrsstraßen auf dem Stadtgebiet liegen nicht in der Baulastträgerschaft der Stadt Dorsten“, heißt es im Plan. „Baulastträger ist der Landesbetrieb Straßen.NRW.“ Die Stadt ist im Rahmen der Lärmaktionsplanung eher Vermittler und hat Straßen.NRW im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung, bei der auch Bürger Vorschläge einreichen konnten, um Stellungnahmen gebeten.

Östricher sprachen bereits mit dem Landtagsabgeordneten Michael Hübner (2.v.r.) über das Thema Lärm auf der A31.

Östricher sprachen bereits mit dem Landtagsabgeordneten Michael Hübner (2.v.r.) über das Thema Lärm auf der A31. © privat

Die meisten Bürgerbeschwerden aus der Öffentlichkeitsbeteiligung drehen sich um die Königsberger Allee/Gahlener Straße (L 463). Es wird unter anderem Tempo 30 auf der Gahlener Straße zwischen Innenstadt und Storchsbaumstraße vorgeschlagen, die Einrichtung eines Kreisverkehrs an der Kreuzung Storchsbaumstraße oder ein Nachtfahrverbot für Lkw auf der Gahlener Straße.

Geht alles nicht, sagt Straßen.NRW, vor allem die Sache mit der Geschwindigkeitsreduzierung ist nicht so einfach. „Insgesamt haben aus verkehrlicher Sicht Geschwindigkeitsbschränkungen aus Lärmschutzgründen im Bereich des klassifizierten Straßennetzes meist wenig Aussicht auf Erfolg“, schreibt Straßen.NRW in einer Stellungnahme. Sie sind im Falle gesundheitsschädlichen Lärms eine Art letztes Mittel, wenn „zuvor insbesondere alle Möglichkeiten des aktiven und passiven Lärmschutzes nachweislich ausgeschöpft“ worden sind.

Lärmreduzierender Gussasphalt für A 31

Hardter und Östricher hatten sich in der Vergangenheit wegen des Lärms auf der A 31 an Straßen.NRW gewandt. Der Landesbetrieb hat angekündigt, bei der für 2021 geplanten Sanierung des A 31-Teilstücks zwischen Lippebrücke und Anschlussstelle Dorsten-West Gussasphalt zu verlegen, der lärmreduzierend wirkt.

Auch bei der vorgeschlagenen Vereinheitlichung der Geschwindigkeit auf der Königsberger Allee auf Tempo 70 signalisierte Straßen.NRW erstmals 2015 und zuletzt im Juli 2019 Bereitschaft. Das Schild hinter der Anschlussstelle, das Tempo 70 stadteinwärts vorübergehend aufhebt und zum lärmenden Beschleunigen einlädt, stand zumindest am vergangenen Dienstag aber immer noch.

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