Drive-In beim Metzger: Familie Tiemann bringt die Wurst an die Autotür

dzCoronavirus

Probleme hat Metzgermeister Matthias Tiemann in diesen Tagen genug. Aber auch eine gute Idee: Wer nicht in seinen Laden kommen möchte, dem bringt er Wurst und Schinken auch zum Auto.

Lembeck

, 19.03.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Natürlich spüren Matthias Tiemann („Metzgerei Bellendorf“) und sein Sohn Hendrik die Auswirkungen der Corona-Krise. „Unser Party-Service ist eingebrochen“, sagen die beiden Fleischermeister aus Lembeck. Am letzten Wochenende hagelte es Absagen, auch kurzfristige. „Das tut richtig weh, dieser Geschäftszweig ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen.“

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Viele trauen sich nicht mehr in den Laden

Das Ladenlokal an der Schulstraße bleibt auch nach dem jüngsten Erlass der NRW-Landesregierung geöffnet, aber viele Kunden, vor allem ältere und Risiko-Patienten, trauen sich nicht mehr hinein, weil sie Kontakte zu anderen Menschen meiden sollen. Matthias Tiemann kann das verstehen, sein Sohn Hendrik hat deshalb kurzentschlossen eine neue Geschäftsidee entwickelt.

Metzgerei Bellendorf in Lembeck

Ein Schild weist auf den Drive-In-Service der Metzgerei Bellendorf hin. © Guido Bludau

Die Metzgerei Bellendorf bietet seit Montag in ihrer Lembecker Filiale, aber auch in Heiden und Borken einen „Bestell-Drive-In“ an. Und das geht so: Die Kunden bestellen per Telefon die gewünschte Ware und geben ein Zeitfenster an, wann sie die Bestellung abholen möchten. „Danach richten wir uns und haben dann die Bestellung abholbereit“, erklärt Matthias Tiemann.

Mit Sicherheitsabstand ins Auto

Der Kunde fährt mit dem Auto vor die Filiale, ruft kurz an und bekommt seine Ware „mit empfohlenem Sicherheitsabstand von einem Meter“ ans Auto gebracht. Die Mitarbeiter legen die Tüte zum Beispiel auf den Rücksitz, wo im Idealfall das Geld für die Rechnung bereitliegt.

Hendrik Tiemann bringt die Ware auf Wunsch auch zu den Kunden nach Hause.

Hendrik Tiemann bringt die Ware auf Wunsch auch zu den Kunden nach Hause. © Guido Bludau

Der Service hat sich in Lembeck bereits herumgesprochen, auch wenn der Einkauf im Laden grundsätzlich weiterhin möglich ist. „Plötzlich kommen auch Menschen, die ich hier noch nie gesehen habe“, sagt Matthias Tiemann. Er kehrt gerade ein Stück weit „zu den Wurzeln zurück“.

Lieferservice an die Haustür

Dazu gehört, dass er den Lieferservice, den es ja schon länger gibt, „wieder ein bisschen in Erinnerung ruft“. Den haben Ludwig und Luise Drüing in dieser Woche schon genutzt und ließen sich von Hendrik Tiemann an der Haustür mit frischen Produkten versorgen. „Wir gehören ja zur Risikogruppe“, bestätigte das Rentnerpaar aus Lembeck, das nur noch selten vor die Tür geht. „Wir halten das für eine tolle und nachahmenswerte Idee.“

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