Etwa 1.000 Maskenpakete wurden im Atlantis-Parkhaus gegen eine Schutzgebühr an Bedürftige verkauft. Die Aktion rief nicht nur Beifall hervor. © Guido Bludau (A)
Coronavirus

Maskenverkauf an Bedürftige in Dorsten hat Nebenwirkungen

Zu Sonderkonditionen sind in Dorsten seit Montag Schutzmasken an Bedürftige verkauft worden. Ohne Nebenwirkungen blieb die gut gemeinte Aktion allerdings nicht.

Anstrengend war die Woche, das gibt Karsten Meyer unumwunden zu. Damit meint er weniger das, was sich im Parkhaus des Freizeitbades Atlantis abspielte. Der Verkauf der Maskenpakete an bedürftige Menschen ging weitestgehend reibungslos über die Bühne.

„Wir haben viel Dankbarkeit erlebt“

„Wir haben viel Dankbarkeit erlebt“, sagte der Geschäftsführer der städtischen Bädergesellschaft am Freitag. Da war die erste Verkaufsphase beendet. Ab Montag (1.2.) wird dann ein mobiles Team medizinische Masken direkt in den Stadtteilen anbieten. „Die Stadt Dorsten möchte durch die Ausweitung des Angebotes auch den Bürgern die Möglichkeit zum Erwerb des Maskenpaketes geben, die nicht zum Atlantis kommen konnten“, erklärt Bürgermeister Tobias Stockhoff.

Der weite Weg zum Bad mag ein Grund sein, warum deutlich weniger Maskenpakete verkauft wurden als vielleicht gedacht. 1.000 Tüten mit zehn OP- und drei FFP2-Masken hatte das Atlantis-Team am vergangenen Wochenende gepackt, Nachschub aus dem Notlager musste offenbar nicht geordert werden.

Aber: Etwa 7.500 Menschen hätten nach Angaben der Stadtverwaltung einen Anspruch auf das Sonderangebot gehabt – so sie diesen auch hätten nachweisen können. Und daran ist auch ein Teil der Kritik festzumachen, die in den letzten Tagen auf die Stadtverwaltung und das Atlantis in unzähligen Kommentaren und teils rüdem Ton niederprasselte.

Lieber kostenlos und für alle

Telefonisch, aber vor allem in den sozialen Medien machte sich Volkes Zorn bemerkbar. Kostenlos und nicht für 2,50 Euro müssten die Masken abgegeben werden, hieß es, und dann am besten für alle Dorstener. „Außerdem fühlten sich die Personenkreise, die leicht über der Grenze zur Bedürftigkeit liegen und deshalb keinen entsprechenden Nachweis vorlegen konnten, benachteiligt“, berichtete Meyer.

Karsten Meyer Atlantis
Atlantis-Chef Karsten Meyer bedauert, dass die solidarische Aktion bei manchen Dorstenern nicht gut ankam. © Guido Bludau © Guido Bludau

Der Bad-Chef bedauert, dass „die häufig neben dem Spielfeld diskutierten Beschwerden den eigentlich gelungenen und solidarischen Geist dieser Aktion nicht gewürdigt“ hätten. Vor Ort habe das anders ausgesehen: „Die Menschen, manchmal ganze Familien, haben sich in überwältigender Anzahl bedankt und fanden die Aktion mehr als gut.“

2,50 Euro sind für manche am Monatsende viel Geld

Wenn es die Warteschlange zuließ, gab es bisweilen minutenlange Gespräche mit den Atlantis-Helfern. Meyer vermutet: „Die Leute waren offenbar froh, mal wieder raus zu kommen und etwas anderes zu sehen.“

Dass diese Aktion nun in den Stadtteilen fortgesetzt wird, ist auch einem Gespräch bei der Maskenausgabe zu verdanken, verrät Meyer. „Wir haben die Aktion am Monatsende gestartet. Da sind für manch einen selbst 2,50 Euro schon eine Herausforderung. Deshalb gehen wir davon aus, dass wir in der kommenden Woche und zu Beginn des Monats auf starke Nachfrage treffen.“

Dass daran wieder einige Dorstener etwas auszusetzen haben werden – „damit müssen wir dann wohl leben“.

Die in Dorsten verkauften Masken sind streng genommen keine FFP2-Masken, sondern tragen das internationale Siegel KN95. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hat dazu kürzlich festgestellt: „KN95-Masken schützen – sofern sie eine Bestätigung der zuständigen deutschen Marktüberwachungsbehörde erhalten haben – ebenso gut vor dem Coronavirus wie FFP2-Schutzmasken.“ Weiterhin erklärt sie zum Hintergrund, dass KN95-Masken bis September 2020 aus China importiert wurden, weil es nicht genug Schutzmasken in Europa gab.

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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