Maskenpflicht macht dem Nahverkehr Probleme

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Die Landesverordnung schreibt vor, dass Fahrgäste Mund und Nase bedecken müssen. Bahn- und Busunternehmen sind jedoch machtlos, wenn die Pflicht nicht eingehalten wird. Das sind die Gründe.

Dorsten

, 24.07.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen gilt seit drei Monaten. Die Nordwestbahn, die die Strecke des RE 14 zwischen Essen-Steele und Borken bedient, setzt auf ein „argumentatives Vorgehen“, wenn sich Fahrgäste nicht an die Verordnung halten.

Die tödliche Attacke auf einen Busfahrer im südfranzösischen Bayonne, der verprügelt wurde, weil er Fahrgäste auf die Maskenpflicht hinwies, zeigt, dass solch eine Situation eskalieren kann. Auf Anfrage der Redaktion kann Pressesprecherin Karin Punghorst aber Entwarnung geben: „Es gibt sehr vereinzelt Fälle, wo es nicht optimal läuft. Dann werden Kundenbetreuer zum Teil beschimpft.“

Wiederholungstäter mehrfach ohne Mund-Nase-Bedeckung erwischt

Dieser „vereinzelte Fall“ geschah am 13. Juli. Um kurz vor 23 Uhr wurde die Leitstelle auf Höhe der Haltestelle Gladbeck-West informiert. Laut NWB-Sprecher Steffen Högemann handelte es um einen Wiederholungstäter.

Grundsätzlich akzeptieren die Fahrgäste jedoch die Pflicht, Mund und Nase zu bedecken, so die NWB-Sprecher und die Vestische. Trotzdem haben die Kundenbetreuer kaum Möglichkeiten, ohne die Hilfe der Polizei oder des Ordnungsamtes die Maskenpflicht durchzusetzen. „Wir sind ein zahnloser Tiger, uns sind die Hände gebunden“, gesteht Högemann.

„Wir stehen vor einem Problem“

„Wir stehen vor einem Problem“, meint auch Ewelin Reclik, Öffentlichkeitsreferentin der Vestischen. Der Grund: Die Landesverordnung NRW hat keinen Einfluss auf die Beförderungsbedingungen. Heißt: Gäbe es eine Gesetzesgrundlage, die Maskenpflicht in die Tarifregelungen des VRR einzubinden, könnten Kontrolleure, wie sie es heute bei einem fehlenden Fahrschein auch praktizieren, ein Ticket schreiben. In Berlin ist das seit dem 23. Juni möglich. Da beschloss der Senat, eine fehlende Mund-Nase-Bedeckung im ÖPNV mit mindestens 50 Euro Strafe zu ahnden.

Fahrgäste sollen sich gegenseitig an Maskenpflicht erinnern

Die Vestische setzt in ihren Bussen auf die „soziale Selbstkontrolle“ der Fahrgäste. „Die Gesellschaft achtet mittlerweile mehr darauf“, meint Ewelin Reclik. „Sie wissen, dass es etwas Gutes ist, wenn man den Schutz trägt.“

„In den Augen vieler ist es ein Kavaliersdelikt, Mund und Nase nicht zu bedecken“, ergänzt Steffen Högemann. Dabei ging es doch um nicht weniger als die Gesundheit der Zugpassagiere.

Auf das Abstandsgebot werden die Fahrgäste schon am Bahnsteig hingewiesen.

Auf das Abstandsgebot werden die Fahrgäste schon am Bahnsteig hingewiesen. © Lydia Heuser

Hinzu kommt, dass Verkehrsunternehmen wie Nordwestbahn und die Vestische unter finanziellem Druck stehen, da die Fahrgastzahlen und damit die Einnahmen seit Ausbruch der Corona-Pandemie massiv eingebrochen sind. Prognosen, auf die sich der VRR beruft, gehen für den Nahverkehr in NRW von Einnahmeverluste in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro aus. „Wir brauchen Fahrgäste und wollen das Vertrauen zurückgewinnen“, so Steffen Högemann. Deshalb sei es für Fahrgäste und Zugpersonal wichtig, dass sich alle an die Landesverordnung hielten.

Selbst auf dem Boden weisen Piktogramme auf die Regelungen hin.

Selbst auf dem Boden weisen Piktogramme auf die Regelungen hin. © Lydia Heuser

Wer ohne Maske fahren darf

In Nordrhein-Westfalen gibt es nur zwei Ausnahmen, die von der Pflicht befreien: Kinder, die noch nicht im schulpflichtigen Alter sind, dürfen ohne Schutz einsteigen, sowie Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Bedeckung tragen können. Im letztgenannten Fall lassen sich die Kundenbetreuer ein entsprechendes Attest vom Arzt zeigen.

Die Kontrolleure fordern Fahrgäste auf, den Zug beziehungsweise Bus zu verlassen, wenn sie eine gesundheitliche Einschränkung nicht nachweisen können und der Bitte, einen Schutz aufzusetzen, dennoch nicht nachkommen.

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