Markthändler in Dorsten fühlen sich veräppelt

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Die Zeiten sind hart in der Altstadt. Bei der Umgestaltung der Fußgängerzone gab es andere Absprachen, kritisieren die Markthändler. Da helfen auch geringere Standgebühren nicht.

Dorsten

, 05.12.2018, 13:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit über 30 Jahren verkauft Andreas Unnebrink Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt in der Altstadt. Dass er wegen der Eisfläche im November und Dezember umziehen muss, „kostet uns 30 Prozent Umsatz“, meint Unnebrink, der auch Sprecher der Altstadt-Markthändler ist. Im nächsten Jahr wird‘s wohl ganz bitter: Für den Umbau der Fußgängerzone werden die Markthändler „durch die ganze Stadt geschoben“, sagt Unnebrink. „Das war ganz anders besprochen. Wir fühlen uns veräppelt.“

Der Marktplatz ist im Sommer eine Baustelle

Nach seinen Angaben sollte Anfang 2019 mit der Modernisierung des Marktplatzes begonnen werden, „damit im Frühjahr oder Sommer alles fertig ist und wir wieder auf unsere Stammplätze können“. Doch der Marktplatz wird im Sommer 2019 keineswegs „baustellenfrei“ sein. Und die Händler müssen „ausweichen, wo Platz ist“, sagt Unnebrink. „Das machen viele Kunden nicht mit.“

Die Erneuerung der Fußgängerzone liegt tatsächlich acht Monate hinter dem Zeitplan, weil Westnetz erst mit der dritten Ausschreibung ein Unternehmen fand, das die unterirdischen Versorgungsleitungen saniert. Die Arbeiten in der oberen Lippestraße wurden nach Angaben der Stadtverwaltung jetzt aber innerhalb der dafür vorgesehenen Zeit fertiggestellt.

Weitere Zeitplanung ist noch nicht fix

„In der ersten Jahreshälfte werden die Versorger- und die Kanalbau-Arbeiten durchgeführt“, bestätigte Stadtsprecher Ludger Böhne am Montag auf Anfrage. „Wie umfangreich diese Arbeiten zu welchem Zeitpunkt jeweils sein werden, steht noch nicht abschließend fest.“

Die abschließenden Pflasterarbeiten zur Neugestaltung der Fußgängerzone sollen im Spätsommer 2019 durchgeführt werden. „Sobald eine abgestimmte Baustellen- und Zeitplanung steht, werden die Markthändler – wie bei solchen Fragestellungen üblich – unter Federführung des Ordnungsamtes zu einem Gespräch eingeladen, um gemeinsam zu überlegen, wie die gewollte Erneuerung der Fußgängerzone und des Marktplatzes mit den Interessen der Markthändler in Einklang gebracht werden kann.“

Standgebühren werden reduziert

Die Probleme der Markthändler ein wenig zu mildern, das steckte hinter einem gemeinsamen Antrag von CDU, FDP und Grünen, der kürzlich vom Stadtrat verabschiedet wurde. Demnach zahlen die Markthändler in den nächsten beiden Jahren 30 Cent weniger pro Quadratmeter Standfläche – einen Euro statt 1,30 Euro. „Damit wollen wir den Markthändlern im Rahmen des finanziell Möglichen über die Durststrecke hinweghelfen“, sagte Bürgermeister Tobias Stockhoff. Andreas Unnebrink spart dadurch pro Markttag zwischen acht und zwölf Euro. „Nett gemeint“, sagt er, „aber das löst unser Problem nicht“.

Nach Beobachtungen von Susanne Fraund (Grüne) hat die Zahl der Markthändler in den letzten Monaten abgenommen. Eine Statistik der Stadt bestätigt das nicht. Bei einer Stichprobe am 6. und 13. Oktober (jeweils Samstag) wurden 28 Händler in der Altstadt gezählt. Das entspricht den Zahlen zum selben Zeitpunkt der beiden Jahre zuvor. „Im November oder Dezember sind einige Kollegen weniger in Dorsten, weil sie dann auf Weihnachtsmärkten sind“, weiß Unnebrink.

Ob sie alle im Januar zurückkehren, ist nicht sicher. Die Idee, den Platz der Deutschen Einheit (vor Toom) als Ausweich-Marktplatz zu etablieren, ist aus Sicht von Andreas Unnebrink gescheitert. „Das ist zu weit weg, außerdem war es dort verdammt zugig. Und alle Markthändler würden dort ohnehin nicht hinpassen.“

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