Der verstorbene Ignaz Rive hatte im 19. Jahrhundert eine Familienstiftung gegründet, von dessen Erlösen noch heute Dorstener Vereine und Verbände profitieren. © Grafik: Martin Klose
Familienstiftung

Mann aus Dorsten ist 180 Jahre tot – und gibt immer noch Geld für Arme

Er war sehr vermögend - und gründete eine Familienstiftung. Die sorgt mit der Stadt dafür, dass auch 180 Jahre nach seinem Tod noch immer viel Geld an Hilfsorganisationen in Dorsten fließt.

Viel Geld floss kürzlich mal wieder an Dorstener soziale Einrichtungen: 4.000 Euro an die Palliativ-Station, 2.500 Euro an die Dorstener Tafel, 1.500 Euro ans Frauenhaus, 3.000 Euro an die Lebenshilfe, 2.000 Euro an Fördervereine von Grundschulen. All das aus dem Erbe eines Dorsteners, der bereits 1841 verstorben ist.

Hermann Bernhard Ignaz Goswin Rive hieß der Mann, der in diesem Jahr 180 Jahre tot sein wird – und der auch jetzt noch Jahr für Jahr dafür sorgt, dass hilfsbedürftige Dorstener von jährlich 15.000 Euro bis 20.000 Euro profitieren, je nach Zinserträgen.

Stiftungsüberschüsse

Dies sind Überschüsse aus der „Ignaz Rive`schen Familienstiftung“, die der gut betuchte Dorstener zu Lebzeiten bestimmt hatte und die nach dessen Tod errichtet wurde. Ihr Zweck: bedürftigen Mitgliedern der weitverzweigten Familie finanziell unter die Arme zu greifen.

Aber: Sollten dann noch Erlöse übrig sein, solle das an die Armen in Dorsten gehen, so verfügte es der Verstorbene. Das gilt bis heute. Da jedoch laut sozialgesetzlicher Vorgaben kein Geld direkt an die Empfänger mehr ausgezahlt wird, profitieren nun Vereine und Verbände in der Stadt, deren Ziel es ist, Menschen in sozialen Notlagen zu helfen. Ein paar hunderttausend Euro dürften so allein in den letzten zwei Jahrzehnten zusammengekommen sein.

Kinderlos verstorben

Hermann Bernhard Ignaz Goswin Rive, der die „Ignaz Rive’sche Familienstiftung“ begründete, war Kurfürstlich Kölnischer Hofkammer-Rat und später Königlich Preußische Steuereinnehmer. Der Stifter war in erster Ehe mit Clara Cremer verheiratet, in zweiter Ehe mit Isabella de Weldige – genannt Cremer. Er verstarb im Alter von 77 Jahren kinderlos.

Auch im Jahr 2017 bekamen Vertreter von Dorstener Vereinen und Verbänden Geld von der Rive-Stiftung.
Auch im Jahr 2017 bekamen Vertreter von Dorstener Vereinen und Verbänden Geld von der Rive-Stiftung. © Klapsing-Reich (Archiv) © Klapsing-Reich (Archiv)

Die Stiftungserträge, so legte er fest, sollten unter den bedürftigen Anverwandten seiner Familie jährlich verteilt werden. Unter denen also, „die zu ihrer anständigen und sparsamen Lebensweise oder zur Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder finanzieller Unterstützung bedurften“.

Die Verwaltung des Vermögens übertrug der Stifter damals dem Armenvorstand in Dorsten unter Zuziehung von vier Mitgliedern aus den Familien Rive und Cremer.

Großes Vermögen

Das Vermögen des Stifters muss recht groß gewesen sein. Noch heute verfügt die „Ignaz Rive’sche Familienstiftung“ über erheblichen Grundbesitz, zum Beispiel auf der Hardt. Es werden Pachteinnahmen durch diese Flächen erzielt.

Das Grundvermögen der Ignaz-Rive-Familienstiftung belief sich vor ein paar Jahren auf 9,6 Hektar Grundbesitz (Äcker, Wiesen, Immobilien) und Kapitalvermögen, das Gesamtvolumen machte 2,8 Mio. Euro aus (inklusive Bauerwartungsland).

Heute wird sie als selbstständige Stiftung geführt. Im Vorstand sitzen neben vier Vertretern der Stadt weiterhin vier Familienmitglieder. Denn auch heute noch kommt Nachkommen Geld zugute. Beispiele: Ein junger Mann hat eine Zuzahlung für Studienkosten in den USA erhalten. Eltern ohne größere Einkünfte haben Zuschüsse bekommen, es wurden auch Taschengelder an ältere Familienmitglieder ausgezahlt, die als Pflegepersonen im Heim leben.

An der DWG beteiligt

Übrigens ist die Stiftung mit gut 365.000 Euro auch an mehr als 47 Prozent des Stammkapitals der Dorstener Wohnungsbaugesellschaft beteiligt. „Diese Verbindung entstand durch die Übernahme der Geschäftsführung der Ignaz Rive-Stiftung durch die Stadt Dorsten beziehungsweise durch die DWG“, so die Stadt. Dadurch habe man Stiftungskapital sicher anlegen können, zudem erzielt die Stiftung auch Beteiligungserlöse durch Dividende.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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