Mädchen und Jungen in Dorsten schnupperten in jeweils untypische Berufe

Girls‘ und Boys‘Day

Am 28. März findet bundesweit der Girls‘ und Boys‘Day statt - auch in Dorsten. Mädchen schnuppern in typische Männerberufe, Jungen probieren Frauenjobs aus, um Stereotype aufzubrechen.

Dorsten

von Julia Stefan

, 29.03.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Männer lieben Technik, Frauen lieben Mode. Männer verdienen das Brot, Frauen kümmern sich um den Haushalt. Es gibt unzählige Klischees, die uns allen bekannt sind. Doch sind sie noch aktuell? Die meisten würden diese Frage im Jahre 2019 wohl mit „Nein“ beantworten, doch es ist noch immer der Fall, dass Frauen im Durchschnitt Berufe im Sozialwesen bevorzugen, während Männer sich mehr für Handwerkliches interessieren.

Viele Unternehmen haben teilgenommen

Der Girls‘ und Boys‘Day soll dies ändern und ermutigt Jugendliche, sich in „typisch weiblichen“ oder „typisch männlichen“ Berufen auszuprobieren. 14 Unternehmen und die Stadt haben Stellen in Dorsten angeboten. Junge Leute haben die Chance ergriffen und teilgenommen, so wie unter anderem Jonas Lange und Florian Hemmert. Sie haben sich für die Drogerie-Kette dm entschieden, in der überwiegend Frauen arbeiten. „Zumindest habe ich noch nie einen männlichen Angestellten gesehen“, bemerkte Florian Hemmert. Woran das wohl liegt? Schulterzucken. „Früher war das halt so, dass Männer handwerklichen Berufen nachgehen sollten. Und für Drogerieprodukte interessieren sich generell ja auch mehr Frauen. Aber eigentlich ist es egal, wer welchen Beruf ausübt: Hauptsache man hat Spaß!“

Mädchen und Jungen in Dorsten schnupperten in jeweils untypische Berufe

Jonas Lange (l.) und Florian Hemmert (r.) schnupperten im dm-Markt in den Beruf der Verkäuferin. © Julia Stefan

Diese Meinung vertreten auch die Mädchen, die sich für den Hellweg-Baumarkt entschieden haben. Auf die Frage, ob denn der Baumarkt eher was für Männer sei, spalten sich die Meinungen. Marketing-Leiter Tim Hutu ist da optimistischer: „Tatsächlich ist das bei uns sehr ausgeglichen verteilt. Es arbeiten hier fast genauso viele Frauen wie Männer.“

Mädchen und Jungen in Dorsten schnupperten in jeweils untypische Berufe

Die Mädels der St.-Ursula-Realschule und des Gymnasiums Petrinum verstanden ihr Handwerk im Hellweg-Baumarkt. © Julia Stefan

Ähnliches gilt auch für das Freizeitbad Atlantis. Christian Jurado Garcia, stellvertretender Teamleiter, und Christian Krause, Teamleiter des Bades, schätzen, dass etwa 60 Prozent ihrer Angestellten männlich und 40 Prozent weiblich sind. „Das ist schon ein Wandel, immerhin war der Beruf des Bademeisters früher ausschließlich männlich, aber wir versuchen, das auch noch mehr auszugleichen und auf 50/50 zu kommen.“

Mädchen und Jungen in Dorsten schnupperten in jeweils untypische Berufe

Christian Jurado Garcin (l).) und Christian Krause (r.) zeigten den Girls vieles an Technik. © Julia Stefan

Und die Stadtbibliothek? Definitiv weniger ausgeglichen. „Wir haben hier einen großen Mangel an männlichen Angestellten“, berichtet Birgitt Hülsken. „Es ist schade, aber das Klischee bestätigt sich bei uns. Jungs scheinen weniger interessiert zu sein als Mädchen.“

Henrik Uhrmann, für den der Boys‘Day eine schulische Pflichtveranstaltung ist, stimmt dem zu: „Ich interessiere mich eigentlich auch mehr für Technik. Das hier ist ja eher eine soziale Arbeit und ich habe mich hierfür entschieden, weil ich ab und an mal Kunde bin, aber eigentlich ist das nichts für mich.“

Mädchen und Jungen in Dorsten schnupperten in jeweils untypische Berufe

Henrik Uhrmann interessiert sich eigentlich mehr für Technik, liest aber auch mal ein gutes Buch. © Julia Stefan

Ist der Boys‘ Day denn hilfreich? Die beiden sehen das etwas kritischer. „Es wäre sehr wünschenswert, aber den Boys‘ Day gibt es schon seit Jahren und es hat sich bei uns leider nichts geändert. Ich denke, dass so manche Klischees noch in den Köpfen verankert sind und Jungs sich deswegen weniger für die Stadtbibliothek interessieren und Frauen beispielsweise in der Autowerkstatt weniger ernst genommen werden.“

„Ab und an ein paar doofe Sprüche gehört“

Ob diese Behauptung denn stimme, wird Justine Hohmann gefragt. Sie arbeitet nämlich für die Kfz-Technik Schuchert. „Nun, man bekommt schon ab und an ein paar doofe Sprüche zu hören und in meiner Ausbildung sind von etwa 30 Leuten nur fünf weiblich. Doch ich habe mich schon immer für Autos und was dahinter steckt interessiert und denke, dass der Girls‘Day sehr wichtig ist. Man muss sich halt ausprobieren, wie soll man sonst wissen, was einem liegt? Der Girls‘ und Boys‘Day verschafft Einblicke und das ist sehr praktisch.“

Mädchen und Jungen in Dorsten schnupperten in jeweils untypische Berufe

Justine Hohemann (M.) brachte den Schülerinnen Karolina Masshorn (l.) und Paulina Matura (r.) das Tüfteln bei. © Julia Stefan

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