Maskenpflicht und Stoßlüften werden die Dorstener Schüler und Lehrer im kommenden Winter wohl noch belgleiten. © picture alliance/dpa
Anschaffung nicht geplant

Luftfilter für Schulen: Dorsten fehlen Fördermittel und Vertrauen in die Technik

Die Stadt Dorsten steht der Anschaffung von Luftfilteranlagen für ihre 500 Klassenräume skeptisch gegenüber. Experten zweifeln an ihrem Nutzen. Und Fördergelder gibt es auch nicht.

Wenn der Winter kommt und Corona bleibt, werden die Dorstener Schüler und ihre Lehrer wohl zeitweise wieder bei offenen Fenstern frieren müssen. Denn die Stadt steht der Anschaffung von Luftreinigungsgeräten nach wie vor skeptisch gegenüber. Zumal inzwischen etliche Luftfilter, die von Eltern und Fördervereinen probeweise angeschafft worden sind, wegen des störenden Geräuschpegels offenbar wieder abgeschaltet worden sind.

Wie die Stadt jetzt auf eine Anfrage der SPD mitteilt, seien die bisher aufgelegten Förderprogramme auf die in Dorsten vorhandenen Räume gar nicht anwendbar. Außerdem sei die Wirkung der Anlagen sehr begrenzt und allenfalls eine Ergänzung zur Maskenpflicht und zur weiterhin zwingend erforderlichen Stoßlüftung mindestens in den Pausen. „Unter Umständen“, so heißt es in der Antwort der Verwaltung, „erzeugen die Filter auch ein falsches Sicherheitsgefühl und mithin Nachlässigkeit beim Lüften durch geöffnete Fenster.“

Studie hält flächendeckenden Einsatz nicht für sinnvoll

Dabei beruft sich die Stadt vor allem auf eine Studie, die die Stadt Stuttgart in Auftrag gegeben hat. Deren Fazit lautet: „Luftreinigungsgeräte sind keine Alternative zu einem Außenluftwechsel, sie dienen lediglich als Unterstützung zur Partikel‐ und potentiellen Virenreduktion im Raum. Die gemessenen Luftreiniger sind bei der notwendigen Abscheidungsleistung und den damit verbundenen hohen Luftströmen zu laut und führen zu hohen Luftgeschwindigkeiten und Zugerscheinungen im Aufenthaltsbereich der Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte. Ein flächendeckender Einsatz erscheint nicht sinnvoll.“

Ohnehin werden nach Auskunft der Verwaltung nur Luftfilteranlagen für jene Kita- und Klassenräume gefördert, die lediglich über eingeschränkte Lüftungsmöglichkeiten verfügen. Das seien in Dorsten lediglich vier innenliegende Fachräume an der Gesamtschule Wulfen. Weil die schon an eine Lüftungsanlage angeschlossen seien, komme allerdings auch hier keine Förderung in Betracht. Dennoch wurden diese Klassen bereits vor geraumer Zeit und ohne Förderung durch Land oder Bund mit entsprechenden Geräten ausgestattet.

Dorstener Schulräume sind nicht förderfähig

Für Räume mit guter Lüftung – diese Kategorie gilt in Dorsten nach Auskunft des Zentralen Gebäudemanagements flächendeckend – sieht das im Juni 2021 beschlossene Förderprogramm keine Zuschüsse vor. Und die Ausweitung des Programms vom Juli auf mobile Geräte werde sich vermutlich auf die gleichen Kategorien beziehen, wenngleich das Land bisher keine konkreten Förderrichtlinien bekanntgegeben habe. Keine Chance also für Dorstens 500 Klassenräume.

Würde die Stadt die auf eigene Kosten ausstatten, müsste sie zwischen 250.000 und einer Million Euro aufbringen, ausgehend von geschätzten Preisen von 500 bis 2000 Euro pro Gerät. Dabei seien Betriebs- und Wartungskosten ebenso wenig berücksichtigt wie Überlegungen zur praktischen Handhabung vor Ort und Geräuschemissionen oder die Prüfung der Leistungsfähigkeit der Stromnetze der Gebäude. Für die Kitas käme noch einmal ein dicker Batzen obendrauf.

Das alles habe die Verwaltung dazu bewogen, auf eine Anschaffung von Lüftungsgeräten in großer Zahl zu verzichten und den fachlichen Regeln zu den gängigen Hygieneregeln zu folgen. Maskenpflicht und Stoßlüften werden also voraussichtlich in Dorsten die Mittel der Wahl bleiben.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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