Lippewasser leidet unter intensiver Landwirtschaft - Nitratbelastung ist zu hoch

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Die Nitratbelastung der Lippe ist zu hoch. Der Verein für Gewässerschutz macht die Landwirtschaft dafür verantwortlich. Nitrat ist ein Düngemittel. Der Lippeverband weiß, was zu tun ist.

Dorsten

, 27.03.2019, 13:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Lippe macht was mit. Der Nebenfluss des Rheins nimmt auf seiner 220 Kilometer langen Strecke zwischen Quelle in Bad Lippspringe und Mündung in den Rhein eine Menge Nitrat aus der Landwirtschaft mit. Das bekommen die Urlauber an der Nordsee zu spüren, wenn im Sommer sich die Schaumberge an den Stränden anhäufen. Auch die Dorstener sehen dann, was ihr Heimatfluss Richtung Rhein und Nordsee transportiert hat: „Es hat sie die Nitratbelastung aus ihrer Heimat eingeholt“, sagt Harald Gülzow, Sprecher des Vereins für Gewässerschutz.

Nitrat ist ein Düngemittel. Da sich die Lippe laut dem Verein VSR-Gewässerschutz durch ein stark landwirtschaftlich geprägtes Gebiet schlängelt, macht sich die intensive Landwirtschaft an der hohen Nitratbelastung des Lippewassers bemerkbar. „Bei einer Messfahrt im Februar 2018 auf der Lippe und ihren Nebenflüssen wurden viel zu hohe Nitratkonzentrationen von der Quelle bis zur Mündung nachgewiesen“, sagt Harald Gülzow.

Erlaubt seien laut der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) 11 mg Nitrat pro Liter Wasser. In der Lippe bei Dorsten waren es 27mg/l. Fazit des VSR-Gewässerschutzvereins in seiner Stellungnahme an die Presse: „Es muss in der Landwirtschaft dringend gehandelt werden. Die derzeitige Düngeverordnung erlaubt eine Überdüngung der Felder.“

Landwirte weisen strengere Düngeverordnung zurück.

Das sehen die Landwirte anders. Sie protestieren gegen eine Verschärfung der Düngeverordnung: Besonders in der Kritik ist das geplante Verbot der Herbstdüngung, die Reduzierung der Maximalmenge an Düngemitteln um 20 Prozent und eine Obergrenze von 170 kg Nitrat pro Hektar für Gülle und andere Wirtschaftsdünger für jeden einzelnen Schlag.

„Sollten diese Vorschläge umgesetzt werden, müssten viele landwirtschaftliche Betriebe ihre Tierhaltung deutlich verringern und würden diese mit großer Wahrscheinlichkeit als nicht mehr rentabel aufgeben“, sagte der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) im Februar in Münster.

Dem Lippeverband, der die Lippe auf seinem Gebiet auf 147 Kilometern betreut, sind die vom VSR-Gewässerschutz gemeldeten Werte bekannt. Die eigenen Labors ermittelten in der Regel aber andere Werte, wie Anne-Kathrin Lappe, Sprecherin des Unternehmens, auf unsere Anfrage sagte. So datieren die letzten Untersuchungsergebnisse des Lippeverbandes von Februar 2019. „Sie zeigen Werte von 6,2 bis 6,8 mg/l Nitrat-Stickstoff, das entspricht 27,5 bis 30, 1 mg/l Nitrat.“ Die Nitratwerte entsprechen zwar den Messergebnissen, die der Verein für Gewässerschutz ebenfalls ermittelt hat. Aber: „Die Verordnung zum Schutz von Oberflächengewässern von 2016 sieht eine Umweltqualitätsnorm für Nitrat von 50 mg/l für den guten chemischen Zustand vor“, sagt Lappe. Diese Werte seien nicht erreicht und auch nicht überschritten worden.

Landwirtschaftliche Produktion umweltverträglicher gestalten

Der Lippeverband bestätigt aber, dass „die Nitratbelastung des Grundwasserkörpers in der Tat ein großes Problem ist“. „Als Wasserwirtschaftsverband haben wir die Erwartung an die EU, dass im Rahmen der Neuverhandlungen zur gemeinsamen Agrarpolitik deutliche Impulse für eine nachhaltigere Landwirtschaft gesetzt werden. Eine Maßnahme könnte sein, Leistungen stärker zu prämieren, die dazu dienen, die landwirtschaftliche Produktion umweltverträglicher zu gestalten. Die Themen Gewässerschutz und Biodiversität müssen zukünftig in den Fokus rücken.“

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