Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

LEG-Mieter in Barkenberg sind sauer: „Wir wollen keine Heuschrecke als Vermieter haben“

dzLEG Wohnen

Die LEG will ihre 1197 Wohnungen in Barkenberg verkaufen. Die LEG-Mieter sind empört darüber und kündigen lautstarken Widerstand auf der LEG-Aktionärsversammlung Ende Mai an.

Dorsten, Wulfen-Barkenberg

, 16.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Noch ist nicht bekannt, wen die LEG als Kaufinteressenten für ihre fast 1200 Wohnungen umfassende Siedlung in Wulfen-Barkenberg im Auge hat. Doch die Mieter der LEG-Wohnungen fürchten das Schlimmste: „Dass uns eine Heuschrecke übernimmt und hier alles noch weiter den Bach runtergeht, wie man das von den Häusern der Altro Mondo in Barkenberg ja schon kennt“, sagt Rita Zachraj.

Die LEG-Mieterbeirätin und ihre Mitstreiterin Silvia Wegner sowie die LEG-Mieterinnen Maria Dessmann und Annette Hilfing kündigten in einem Gespräch mit der Dorstener Zeitung an: „Wir werden vor Beginn der Aktionärsversammlung der LEG am 29. Mai, 11 Uhr, im Düsseldorfer Airporthotel Van der Valk mit mehreren Mieterinitiativen lautstark protestieren und auch Fragen zu den Verkaufsabsichten stellen.“

LEG-Mieter in Barkenberg sind sauer: „Wir wollen keine Heuschrecke als Vermieter haben“

Rita Zachraj, Mieterbeirätin in Barkenberg. © Claudia Engel

Auch könne sich die LEG auf ein Trommelfeuer in der Siedlung einstellen. „Wir sind noch mitten in der Planung. Aber das wird laut“, so Rita Zachraj. Einige Mieter seien durch die Verkaufsabsichten so verschreckt worden, dass sie überlegten, ob sie sich Notstromaggregate besorgen sollen.

„Es gibt viele pflegebedürftige Menschen in den Wohnhäusern, die auf Sauerstoffgeräte und andere Hilfsmittel angewiesen sind. Man weiß ja, dass in Häusern der Altro Mondo die Versorgung schon mal eingestellt wird, weil die Eigentümergesellschaft die Rechnungen an die Versorgungsunternehmen nicht bezahlt hat“, sagt Annette Hilfing. Kampflos wollen die LEG-Mieter ihre Wohnungen einem potenziellen Aufkäufer ähnlichen Kalibers nicht preisgeben.

Die Wulfen-Konferenz, eine regelmäßig tagende Stadtteilrunde mit zahlreichen Beteiligten aus Vereinen, Verbänden, politischen Organisationen und Privatleuten, will die Verkaufsabsichten der LEG ebenfalls nicht unkommentiert lassen.

Wulfen-Konferenz ist besorgt

Hans-Rüdiger Kühn, einer der Sprecher der Konferenz, sagte auf Anfrage: „Die Landesregierung hat den Barkenberger Wohnungsbestand, damals war das noch die Neue Heimat, für einen Euro verscherbelt. Die Politik sollte aus ihren Fehlern gelernt haben und alles dransetzen, die Wohnungen von der LEG zurückzukaufen“, sagt Kühn.

Kühn verweist auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, das im Jahr 1967 gesprochen wurde, und bis heute seine Gültigkeit nicht verloren hat:

„Die Tatsache, dass der Grund und Boden unvermehrbar und unentbehrlich ist, verbietet es, seine Nutzung dem unübersehbaren Spiel der Kräfte und dem Belieben des Einzelnen vollständig zu überlassen; eine gerechte Rechts- und Gesellschaftsordnung zwingt vielmehr dazu, die Interessen der Allgemeinheit in weit stärkerem Maße zur Geltung zu bringen als bei anderen Vermögensgütern.“

Hans-Rüdiger Kühn erwartet von Landes- und Kommunalpolitik, dass gehandelt wird und Dorsten wieder die Hoheit über große Siedlungsbereiche erhält. „Große Städte wie Berlin gehen dazu über, Wohnungsbestände zurückzukaufen, um dem freien Markt nicht das Feld zu überlassen.“

SPD-Ratsfraktionsvorsitzender fordert unverzügliches Handeln

Mit Hans-Rüdiger Kühn stimmt der SPD-Ratsfraktionsvorsitzende Friedhelm Fragemann überein. Auch aus seiner Sicht ist unverzügliches Handeln notwendig: „Wir dürfen nichts ausschließen und müssen alle Möglichkeiten diskutieren und ausschöpfen, um den Verkauf an eine Heuschrecke zu verhindern“, so Fragemann. „Notfalls müssen die Stadt oder die Dorstener Wohnungsgesellschaft den Siedlungsbestand der LEG aufkaufen mithilfe von Fördermitteln, auch wenn das zurzeit noch kein Thema ist“, sagt Fragemann. Die Stadt hatte auf unsere Anfrage gesagt, dass sie Interesse an unbebauten Teilflächen habe, „nicht aber am Wohnungsbestand“.

Tausende Stadtteilbewohner betroffen

„Das Ganze hat eine Dimension, die für Dorsten, insbesondere aber für den Ortsteil Wulfen-Barkenberg, eine entscheidende Rolle in der künftigen Entwicklung spielen kann“, so Fragemann. Mehrere tausend Menschen seien von dem möglichen Wohnungsverkauf in Barkenberg betroffen. Er ist froh, dass die Kommunalpolitik für einen Teilbereich des LEG-Bestandes in Barkenberg, für die Dimker Wiese, eine Veränderungssperre im Bebauungsplan erwirkt habe: „Wir hatten schon seit Längerem den Eindruck, dass die LEG andere Pläne für das Gebiet hat.“

Hans-Rüdiger Kühn erwartet vom Bürgermeister, dass dieser sich den Sorgen und Nöten der LEG-Mieter in Barkenberg umgehend stellt: „Er hat ja schon regelmäßig Bürgermeistersprechstunden. Dann kann er vielleicht kurzfristig auf die Bedürfnisse Barkenberger Bürger reagieren.“





Lesen Sie jetzt

Dorstener Zeitung LEG Wohnen

LEG-Mieter müssen sich auf was gefasst machen: LEG will Häuser in Barkenberg verkaufen

Eigentlich wollte die Nachbarschaft „Dimker Wiese“ nur wissen, ob die LEG wohl ein Grundstück an der Dimker Allee verkaufen würde. Die Antwort der LEG überraschte nicht nur den Verein. Von Claudia Engel

Lesen Sie jetzt