Meinung

Lasst Gaststätten nicht zu Debattierclubs werden!

Wenn Gastronomen bald für Geimpfte, Genesene und Getestete draußen öffnen dürfen, brauchen sie gute Nerven, rhetorisch geschultes Personal, schönes Wetter - und verständnisvolle Gäste.
Wenn die Pandemie überwunden ist und geimpft, genesen und getestet keine Rolle mehr spielen, darf der Marktplatz wieder so dicht möbliert werden wie auf unserem Archivfoto. © Archiv

Wie gerne würde ich mal wieder im Straßencafé sitzen, die Sonne genießen und das muntere Treiben um mich herum verfolgen! Oder abends mal an einem anderen Esstisch was Leckeres essen als dem eigenen. Ich würde Maske tragen, mich in digitale oder analoge Kontaktlisten eintragen, meine Hände desinfizieren. Vielleicht sogar zum Schnelltest gehen. Nach der zweiten Impfung gerne meinen Impfausweis vorzeigen.

Ich würde den von der Pandemie gebeutelten Gastronomen so sehr wünschen, dass sie ihre Läden wieder öffnen und ihre Einnahmelücken langsam wieder auffüllen können, aber ich kann jeden verstehen, der davon erstmal die Finger lassen will.

Die 3-G-Regel macht aus Gaststätten Debattierclubs

Denn die 3-G-Regel (Geimpfte, Getestete, Genesene) wird unweigerlich zu unangenehmen Diskussionen in Dauerschleife führen, für die jeder Wirt eigentlich einen diskussionsfreudigen Kontroll-Mitarbeiter abstellen muss, der dem ungeimpften, ungetesteten und niemals an Corona erkrankten Gast klarmachen muss, dass er allenfalls in 50 Meter Entfernung etwas aus dem To-Go-Angebot verzehren darf. Und dem Kaffeekränzchen nicht erlauben darf, sich mit der Schwarzwälder Kirschtorte beim Wolkenguss nach innen zu verziehen.

Ich habe vollstes Verständnis für jeden Gastronom, der um diesen Preis noch nicht öffnen will. Aber auch für jeden, der nicht länger warten kann oder will. Beide haben die volle Unterstützung ihrer Gäste verdient. Jeder zu seiner Zeit.

Dorsten am Abend

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