Dorstener Schweinehalter plagen Nöte, Tönnies ist nicht ihr Problem

dzLandwirte in Not

Bei den Landwirten in Dorsten ist Druck im Kessel. Die Einstellung eines Tönnies-Schlachtbetriebes ist für sie aber nicht das Problem. Landwirt Bernhard Heiming nennt andere Schwierigkeiten.

Dorsten

, 23.06.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Lembecker Ortslandwirt Bernhard Heiming, Sprecher der Ferkelerzeuger in einem Ausschuss der Landwirte im Westfälisch-Lippischen Bauernverband, ist aufgebracht. Nicht, weil bei Tönnies der Schlachtbetrieb wegen des massiven Corona-Ausbruchs unter den Beschäftigten ruht. Denn: „Die Mastbetriebe aus Dorsten lassen woanders schlachten“, sagt er.

Laut statistischem Landesamt leben in Dorsten 77.899 Schweine, darunter 41.644 Ferkel in 32 Haltungen, 7160 Zuchtsauen in 24 Betrieben und 29.095 „andere Schweine“ in 63 Betrieben.

Sauer und besorgt ist er wegen der sich aus seiner Sicht stetig verschlechternden politischen Rahmenbedingungen für die Landwirte in Deutschland und der Region: „In den nächsten fünf Jahren geben so viele Familienbetriebe auf wie niemals zuvor“, prophezeit Heiming. Er rate seinen Kollegen dringend dazu, ihre Kredite so schnell wie möglich abzubezahlen, um den Kopf über Wasser zu halten.

Der Lembecker Ortslandwirt Bernhard Heiming.

Der Lembecker Ortslandwirt Bernhard Heiming. © Foto Claudia Engel

Dass der Schlachthof von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück vorerst geschlossen ist, können die heimischen Schweinezüchter aber wohl verschmerzen. Dorstener Schweine würden überwiegend zu Schlachthöfen in der Umgebung gefahren, „etwa nach Recklinghausen, Bochum, Erkenschwick“, hieß es vom Raiffeisenmarkt Lembeck. Und weiter: „Schlachtreife Schweine finden ihren Weg.“

Immer mehr Betriebe werfen das Handtuch

Als Ursache dafür, dass zunehmend mehr landwirtschaftliche Familienbetriebe mit bis zu 300 Tieren aufgeben, macht Heiming die politischen Vorgaben und Restriktionen für die Landwirte aus, die sich deutlich von europäischen Nachbarländer unterschieden. Heiming nennt ein Beispiel: „Während in Deutschland die Zahl der Haltungs-Betriebe auf 7400 drastisch gesunken ist, wachsen in Rumänien gerade Großbetriebe mit bis zu 3000 Ferkeln heran.“ Bis zu 40 Prozent der westdeutschen Betriebe haben indes zwischen 2014 und 2019 aufgegeben (Zahlen: „Steckbrief zur Tierhaltung in Deutschland: Ferkelerzeugung und Schweinemast“).

In Rumänien gelten deutlich laxere Bedingungen als bei uns für die Aufzucht der Tiere, sagt Heiming. Das mache sich beim Preis bemerkbar. Auf den würden die meisten deutschen Verbraucher sorgfältig achten. „85 Prozent wollen Fleisch aus dem Sonderangebot“, sagt Heiming.

Tierwohl-Fleisch kostet mehr als

Tierwohl-Fleisch aus Deutschland sei aber teurer als das Vergleichsangebot aus dem europäischen Ausland und damit den meisten Verbrauchern nur schwer schmackhaft zu machen. Heiming fordert, dass sich in Berlin endlich was rührt, damit die landwirtschaftlichen Betriebe überleben können: „Über uns wird ständig geredet, aber nicht mit uns“, sagt er an die Adresse von Bundes-Umweltministerin Svenja Schulze.

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