Burkhard Sagel und sein Sohn Moritz halten die Rinder nicht nur artgerecht, sondern legen auch Wert auf eine schonende Schlachtung der Tiere. © privat
Schonendes Schlachten ist teurer

Landwirt: „Wer Tierwohl will, darf nicht zum Billig-Fleisch greifen“

Wer nur nach dem Preis schaut und Billigfleisch kauft, zahlt Missstände bei Haltung, Transport und Schlachtung mit. Landwirt Burkhard Sagel macht da schon lange nicht mehr mit.

Landwirt Burkhard Sagel nimmt kein Blatt vor den Mund: „Wer an der Fleisch- oder Kühltheke zur billigsten Ware greift, muss sich darüber bewusst sein, dass er den Missstand mitbezahlt.“ Der Kirchhellener Landwirt hat sich vor etwa fünf Jahren von den letzten Mastschweinen verabschiedet und komplett auf tierfreundliche Haltung umgestellt.

Dass derzeit wieder einmal Schreckensnachrichten von skandalösen Zuständen in Schlachtbetrieben oder Viehsammelstellen die Runde machen, wundert ihn nicht. „Solange der Preis der Ware das ausschlaggebende Kriterium ist, wird so etwas wie in Werne immer wieder vorkommen, ist er überzeugt. Noch immer werde von Kunden nicht nur zu selten aufs Tierwohl geschaut, sondern zu oft auch über den Preis entschieden.

Kurze Transportwege reduzieren den Stress der Tiere

Was rät Burkhard Sagel Kunden, die Wert darauf legen, dass das Tier nicht nur ein gutes Leben hatte, sondern auch einen würdigen Tod im Schlachthof? Er selbst setzt auf kleine Schlachthöfe, bringt zum Beispiel seine Rinder gern zu Schlachtermeister Andreas Schroer nach Wulfen. Dahin sei zum einen der Weg nicht weit, also kein stressiger Transport nötig, zum anderen habe der Schlachter sein volles Vertrauen, dass der bis zum letzten Atemzug des Tieres alles zur Vermeidung von Stress und Schmerz tue.

Andreas Schroer, der sich gegenüber der Dorstener Zeitung nicht zum Skandal in Werne äußern mochte, genießt auch das Vertrauen des Dorstener Metzgermeisters Josef Bellendorf, der seine Rinder in Wulfen schlachten lässt.

Schlachten ohne Akkord erhöht den Fleischpreis

Geschehe das Schlachten nicht im Akkord, sagt Burkhard Sagel, koste es auch mehr. Das wiederum wirke sich unweigerlich auf den Fleischpreis aus.

Mit „schonenender Schlachtung“ wirbt auch der Naturverbund-Schlachthof in Wachtendonk, laut Sagel einer der wenigen Bio-Schlachthöfe in der Nähe, in denen Tiere ohne den Einsatz von Elektrotreibern von geschulten Mitarbeitern in Warteräume gebracht werden, wo sie in gewohnter „Gesellschaft“ den Stress des Ortswechsels abbauen können, denn die Minuten vor der Betäubung und Tötung der Tiere haben zentrale Bedeutung für die spätere Fleischqualität.

Kunden, die möglichst sicher gehen wollen, dass Tiere so schonend wie möglich geschlachtet werden, empfiehlt Burkhard Sagel Bio-Fleisch. „Da kann man in vielfacher Hinsicht noch am sichersten sein.“

Für die Endverbraucher hat er noch einen Rat: „Fragen Sie beim Einkauf, woher das Fleisch kommt, wie das Tier transportiert und wie es geschlachtet wurde. Verbraucher müssen deutlich machen, worauf sie Wert legen.“ Lieber weniger, dafür besseres Fleisch, ist seine Devise.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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