Auf das frische Bier vom Fass warten nicht nur die Gäste: Auch bei den Brauereien liegt gerade ein wichtiger Geschäftszweig brach. © Petra Berkenbusch
Brauereien in Sorge

Landen wegen des Lockdowns Tausende Liter Bier in der Kanalisation?

Brauereien haben Fassbier auf Lager, aber die Gastronomie ist geschlossen. Auch im Hause Stauder richten sich sorgenvolle Blicke auf die Lagerbestände. Wegschütten ist die letzte Lösung.

Solange die Gastronomie geschlossen ist, sind die Biertrinker auf Flaschenware angewiesen. Fassbier ist gerade nicht gefragt, liegt in vielen Brauereien aber noch auf Lager. Mit einem immer näher rückenden Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Das macht den Brauern Sorge.

Auch der Dorstener Axel Stauder hat die Lagerbestände des in Essen ansässigen Familienunternehmens im Blick: „Wir haben zwar die Abfüllung in Fässer seit dem Lockdown zu 99,7 Prozent gestoppt, aber einen Teil der letzten Abfüllmengen noch auf Lager.“

Rund 40.000 Liter Lagerware im Fass warten in Essen darauf, dass der Lockdown von Gastronomie und Hotellerie vor dem Verfallsdatum aufgehoben wird. Im April könnte es allerdings für einen Teil der Ware schon zu spät sein. Wenngleich es sich beim Bier offenbar ähnlich verhält wie bei den meisten anderen Lebensmitteln: Ist das MHD erreicht, ist das Produkt noch lange nicht ungenießbar.

Axel Stauder
Axel Stauder hofft, dass die Gastronomie öffnen darf, bevor das Bier sein Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht. © Archiv © Archiv

„Abgelaufenes“ Bier ist nicht gesundheitsschädlich

Auch beim Bier empfiehlt Axel Stauder den Verbrauchern deshalb die Geruchs- und Geschmacksprobe. „Das Frischeprodukt Bier verändert sich natürlich mit dem Alter“, erklärt der Diplom-Brauingenieur, „wird es jedoch nach der Abfüllung kühl und dunkel, zum Beispiel im Kühlschrank, gelagert, verlängert das die Lebensdauer gegenüber einem Bier, das draußen dem ständigen Wechselspiel von Hitze und nächtlicher Kühle ausgesetzt ist.“

Der Hopfen wirke zudem bakteriostatisch, sorge gemeinsam mit dem Alkohol dafür, dass von „abgelaufenem“ und nicht mehr frisch schmeckendem oder aussehendem Bier keine Gesundheitsgefahr ausgehe.

Dennoch soll es den Kunden jenseits des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht mehr angeboten werden. Eine Umetikettierung der Fässer mit einem späteren „Verfallsdatum“ komme für seine Brauerei nicht infrage, erklärt Axel Stauder.

Schrittweise Entsorgung über die Kanalisation

Kann die Gastronomie nicht rechtzeitig öffnen, landet das Bier wohl da, wo es sonst nach seinem Weg durch den Biertrinker ohnehin endet: in der Kanalisation. „Im schlimmsten Fall müssen wir es wegschütten“, bedauert Stauder. Um die Kläranlagen nicht mit einer größeren Menge auf einen Schlag zu belasten, sei das biologische Misch- und Ausgleichsbecken ein wichtiger Zwischenschritt bei der umweltverträglichen Entsorgung.

Für den Unternehmer ein ebenso schmerzlicher Gedanke wie für jeden Bierliebhaber. Mehr als 130.000 weggeschüttete Gläser Bier wären für die Brauerei ein trauriges Symbol für ein durch Corona gebeuteltes Geschäftsjahr: keine Festivals, keine Fußballspiele vor Publikum, das Elend der Gastronomie – das können die Biertrinker im heimischen Wohnzimmer wohl nicht rausreißen.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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