Land will Notunterkunft für Flüchtlinge schließen

Ehemalige Laurentiusschule

Die ehemalige Laurentiusschule Lembeck als Notunterkunft des Landes für Flüchtlinge soll zum 30. Juni geschlossen werden. "Wir werden 20 von 47 Einrichtungen im Regierungsbezirk Münster aufgeben, darunter die Schule in Lembeck", bestätigte der Behördensprecher, Thomas Drewitz.

Lembeck

, 15.04.2016, 14:28 Uhr / Lesedauer: 1 min
Land will Notunterkunft für Flüchtlinge schließen

Ein Teil der ehemaligen Laurentiusschule in Lembeck wird zurzeit als Landesnotunterkunft für Flüchtlinge genutzt.

Bürgermeister Tobias Stockhoff und der Einrichtungsleiter seien über diesen Schritt in dieser Woche informiert worden, ergänzte Drewitz.

17 Beschäftigte arbeitslos

Für Hans-Heinrich Müllers vom Malteser Hilfsdienst, der der Leiter des Hauses in Lembeck ist, sind das keine guten Nachrichten: „Wir haben hier 17 Beschäftigte, zum Teil ehemalige Arbeitslose, die durch ihre Tätigkeit in der Flüchtlingsbetreuung eine berufliche Perspektive bekommen haben“, sagte er am Freitag.

Einige Mitarbeiter könnten zwar in anderen Einrichtungen unter Regie des Malteser Hilfsdienstes untergebracht werden, wenn die Bezirksregierung die Notunterkunft tatsächlich schließe: „Aber nicht alle“, sagte er auch. Eine bittere Pille für einige Helfer, die nach neun Monaten Arbeit wieder auf Hartz IV zurückfielen. Seine Mitarbeiter hätten schon bei der Vertragsverlängerung um lediglich drei Monate bis zum 30. Juni geahnt, dass da möglicherweise was im Busch sei. „Trotzdem: Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich bei der angekündigte Aufgabe des Hauses bleibt“, sagte Müller auch.

Alte Route über Ägypten, Libyen und Lampedusa

Denn die Flüchtlinge suchten mittlerweile nicht mehr den Weg über den abgeriegelten Balkan nach Deutschland, sondern wählten die alte Route über Ägypten, Libyen und Lampedusa. Deshalb hält Müllers die angekündigte Aufgabe der Laurentiusschule nur für eine Option: „Wenn wieder mehr Flüchtlinge ins Land kommen, werden die Unterkünfte womöglich doch gebraucht.“

Auf Anfrage sagte der stellvertretende Pressesprecher der Stadt Dorsten, Ludger Böhne, am Freitag, dass Dorsten in 2016 erst 77 Flüchtlinge zugewiesen worden seien, davon 72 bis Mitte Februar. „Aktuell stehen vor allem große Städte noch im Aufnahmesoll. Erst wenn hier die Aufnahmen ausgeglichen sind, ist auch in Dorsten wieder mit Zuweisungen zu rechnen. Und erst wenn die Stadt ihre originäre Quote erfüllt hat, hätte die Aufgabe der Notunterkunft konkrete Auswirkungen“, so Böhne. Die Stadt wolle die Laurentiusschule nach dem 30. Juni deshalb ausdrücklich als Unterkunft weiter vorhalten. Derzeit stünden in den städtischen Unterkünften 180 freie Plätze zur Verfügung. 

Die Aufnahmekapazität von 200 Plätzen in der Landesunterkunft Laurentiusschule wird nicht sofort auf die Dorstener Aufnahmequote angerecht. Sie verringert sich monatlich um 20 Prozent. Danach werden im Juli 80 Prozent, im August 60 Prozent, im September 40 Prozent, im Oktober 20 Prozent angerechnet, bevor im November 0 Prozent erreicht sind. Ob die Aufgabe der Notunterkunft Laurentiusschule finanzielle Folgen für die Stadt hat, ist derzeit fiktiv. „Niemand kann absehen, wie viele Flüchtlinge künftig zu uns kommen und wie viele der Stadt Dorsten zugewiesen werden“, sagt die Stadt Dorsten.

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