Kunden sind traurig: Beliebter Markthändler geht - und sorgt für eine große Lücke

dzWochenmarkt

Doris und Hermann Lücke gehören zu den Urgesteinen auf dem Wochenmarkt in Dorsten. Doch bald rollen sie mit ihrem Verkaufswagen zum letzten Mal an - darüber sind viele Kunden traurig.

Dorsten

, 11.03.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Friedhelm Lindenau ist echt konsterniert, als er diese Nachricht erfährt: Sein „Lieblingsmetzger“ auf dem Wochenmarkt wird eher als gedacht zum letzten Mal mit seinem Verkaufswagen in der Dorstener Fußgängerzone stehen. Das ist echt schlimm, was soll ich denn jetzt tun?“

Der Rentner ist nicht der einzige Passant an diesem Morgen, der diesen Verlust bedauert. Eine Kundin lässt sich gleich zig frische Bratwüste - die es traditionell nur montags an diesem Stand gibt - in Vakuumfolie verpacken. Ein Hamsterkauf, der mit Corona nichts zu tun hat. „Die friere ich ein, da habe ich dann noch monatelang etwas von“, sagt die Frau.

„Wollen mehr an uns denken“

Diese Stammkundin weiß bereits etwas länger, dass sie bei Doris und Hermann Lücke nur noch bis zum 28. März einkaufen kann. „Nach diesem Samstag ist dann Schluss, das haben wir uns in unserem Alter verdient , sagt Doris Lücke. Sie ist 61 Jahre alt, ihr Ehemann 66 Jahre. „Unsere Kinder sind gut versorgt, jetzt wollen wir mal mehr an uns denken.“

Der Verkaufsstand der Metzgerei Lücke ist an den Markt-Tagen ein beliebter Anlaufpunkt der Kunden.

Der Verkaufsstand der Metzgerei Lücke ist an den Markt-Tagen ein beliebter Anlaufpunkt der Kunden. © Michael Klein

Die Lückes und ihre Mitarbeiter sind Urgesteine des Marktgeschehens in Dorsten. Und eigentlich aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. „Seit 38 Jahren kommen wir jetzt regelmäßig hierhin“, betont Doris Lücke. Die ersten zehn Jahre immer nur samstags, später auch montags und donnerstags.

Jeden Tag 50, 60 Kilometer Anreise

Und freitags sogar noch auf dem Wochenmarkt in Holsterhausen. Immer in aller Herrgottsfrühe. Und immer haben die Lückes da schon 50, 60 Kilometer hinter sich. Denn ihr Stammsitz ist in Südlohn, zwischen Ahaus und Winterswijk gelegen. „Über die A 31 geht es heute flott, aber früher mussten wir immer über die Dörfer tuckern“, sagt Hermann Lücke.

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1982 hat das Ehepaar Lücke in Dorsten eine Standplatz bekommen. „Irgendwie sind wir trotz der Entfernung hängengeblieben“, so Hermann Lücke. „Vor allem wegen der lieben Kunden.“ Die schätzen es, dass es hier noch Produkte nach überlieferten westfälischen Rezepten wie Grütz- und Kohlwurst gibt.

Wie das Ehepaar Waltraud und Wilhelm Weber: Zungenwurst und Wurstebrot lassen sich die beiden Dorstener einpacken. „Die Lücke sind freundlich und immer für ein Witzchen gut“, sagt Wilhelm Weber.

Der Verkaufswagen der Lückes steht noch bis Ende März montags, donnerstags und samstags in der Lippestraße vor dem Mensing-Gebäude.

Der Verkaufswagen der Lückes steht noch bis Ende März montags, donnerstags und samstags in der Lippestraße vor dem Mensing-Gebäude. © Michael Klein

Während sich sein Nebenmann gleich mehrere Mettwüstchen abwiegen lässt, haben es Andrea Franken und ihre Mutter Marita Sauer auf eine andere luftgetrocknete Spezialität abgesehen: „Wir sind eher die Schinken-Typen.“

Das Ehepaar Lücke hätte es gerne gesehen, wenn sie einen Nachfolger für ihr Marktgeschäft im eigenen Haus gefunden hätte. „Aber leider hat unser letzter Lehrling kein Interesse gehabt, zu viel Arbeit.“

Auch Kunden aus Gladbeck und Oberhausen

Hermann Lücke weiß um die Nachwuchssorgen in der Fleischerbranche: „Unsere Zunft stirbt aus“, sagt er. Dabei hätte ein reiner Marktbeschicker ohne festen eigenen Laden - so wie er - durchaus gute Perspektiven. „bei uns kaufen sogar Leute aus Gladbeck und Oberhausen ein“, betont er.

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Die Lückes haben jedenfalls auf dem Dorsten Wochenmarkt immer genug Kundschaft gehabt, um gut über die Runden zu kommen. Dies galt vor allem an ihrem angestammten Standplatz in der Recklinghäuser Straße, wo sie bis zum Beginn der Umbauarbeiten der Fußgängerzone ihren Wagen aufstellten.

„Früher mehr am Stück gekauft“

„Und auch vor Mensing stehen wir jetzt gut“, so Hermann Lücke. Die paar Übergangsmonate auf dem Lippetor-Platz aber, „die waren eine schwere Zeit.“

Hat sich in den all den Jahren im Marktgeschäft etwas verändert? „Früher haben die Kunden mehr am Stück gekauft, da haben wir nicht so viele Schneidemaschinen gebraucht“, sagt er. Sonst nichts?

„Doch, die Fußgängerzone wird immer schöner“, lobt Hermann Lücke. Doch wenn in ein paar Monaten auch die Recklinghäuser Straße endlich fertig ist, wird ausgerechnet sein Verkaufswagen eine große Lücke reißen.

Marktmeisterin Michaela Sobotta-von Hausen sucht einen neuen „Metzger“ für den Wochenmarkt. Interessenten können sich bei der Stadt Dorsten unter der Rufnummer 02362/663777 melden.
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