Krosse Krabbelkost: In Dorsten steigt der erste Kochkurs mit Insekten

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Lecker kochen mit Insekten: Das ist das Motto eines Kurses, der erstmalig in Dorsten angeboten wird. Diese ungewöhnlichen Krabbelwesen zaubert Kursleiterin Denise Heyl dabei auf die Teller.

Dorsten

, 13.03.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die gerösteten Tierchen sind lediglich ein wenig mit Meersalz verfeinert. Mehr an Würze brauchen sie nicht. Der Pfanneninhalt, der ein wenig an kleine Nordsee-Krabben erinnert, hat nämlich ein ganz eigenes Aroma: ein bisschen nussig. Beim Probieren glaubt man, ein krosses Stück Hähnchenhaut zu verzehren.

Delikat, diese Mehlwürmer. Keine Frage.

„Krosses Krabbeln“ - so nennt Bianca Gawollek (Bildungsforum im Kreisdekanat) den Kurs, den sie am 21. April (Dienstag) in der stylishen Hochglanz-Küche der neuen Familienbildungsstätte (FBS) an der Beethovenstraße 1 anbietet. Die Frontalansicht einer grünen Heuschrecke auf dem Plakat verrät, worum es hier geht: „Lecker kochen mit Insekten“.

„Langsam heranführen“

„In Deutschland ist der Verzehr von Insekten leider noch allzusehr mit einem Ekel-Faktor behaftet.“ Das sagt Denise Heyl, die Kursleiterin. Die Studentin der Ökotrophologie (Ernährungswissenschaften) an der Fachhochschule Münster will die Dorstener „langsam an das Thema heranführen“. Aber immerhin seien nach ihren Angaben Insekten für zwei Millarden Menschen auf der Welt traditionell das Hauptnahrungsmittel.

Einen Salat mit Grillen und einen Buffalo-Würmer-Burger wird Denise Heyl ihren Kursteilnehmern im Insekten-Kochkurs anbieten.

Einen Salat mit Grillen und einen Buffalo-Würmer-Burger wird Denise Heyl ihren Kursteilnehmern im Insekten-Kochkurs anbieten. © Privat

„Das ist alles eine Sache des Kopfes“, betont Denise Heyl. Weswegen sie für ihren Kurs - den ersten seiner Art in Dorsten - auch ein Gericht im Rezeptbuch hat, „bei dem man die Insekten nicht mehr sieht“. Für die Einsteiger kommt dabei ein Buffalowürmer-Bratling auf den Teller. Hülsenfrüchte als Grundlage, „dazu Gewürze und ein Ei“, so die 27-Jährige.

Dazu die „Buffalos“, die gar keine Würmer sind, sondern die Larven des Getreideschimmelkäfers. „Die werden zu Mehl verarbeitet“, erklärt Denise Heyl, „und sorgen für den charakteristischen Geschmack“.

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Während ihres Studiums sind der Marlerin Insekten sozusagen über den Weg gelaufen. „Sie haben viel mit Nachhaltigkeit zu tun, ihre Aufzucht ist viel umweltfreundlicher als die Fleischproduktion“, sagt sie.

Zumal seien die seit 2018 laut Gesetz auch in Deutschland als Lebensmittel zugelassenen Insektenarten sehr gesund. „Erlaubt sind seitdem Grillen, Wanderheuschrecken und Mehlwürmer“, so Denise Heyl.

Diese Insekten seien sehr gesund. „Sie haben einen hohen Proteinanteil, viel Vitamin B 12 und eine Menge ungesättigter Fettsäuren.“ Die Zutaten für den Kurs bezieht die Marlerin von der Firma „Snack Insekt“, gezüchtet und produziert in Deutschland, „absolut öko“. Schockgefrostet und gefriergetrocknet werden sie geliefert. „Die Teilnehmer brauchen sich auch keine Sorgen zu machen, dass die Ware verkeimt ist oder entdarmt werden muss.“

Nicht gerade billig

Billig ist der insekten-kulinarische Spaß beileibe nicht. „50 Gramm Mehlwürmer kosten 8,90 Euro, so viel braucht man für vier Buletten“, sagt die Kursleiterin. „Das ist für mich Studentin eine Menge Geld“, sagte sie. „Aber ich weiß, dass ich meinem Körper damit immer mal wieder etwas Gutes tue.“

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Dieser gesundheitliche Aspekt ist der Vegetarierin besonders wichtig. Nach dem Abitur hat sie als Krankenschwester gearbeitet, „und dabei gemerkt, dass es immer mehr übergewichtige Menschen gibt“. Deswegen hat sie sich entschlossen, Ernährungswissenschaften zu studieren. „Man sollte den Menschen nicht erst dann helfen, wenn sie krank sind, sondern solange sie noch gesund sind.“

Salat mit Grillen

Seitdem gibt sie Kochkurse bei der Familienbildungsstätte: vegetarische Küche, gesunde Snacks, Fitness-Rezepte. Der Insektenkochkurs vereint für sie das Beste aus allen Bereichen. Höhepunkt des krabbelig-kulinarischen Abends wird der „Grillen-Salat“ werden - die Langfühlerschrecken werden frittiert und auf dem bunten Salatteller drappiert.

Mit Flügeln und Beinen? „Nein, die kann man nicht mitessen“, sagt Denise Heyl. Die Flügel sind nämlich relativ hart und an den Beinen befinden sich Widerhaken, die sich gerne zwischen den Zähnen verfangen.

„Entomphagie - Insekten als Nahrungsmittel“. Der Kochkurs findet ab zehn angemeldeten Teilnehmern statt. Die Lebensmittelumlage in Höhe von 13 Euro ist in der Gebühr (25 Euro) enthalten. Mitzubringen sind Kochschürze und Vorratsdosen. Termin: Dienstag, 21. April, von 19 Uhr bis 22 Uhr, FBS Dorsten-Marl, Küchenstudio (Beethovenstraße 1), Dorsten. Anmeldung und Info: Tel. 02362/971990-0 oder im Internet: www.fbs-dorsten-marl.de
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