Apothekerin Judith Pollmann (Apotheke im Viertel) wird erst mal keine kostenlosen Schnelltests anbieten. Die bürokratischen Hürden seien zu hoch, um schnell etwas auf die Beine zu stellen. © Moritz Brilo
Coronavirus

Kostenlose Schnelltests: Bürokratie schreckt Apotheker ab

Wer kostenlose Schnelltests anbieten will, braucht ab Dienstag eine Zulassung. Die bringt Verpflichtungen mit sich, die Apotheker abschrecken. Dabei wollen doch eigentlich alle helfen.

Seit dem 8. März soll sich jeder Bürger einem kostenlosen Schnelltest unterziehen können. Mehr als 100 Dorstener haben das Angebot im kurzfristig eingerichteten Schnelltest-Zentrum im Atlantis wahrgenommen. Das war allerdings nur eine Notlösung, bis die Schnellteststrategie des Kreises Recklinghausen greift.

Die Strategie sieht ein dreistufiges Modell vor: Kostenlose Schnelltests gibt es bei (1) Ärzten, Apotheken und Hilfsorganisationen, im (2) Schnelltest-Zentrum an der Vestlandhalle in Recklinghausen und in (3) mobilen Teststellen in den Städten. Näheres, auch zum Anmeldeverfahren, will der Kreis in den nächsten Tagen bekannt geben. Auch soll es bald eine Übersicht über alle Stellen geben, an denen kostenlose Schnelltests angeboten werden.

Ab Dienstag nur mit Zulassung

Ab kommenden Dienstag brauchen beispielsweise Apotheken eine Zulassung, um die für die Bürger kostenlosen Tests auch abrechnen zu können. Stand Donnerstag hatten sich nur rund 50 Apotheken und Arztpraxen im gesamten Kreisgebiet um so eine Zulassung bemüht, denn mit ihr gehen auch Verpflichtungen einher.

Judith Pollmann, Inhaberin der Apotheke im Viertel an der Recklinghäuser Straße, bietet erst mal keine kostenlosen Schnelltests an: „Man muss verpflichtend 20 Stunden Testungen pro Woche anbieten“, sagt die Apothekerin. „Auch an einem Tag am Wochenende. Das kriege ich nicht hin, ich entsende ja auch schon Personal in die Impfzentren.“

Grundsätzlich beteiligen würde Pollmann sich gerne. Doch die bürokratischen Hürden seien aktuell zu hoch, um kurzfristig etwas auf die Beine zu stellen.

War die Nachfrage nach kostenlosen Schnelltests denn bislang hoch? „Wir hatten vielleicht fünf, sechs Anfragen pro Tag, wie es allgemein läuft“, sagt Simon Nattler, Inhaber der Elisana-Apotheken. „Wir haben den Eindruck, dass das noch mal etwas abnimmt, wenn die Laien-Tests kommen.“

Laien- oder Selbsttests, die bezahlt werden müssen, gibt es schon vereinzelt in Supermärkten und Drogerien. Auch Apotheken werden in nächster Zeit mehr davon auf Lager haben. Bei bestimmten körpernahen Dienstleistungen muss man einen tagesaktuellen Test vorlegen, das kann sowohl ein Laien- oder Selbsttest als auch ein kostenloser Schnelltest sein.

„Hätte mir mehr Zusammenspiel gewünscht“

Auch Simon Nattler wird in seinen Apotheken erst mal keine kostenlosen Schnelltests anbieten. Ihn stört ebenfalls, dass man sich direkt bis zum Ende der Pandemie verpflichten muss, entsprechende Kapazitäten vorzuhalten, obwohl noch gar nicht klar ist, ob die überhaupt gebraucht werden. Er schließt aber auch nicht aus, später einzusteigen, wenn weitere Kapazitäten für kostenlose Schnelltests benötig werden sollten.

Auch in den Elisana-Apotheken von Simon Nattler werden vorerst keine kostenlosen Schnelltests angeboten.

„Ich hätte mir allgemein mehr Zusammenspiel gewünscht“, sagt Judith Pollmann. „Ein paar lokale Zentren in den Städten zum Beispiel, in die die Apotheken stundenweise Personal entsenden können.“ Simon Nattler kritisiert, dass aufgrund der Eile Informationen häufig scheibchenweise veröffentlicht werden und schnell überholt sind: „Mann muss sehr lange warten, bis man halbwegs verlässliche Infos hat.“

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Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
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Robert Wojtasik

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