Konflikte mit Neubürgern befürchtet: Dorstener Schützen gegen Neubaugebiete an Festplätzen

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Schützen feiern gerne ausgelassen. Neubürger können aber häufig mit Traditionsfesten nichts anfangen. Deswegen haben die Schützenvereine in Dorsten eine besondere Forderung an die Politik.

Dorsten

, 14.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Standort des Schützenzeltes wurde ein bisschen versetzt, die Bühne auf der gegenüberliegenden Zelt-Seite platziert, damit die Lautsprecher der Festball-Band nicht mehr in Richtung Neubaugebiet schallen. „Und um Mitternacht drehen wir die Bässe runter, damit die Anwohner am Bückelsberg nicht so sehr gestört werden“, sagt Andreas Wanning, Vorsitzender der Wulfener Schützen.

Das alles der guten Nachbarschaft wegen.

Doch was in Wulfen gut funktioniert, wird in Zukunft vielleicht anderswo längst nicht so sein. Konkret ist in Dorsten zwar derzeit kein Schützen-Festplatz von der Ausweisung neuer Baugebiete betroffen. „Aber es könnte ja durchaus irgendwann passieren, dass uns Wohngebiete näher rücken“, sagt Hendrik Schulze-Oechtering, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Dorstener Schützenvereine.

Brief an den Bürgermeister

Und deshalb hat der Oberst der Altstadtschützen im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft einen besonderen Bitt-Brief an Bürgermeister Tobias Stockhoff geschrieben.

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Noch würden die Festplätze in den Siedlungsbereichen von den Anliegern „angenommen“, heißt es in dem Schreiben. Eine dichtere Wohnbebauung in unmittelbarer Nachbarschaft der Festplätze wäre aber „mehr als kontraproduktiv“.

„Aufgrund der Feierfreude der Schützengesellschaften“ seien nämlich Konflikte mit den „von auswärts hinzuziehenden Neubürgern“ zu erwarten.

Die Schützen Wulfen haben das Festzelt bereits etwas versetzt und die Bühnen-Richtung verändert, damit die Nachbarn im neuen Baugebiet am Bückelsberg weniger gestört werden.

Die Schützen Wulfen haben das Festzelt bereits etwas versetzt und die Bühnen-Richtung verändert, damit die Nachbarn im neuen Baugebiet am Bückelsberg weniger gestört werden. © Bludau

Die Gefahr sei groß, dass diese „mit der Schützentradition nicht konform“ gehen und deshalb die Schützenfeste „aufgrund von Anwohnerbeschwerden nicht mehr wie gewohnt“ über die Bühne gehen könnten.

„Engagierte Schützen“

Der Dorstener Schützenvertreter bittet Rat und Verwaltung deshalb, „von solchen Vorhaben Abstand zu nehmen“. Hendrik Schulze-Oechtering: „Uns ist bewusst, dass auch wirtschaftliche Gründe nicht von der Hand zu weisen sind, jedoch sollte bei aller Abwägung auch das Engagement der Schützen mit in die Waagschale geworfen werden.“

Die Festwiese samt Vogelstange in Holsterhausen-Dorf. Der Regionalplan sieht für diesen Bereich ein Baugebiet vor, doch das steht in den Sternen. Dies hat die Arbeitsgemeinschaft der Schützen von der Stadt erfahren.

Die Festwiese samt Vogelstange in Holsterhausen-Dorf. Der Regionalplan sieht für diesen Bereich ein Baugebiet vor, doch das steht in den Sternen. Dies hat die Arbeitsgemeinschaft der Schützen von der Stadt erfahren. © Schützen Holsterhausen-Dorf

Er führt dabei ins Feld, dass die Dorstener Schützenfamilie mehr als 8.000 eingetragene Mitglieder und viele Freunde darüber hinaus habe. Dieses werde deutlich durch das gesellschaftliche Engagement, das in den letzten Jahren von den Schützen gestemmt worden sei.

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Wie Hendrik Schulze-Oechtering auf Anfrage erklärt, habe es „Gerüchte“ bei den manchen Vereinen gegeben. Zum Beispiel, dass der Schützenplatz der Hardter Schützen am Kögelweg überbaut oder dass direkt neben der Vogelstange in Holsterhausen ein Baugebiet entstehen soll.

„Da ist zwar nichts dran“, habe er erfahren. Auch die geplanten Wohnhäuser im von den Altstadtschützen genutzten Lippetal seien vom Tisch. Aber: „Wehret den Anfängen“, begründet er, warum das Dorstener Schützenvolk dennoch ihre Interessen kundgetan hat.

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