Dieses Trio soll laut Zeugenhinweisen am Barkenbergsee des Öfteren böllern - einer der drei hält zudem eine Waffe in der rechten Hand. Die Polizei ermittelt. © privat
Böllerei

„Knallköpfe“ lassen es ganzjährig krachen: Bürger nervt die Böllerei

Barkenberger sind sauer auf „Knallköpfe“: „Hier wird ständig geböllert“, sagen genervte Anwohner. Auch in Dorsten leiden Menschen und Tiere. Polizei und Ordnungsamt sind die Hände gebunden.

Odin ist ein treuer Begleithund der Eheleute Zachraj. Doch am liebsten würde der Hund mit dem stolzen nordischen Götternamen ganztägig in Deckung gehen: „Er leidet tierisch unter der ständigen Böllerei in unserem Ortsteil“, sagt Rita Zachraj. Sie hätte es gerne, wenn die Stadt das Böllern komplett untersagen würde, um Menschen und Tiere vor dem Lärm zu schützen. Einen entsprechenden Antrag habe sie in der letzten Wulfen-Konferenz gestellt. Mit ihrem Wunsch, dass das Böllern untersagt wird, ist Rita Zachraj nicht allein.

Rita Zachraj ärgert sich über das ganzjährige Böllern in ihrem Ortsteil - viele andere Bürger auch.
Rita Zachraj ärgert sich über das ganzjährige Böllern in ihrem Ortsteil – viele andere Bürger auch. © Claudia Engel © Claudia Engel

Denn nicht nur im Ortsteil Wulfen-Barkenberg lassen es „Knallköppe“, so bezeichnen die belästigten Bürger die Zündler, mächtig krachen. Auch in Dorsten nimmt das ganzjährige Böllern überhand. Stadtsprecher Ludger Böhne: „Die Problematik ist bekannt – nicht nur in Barkenberg.“ Er selbst habe in einer Ratssitzung im Gemeinschaftshaus Wulfen gehört, wie in der Nähe Böller hochgingen.

Der Sprenglärm ist mehr als nur eine Belästigung

„Unbestritten ist, dass der Sprenglärm mehr als nur eine Belästigung für Menschen und Tiere ist. Viele Hunde reagieren geradezu panisch auf die Knallerei, sind manchmal über Stunden nicht wieder zu beruhigen. Diese Auswirkungen sind den Tätern vermutlich nicht bewusst. Insofern appellieren wir eindringlich, mit der Knallerei aufzuhören“, sagt Ludger Böhne. Was die Verursacher „mit dem Zünden von Knallkörpern bezwecken“, kann er nicht nachvollziehen.

Ein Trio in Wulfen-Barkenberg wurde von Zeugen am Barkenbergsee angetroffen, als es Kracher hochgehen ließ. „Die sind bei uns im Ortsteil nicht unbekannt. Hier kennt jeder jeden“, meint Rita Zachraj. Einem Nachbarschafts-Chat im Internet hat sie entnommen, dass Zeugen die Verursacher vergangene Woche bei der Polizei angezeigt hätten. „Einer von ihnen hat auch noch mit einer Pistole herumgefuchtelt.“

Auf einem Foto von dem Trio ist deutlich sichtbar, wie einer der jungen Männer eine Waffe in der Hand hält. „Für eine Schreckschusspistole oder eine PTB-Waffe (Reizstoff-, Schreckschuss- oder Leuchtpistole) braucht man einen kleinen Waffenschein“, sagt Polizeisprecher Andreas Lesch. Und manche Böller dürfen bei uns in Deutschland gar nicht gezündet oder hierzulande verkauft werden. Allerdings ist das Netz voll mit sogenannten Polen-Böllern, die im polnischen Online-Pyromarkt zwar als Silvesterfeuerwerk angepriesen werden, dennoch aber ganzjährig zu haben sind. Darunter bis vor Kurzem auch hochbrisante Kracher der Klasse F3 – für die braucht man als Nutzer eine Erlaubnis nach dem Sprengstoffgesetz.

Leider wird nur selten Anzeige erstattet

Trotz der lästigen Böllerei wird wohl nur sehr selten Anzeige erstattet, wie Andreas Lesch beim Blick in die Polizeistatistik festgestellt hat. Sechsmal zeigten Barkenberger zwischen dem 29. Oktober und Mitte November das verbotene Böllern in ihrem Ortsteil bei der Polizei an. Viermal wurde anderenorts in Dorsten Anzeige erstattet.

Leider sei es auch schwierig, die Tatverdächtigen auf frischer Tat zu ertappen. Da sind sich Polizei und Kommunale Ordnungshüter einig. „Da das Zünden der Böller ein extrem kurzer und ‚flüchtiger’ Vorgang ist und jederzeit an jedem Ort nahezu unbemerkt stattfinden kann, ist eine Ermittlung der Täter durch Überwachung und Kontrollen faktisch unmöglich“, sagt Stadtsprecher Ludger Böhne.

Auch der Polizei seien die Hände gebunden: „Wir können nicht ohne dringenden Tatverdacht Menschen nach Böllern oder Waffen durchsuchen“, sagt Andreas Lesch. Einig sind sich Polizei und Stadt aber darin, dass Bürger Anzeige erstatten sollen. Denn ihnen werde nachgegangen. Dorstener können die örtlichen Polizeiwachen anrufen (Tel. 02362/601-2531 oder Tel. Wulfen: 02369/913-2570). Das Ordnungsamt der Stadt nimmt Hinweise per E-Mail entgegen: ordnungsamt@dorsten.de

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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