Jeder kann CO2-Ausstoß verringern: Barkenberger verrät, wie es geht

dzKlimawandel in Dorsten

Es gibt keine Zeit zu verlieren, der Klimawandel ist im Gang. Ein Barkenberger hat sein Haus umgebaut. „Ich möchte sehr schnell 50 Prozent meiner persönlichen CO2-Emissionen sparen.“

Wulfen-Barkenberg

, 24.07.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Christian Feldmann ist 44 Jahre alt, verheiratet, Vater zweier Kinder. Aufgewachsen in Barkenberg kehrte er nach dem Studium (Maschinenbau und Betriebswirtschaftslehre) nach Barkenberg zurück. „2014 haben wir unser Haus im Heidbruch bezogen.“ Ein älteres Einfamilienhaus mit allen energetischen Nachteilen, die Häuser aus den 1980er-Jahren haben.

Christian Feldmann setzt auf Photovoltaik und Luftwärmepumpe, um möglichst wenig CO2 in die Umwelt abzugeben.

Christian Feldmann © Guido Bludau

Für Christian Feldmann stellte sich von Anfang an die Frage, wie er auf Energie aus fossilen Brennstoffen verzichten kann. Denn: „Der Klimawandel ist seit 40 Jahren bekannt. Es ist nicht mehr die Frage, ob es zur Klimakatastrophe kommt, sondern wann.“

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Bevor alle gezwungen würden, von heute auf morgen auf Null herunterzufahren, fordert Feldmann: „Wir sollten als Gesellschaft sofort und in den nächsten zwei bis drei Jahren entschlossen sein, den CO2-Ausstoß in allen Bereichen so radikal zu senken, wie es uns mit erprobter Technik möglich ist. Nur so gewinnen wir Zeit, Lösungen für Probleme zu finden, für die wir heute noch keine haben.“ Er selbst hat das getan.

Ohne fossile Brennstoffe kann man auskommen

Für Feldmann heißt das: Ein Einfamilienhaus zu schaffen, das ohne fossile Brennstoffe auskommt und den CO2-Ausstoß auf Null reduziert. „Die Wissenschaft hat für die Welt ausgerechnet, wie wenig CO2 noch abgegeben werden darf, um die bereits stattfindende Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Diese CO2-Reserve nennt sich Klimabudget. Weltweit wurde es 2018 auf 420 Gigatonnen kalkuliert. Dieses Budget reicht von heute an gerechnet gerade noch acht Jahre“, sagt der Weltklimarat. Eine Garantie gebe es aber nicht: „Es ist einfach schon zu viel klimaschädliches Gas in die Atmosphäre abgegeben worden“, sagt Christian Feldmann.

Christian Feldmann ist gerne bereit, sein Wissen und seine Erfahrungen um die Luftwärmepumpen und eine Photovoltaikanlage mit anderen Interessierten zu teilen. Er würde auf Wunsch auch zum Thema vortragen. Er ist per E-Mail (klimaschutz.jetzt@posteo.de) zu erreichen.

Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse hat Feldmann deshalb sein Haus von Grund auf saniert: Das Dach wurde vollständig gedämmt und neu eingedeckt, 74 Photovoltaikzellen auf dem Dach speisen den Sonnenstrom zunächst ins hauseigene Stromnetz für den eigenen Bedarf, die überschüssige Energie wird an die Stromversorger verkauft.

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Die Zellen im Heidbruch produzieren 18.100 kWh Strom jährlich: „Unser Eigenverbrauch liegt bei etwa 4500 kWh für den Haushalt und 3300 kWh für die Heizung“, sagt Feldmann. Für ihn rechnet sich das Geschäft mit dem Sonnenstrom: „Die Einspeisevergütung lag 2019 bei 10,4 Cent pro kWh.“ Übrigens produziert die Anlage auch im Winter Sonnenstrom: „Sie liefert dann zirka 20 Prozent des Jahresertrags und dieser wird überwiegend direkt verbraucht.“

Barkenberg hat kalte Nahwärme

Trotz des älteren Baujahres hatte Christian Feldmanns Haus schon eine Fußbodenheizung. Grundvoraussetzung für eine Wärmepumpe, über die das Haus im Westabschnitt Barkenbergs bereits bei Bezug verfügte, weil die Vorbesitzer kalte Nahwärme aus einer Ringleitung in Barkenberg bezogen hatten. Die ist aber recht kostspielig, wenn nur wenige mitmachen. Christian Feldmann hat sich anders entscheiden.

Die Zukunft liegt im elektrischen Heizen

Vom Nutzen einer Wärmepumpe ist er nämlich überzeugt, „weil Wind und Sonne günstig Strom liefern“. Und eine Wärmepumpe sei eine elektrisch betriebene Heizung. Sie verwendet elektrischen Strom, um Wärme aus einer Quelle zu entnehmen und zu überführen. „Die Quelle kann Luft, Wasser oder Erde sein.“

Christian Feldmann setzt auf Photovoltaik und Luftwärmepumpe, um möglichst wenig CO2 in die Umwelt abzugeben.

Christian Feldmann setzt auf Photovoltaik und Luftwärmepumpe, um möglichst wenig CO2 in die Umwelt abzugeben. © Guido Bludau

Christian Feldmann wählte eine Luftwärmepumpe als Alternative zur im Westabschnitt Barkenbergs verfügbaren wassergeführten kalten Nahwärme. „Allerdings waren die Anbieter für Luftwärmepumpen in der Region wahnsinnig teuer. Sie hätten zwischen 18.000 und 30.000 Euro genommen.“

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Feldmann recherchierte auf eigene Faust im Netz und wurde fündig. Für jeweils 2850 Euro hat er sich zwei Panasonic-Anlagen gekauft, die in Kombination mit der 24 kWp-Photovoltaikanlage zu einem Drittel den Strom für die gewünschte Heizenergie liefern. Die beiden Kästen, von ihrer Größe her vergleichbar mit Klimaanlagen, hat er direkt neben dem Eingang seines Hauses aufgestellt. Seit der Dachsanierung wird nur noch eine Wärmepumpe zum Heizen und Kühlen benötigt.

BAFA-Prämien verringerten den Kaufpreis

Weil Feldmann sich im Internet schlau gemacht hatte, konnte er auch noch BAFA-Prämien für die Anschaffung verbuchen: jeweils 1500 Euro pro Pumpe. Im letzten Winter hätte er gerade einmal 620 Euro für die gesamte Heizperiode zahlen müssen: Die Heizkosten lagen bei ca. 0,3 Euro pro kWh für gekauften Ökostrom und 0,06 Euro für die Photovoltaik kWh Herstellkosten. 3276 kWh hat die Wärmepumpe von Christian Feldmann verbraucht. Mit dem Strom hat die Wärmepumpe 15.368 kWh Wärme ins Haus gebracht. „Mit dem überschüssig verkauften Photovoltaikstrom gelingt es uns, weder Heiz- noch Stromkosten zu haben“, sagt Feldmann.

Für den Betrieb einer Wärmepumpe sei entscheidend, so viel Heizfläche wie möglich zu haben. Dafür kommen Böden, Wände oder auch Decken in Frage. So lassen sich auch alte Häuser sehr günstig beheizen.

Abkehr von fossiler Energie schont Portemonnaie und Umwelt

Die Abkehr von fossiler Energie ist also nicht nur umweltschonend, sondern auch finanziell attraktiv. Christian Feldmann denkt aber nicht nur an sein Portemonnaie, sondern an die Zukunft seiner Kinder. „Unsere Kinder werden alle Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommen. Spätes Handel verengt den Spielraum von ihnen, unser Wachstum und Wohlstandsmehrung gehen wider besseren Wissens zulasten der nachfolgenden Generationen.“

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