Kleine Anfrage der AfD: Gymnasium Petrinum in Dorsten bekommt Rückendeckung

dzGymnasium Petrinum

Nachdem die AfD die politische Neutralität des Gymnasiums Petrinum in Frage gestellt hat, gibt es in Dorsten erste Reaktionen. Dabei geht es auch um die Frage, was Schule leisten muss.

Dorsten

, 09.12.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unverständnis und Empörung prägen die öffentlichen Stellungnahmen nach der Kleinen Anfrage der AfD an die Landesregierung. Abgeordneter Christian Blex zweifelt darin an der politischen Neutralität des städtischen Gymnasiums Petrinum, weil Lehrer und Schüler den „Bürgerdialog“ der AfD in der Schulaula an unterschiedlichen Stellen thematisiert hatten.

Das Bündnis „Wir in Dorsten gegen Rechts“ hatte im September eine Demonstration organisiert. Rund 500 Menschen nahmen an der Protestbewegung von der Innenstadt zum Hochstadenplatz teil. Sprecherin Ruth Lange glaubt nun, dass „wieder einmal deutlich wird, wie die AfD versucht, durch Anfragen, die sich wie hier um längst Vergangenes kümmern, die Landesregierung vom wichtigen Alltagsgeschäft abzuhalten“.

Das Bündnis gegen Rechts betont, dass...

  • ... der von der AfD zitierte „Beutelsbacher Konsens“ eindeutig sage, dass Lehrer die Schüler „zur kritischen Auseinandersetzung mit jedem politischen Geschehen befähigen“ müssen,
  • ... die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) einen Unterschied sieht zwischen Neutralität und Werteneutralität,
  • ... die Landeszentrale für politische Bildung (Baden Württemberg) fordert, dass es kritisch angesprochen werden müsse, wenn es politische Parteien gebe, „die Antisemiten in ihren Reihen dulden, erkennbare personelle Überlappungen in die rechtsradikale und rechtsextremistische Szene aufweisen und deren Abgeordnete bei Demonstrationen mitlaufen, bei denen offen der unter Strafe stehende Hitler-Gruß gezeigt wird“.

„Lehrer haben einen demokratischen Bildungsauftrag“

Auch die Vorsitzende der SPD Dorsten, Jennifer Schug, ist überzeugt, dass „Lehrkräfte einen demokratischen Bildungsauftrag haben. Sie sollen ihren Schülern unsere freiheitlich-demokratischen Grundordnung und Menschenrechte vermitteln.“ Es sei selbstverständlich, dass sich Lehrer mit Schülern im Unterricht „kritisch mit den Positionen von Parteien jedweder politischer Ausrichtung auseinandersetzen, solange sie ihre Meinung der Schülerschaft nicht aufoktroyieren“.

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Jennifer Schug betont, dass die Schulzeit viel stärker genutzt werden müsse, „um unseren Kindern nicht nur Wissen, sondern vor allem auch moralische und ethische Werte zu vermitteln. Dazu möchte ich alle Schulen in Dorsten ausdrücklich ermutigen!“

Auseinandersetzung mit politischem Zeitgeschehen

Ratsherr Torsten Huxel (Bündnis 90/Die Grünen) bezeichnet es in einer persönlichen Erklärung als „Farce“, dass das Kollegium des Petrinums diskreditiert werde. „Eine Auseinandersetzung mit dem politischen Zeitgeschehen muss selbstverständlich auch in einer Schule und in deren Fachunterricht und Gremien stattfinden.“

Letztendlich sei, so Huxel, jede Partei für ihren politischen Inhalt selbst verantwortlich. „Wenn die Kernthemen der AfD, wie z.B. die Flüchtlingspolitik, der Ausstieg aus der EU oder das Leugnen des Klimawandels nicht stumpf und unreflektiert hingenommen werden, muss man mit kritischer Auseinandersetzung rechnen. Politisch interessierte junge Menschen werden auch ohne Einfluss von Schule im Internet schnell zahlreiche Einträge finden, die die AfD als rechtspopulistische Partei mit rechtsextremen Tendenzen ausweist.“

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