In diesem Saal des Essener Landgerichts muss sich der 24-Jährige aus Dorsten-Holsterhausen wegen sexuellen Kindesmissbrauchs verantworten. © Jörn Hartwich
Landgericht Essen

Kindesmissbrauch: Richter sollen Garten in Dorsten besichtigen

Ein 24-Jähriger aus Dorsten soll ein kleines Mädchen bei der Gartenarbeit sexuell missbraucht haben. Er selbst behauptet, dass es dazu gar keine Gelegenheit gab.

Das wäre sicherlich ein ungewöhnlicher „Dienst-Ausflug“: Im Prozess um den mutmaßlichen Missbrauch einer Achtjährigen haben die Verteidiger am Montag (14.6.) einen Ortstermin in Dorsten-Holsterhausen beantragt.

„Dabei wird sich herausstellen, dass eine ungestörte Tat unmöglich war“, so Verteidiger Michael Schwankl am zweiten Verhandlungstag vor der 24. Strafkammer des Essener Landgerichts. Alle Bereiche, in denen sich die Übergriffe abgespielt haben sollen, seien von der Straße aus einsehbar gewesen. Direkt vor dem Haus soll sich sogar eine Bushaltestelle befinden.

Mit der Tochter getobt

Ob sich die Richter tatsächlich auf den Weg nach Dorsten machen werden, ist noch unklar. Sie werden vermutlich erst einmal abwarten, was ihnen die heute Zehnjährige erzählen wird, die Ende Juni als Zeugin vernommen werden soll.

Der Vater des Mädchens hatte den Angeklagten auf der Straße angesprochen und ihn gefragt, ob er ihm nicht im Garten helfen könne. Das war im Herbst 2019.

Die beiden Männer waren offenbar auch ein gutes Team. Was dem Vater allerdings aufgefallen war: Der Angeklagte zeigte angeblich keinerlei Zurückhaltung bei seiner kleinen Tochter. Er habe mit der Achtjährigen getobt, sie hochgehoben, auf dem Fahrrad hin und her geschoben. Das sei ihm zu „intim“ gewesen, sagte er den Richtern bei seiner Zeugenvernehmung. Schließlich sei der Angeklagte ja kein Familienmitglied gewesen. Beschwert habe er sich aber nicht.

DNA-Spuren am Handschuh

Was den Angeklagten vor allem belastet, sind DNA-Spuren an seinen Händen und an seinen gelben Arbeitshandschuhen. Damit soll er laut Anklage in einem unbeobachteten Moment in den Intimbereich des Mädchens gegriffen haben – was er bestreitet.

Die Verteidiger halten es allerdings für möglich, dass die DNA des Mädchens auch beim Toben übertragen worden sein könnte. Dieser Frage wird im Laufe des Prozesses deshalb wohl noch einmal großes Gewicht zukommen. Die Wissenschaftler sind vom Gericht bereits als Sachverständige geladen worden.

Kein Glaubwürdigkeits-Gutachten

Wichtig wird am Ende natürlich auch sein, was die Schülerin selbst erzählt. Und wie die Richter ihre Aussage bewerten. Eine Glaubwürdigkeitsgutachterin wurde nicht eingeschaltet. Aus Sicht der Verteidiger müsse das dringend nachgeholt werden. Bis zur Zeugenaussage vor Gericht sei dafür noch ausreichend Zeit. Auch über diesen Antrag haben die Richter am Montag noch nicht entschieden.

Die Staatsanwältin hält die Hinzuziehung einer Glaubwürdigkeitsgutachterin nicht für erforderlich. Die Bewertung der Glaubhaftigkeit der Aussagen sei ureigenste Aufgabe des Gerichts, so die Anklagevertreterin.

Der Prozess wird fortgesetzt, mit einem Urteil ist frühestens Anfang Juli zu rechnen.

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Gerichtsreporter

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