Zehn Minuten Zeit hatte Michael Hübner, um die Delegierten bei der Wahlkreisdelegiertenkonferenz von sich zu überzeugen. © Petra Berkenbusch (A)
Michael Hübner

Kein Platz mehr für einen ambitionierten Berufspolitiker

Von der Politik zurück in den Beruf: Michael Hübner steht das wohl bevor. Das Kreishaus und der Bundestag bleiben ihm verschlossen, sein Landtagswahlkreis wird aufgelöst.

Als die SPD-Wahlkreisdelegiertenkonferenz am Dienstag in Bottrop den bisherigen Bundestagsabgeordneten Michael Gerdes erneut zum Kandidaten für den Wahlkreis Bottrop/Gladbeck/Dorsten bestimmt hat, haben die 59 Delegierten damit möglicherweise die Berufspolitiker-Laufbahn des Gegenkandidaten beendet.

Dabei hatten die Zeichen für den Gladbecker Landtagsabgeordneten Michael Hübner gar nicht so schlecht gestanden. Hätten die Delegierten aus Gladbeck und Dorsten geschlossen hinter ihm gestanden, hätten sie eine Stimme mehr gehabt als die Bottroper „Hausmacht“ von Michael Gerdes. Am Ende bekam der jedoch nicht nur 28 Stimmen, sondern 34. Und Hübner musste sich mit 23 statt der erhofften 29 geschlagen geben.

Shitstorm nach umstrittener Corona-Äußerung

Er konnte offenbar nicht überzeugen, wenngleich seine politischen Themenschwerpunkte Kommunalfinanzen und Gesundheitswesen in allen drei Städten gleichermaßen wichtig sind. Allerdings hat Hübner es sich gerade mit der eigenen Partei in der Heimatstadt Gladbeck verscherzt: Er hatte privaten Feiern von Migranten eine Mitschuld an den hohen Coronazahlen in Gladbeck gegeben und damit einen wahren Shitstorm ausgelöst – bis hin zu öffentlichen Distanzierungen des SPD-Stadtverbandsvorsitzenden und der Parteifreundin im Bürgermeisteramt.

Er sei stets ein Freund des offenen Wortes und scheue auch kritische Debatten nicht, erklärte Hübner am Tag nach der Niederlage im Gespräch mit der Dorstener Zeitung. In einem ausführlichen Facebook-Post hat er bereits erklärt, dass „es nie meine Absicht war, Ressentiments zu schüren oder Migranten pauschal die Schuld am Ausbruchsgeschehen der Corona-Pandemie zuzuweisen.“ Der offene Diskurs habe letztlich trotz aller Schelte dazu geführt, dass die Stadt nun mehrsprachige Corona-Flyer verteile und alle Gladbecker Moscheegemeinden ihre Präsenzgottesdienste eingestellt haben.

Landratswahl im September knapp verloren

Auch ohne diese aufgeregte Debatte im Vorfeld seien seine Chancen denkbar knapp gewesen, erklärte Hübner direkt nach der Wahl. Knapp verlieren, das kennt er: Im September unterlag er in der Stichwahl für das Amt des Landrats des Kreises Recklinghausen gegen den Christdemokraten Bodo Klimpel (50,5, Prozent) um Haaresbreite. Dass er danach den Blick nach Berlin richtete, ist wohl dem neuen Zuschnitt der Landtags-Wahlkreise zu verdanken.

Sein bisheriger Wahlkreis entfällt nämlich 2022. Die Gladbecker Stimmbezirke fallen dann teils Bottrop, teils Gelsenkirchen zu. In beiden Wahlkreisen sitzen SPD-Abgeordnete fest im Sattel, gegen die und ihre jeweilige „Hausmacht“ anzutreten, ziehe er nicht Erwägung. Ganz pragmatisch betrachtet, so Hübner, gehe damit die Zeit als Berufspolitiker mit der Landtagswahl 2022 wohl zu Ende.

Es gibt auch ein Berufsleben neben der Politik

Der in Kirchhellen geborene und in Gladbeck aufgewachsene Diplom-Sozialwissenschaftler hat bis zu seinem Wechsel in die Vollzeit-Politik als Geschäftsführer eines pharmazeutischen Herstellungsbetriebes in Castrop-Rauxel gearbeitet. „Dahin gibt es keine Rückkehrklausel“, sagt Hübner, „aber ich bin zuversichtlich, dass ich auch außerhalb der Politik wieder eine Stelle finde.“

Besucher im Landtag empfangen, das fällt nach der Wahl 2022 für Michael Hübner auch weg. © Archiv © Archiv

In der Politik soll es aber ehrenamtlich weitergehen. Er sei bis 2025 Mitglied des Kreistages und gerade im Ruhrparlament wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion geworden. Ob haupt- oder ehrenamtlich, er werde sich weiter kümmern, verspricht Hübner. Und er bleibe ein Freund der klaren Sprache: „Geschwurbelt wird in der Politik genug.“

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Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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