Die Dorstener Innenstadt (hier die Wall- und Grabenanlagen an Südwall und Ostgraben) hat nach Aussage eines Gutachters Defizite beim "Erlebniswert". © Hans Blossey
Meinung

„Kaum Erlebniswert“? Umfrage-Ergebnis muss relativiert werden

Ein Gutachten kommt zu dem Schluss: Der Dorstener Innenstadt fehlt es an Erlebniswert, ähnlich große Städte sind breiter aufgestellt. Das lässt sich aber so nicht vergleichen.

Passanten bewerten die Dorstener Innenstadt mit der Durchschnitts-Note 2,5. Nicht übel, könnte aber besser sein. Das ist eines der Ergebnisse der Kundenbefragung, die im September 2020 an zwei Markttagen stattgefunden hat. 72,5 Prozent erklären, sie würden vor allem zum Einkaufen in die Stadt kommen. In anderen Kommunen in der Größe Dorstens sind es nur 61,3 Prozent.

Das sei aber auch gefährlich. Sagte Markus Peißner, Leiter des Instituts für Handelsforschung, in seiner Präsentation des Gutachtens, das er jüngst auf dem Youtube-Kanal der Stadt vorstellte. Handel allein reiche angesichts der Online-Konkurrenz nicht aus, damit eine Innenstadt für die Zukunft gerüstet sei.

Seine These: Dorsten habe Defizite beim „Erlebniswert“. In anderen Städten vergleichbarer Größenordnung würden Menschen viel häufiger wegen Kultur, Sehenswürdigkeiten, besonderer Einzelhandels- oder Dienstleistungsangebote in die Innenstädte kommen.

Echte Schwergewichte

Betrachtet man das Werk genauer, muss man das Ergebnis relativieren. Fast alle der 18 Kommunen von 50.000 bis 100.000 Einwohnern, in denen auch Befragungen stattfanden, sind nämlich echte Schwergewichte, mit denen sich Dorsten objektiv nicht vergleichen lässt.

Dass in Uni-Städten wie Marburg oder Bayreuth sich viel mehr jüngere Menschen von viel mehr Gastronomie-Angeboten in die City locken lassen, dass in Oberzentren wie Lüneburg oder Rosenheim ein größeres Einzelhandelsangebot auch spezielle Kundenwünsche erfüllt, dass Touristen-Ziele wie Fulda oder Friedrichshafen mit mehr Sehenswürdigkeiten aufwarten können, dass es in wichtigen Kreis-Städten wie Goslar, Herford, Minden oder Viersen in Innenstädten viel mehr Kultur- und Dienstleitungsangebote als in Dorsten gibt: Das liegt doch auf der Hand.

Dass hier nur 220 Menschen befragt worden waren, ist nicht unbedingt repräsentativ. Dass die Befragung in Corona-Zeiten und bei teils schlechtem Wetter stattgefunden hat, verfälscht – an anderen Tagen hätten sicher mehr Besucher angegeben, sie hätten wegen der Gastronomie die Stadt besucht.

Hätten nicht direkt vor der Befragung zweijährige Umbauarbeiten in der Fußgängerzone zu Einschränkungen geführt, hätte nicht der erste Corona-Lockdown Feste, Feierabendmärkte, Events verhindert – die „Erlebniswerte“ wären besser gewesen.

Für die Zukunft wappnen

Keine Frage: Die Innenstadt muss sich für die Herausforderungen der Zukunft wappnen, mit neuen Konzepten, vor allem für junge Leute. Durch das Programm „Wir machen Mitte“ ist schon vieles passiert, was die Altstadt attraktiver macht. Die nächste Befragung des Handelsinstituts könnte für Dorsten – wenn alle Akteure an einem Strang ziehen und wenn mehr Städte ähnlicher Struktur wie Dorsten teilnehmen – bessere Noten bringen.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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