Raupen-Plage: Schon fast doppelt so viele EPS-Meldungen wie im bisherigen Rekordjahr

dzEichenprozessionsspinner

Hunderte Bäume in Dorsten sind vom Eichenprozessionsspinner befallen. In den Niederlanden werden gezielt Meisen angelockt, die die giftigen Raupen fressen. Eine Option für Dorsten?

von Robert Wojtasik, Franca Beckmann, Leonard Maas

Dorsten

, 27.06.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der außergewöhnlich starke Befall mit Eichenprozessionsspinnern (EPS) in diesem Jahr hält Bürger, Stadtverwaltung und Fachfirmen weiter in Atem. Bis zu 30 Nester befinden sich teilweise in einem Baum. Einen derart stark befallenen Baum abzusaugen, dauert nach Angaben einer Marler Fachfirma bis zu vier Stunden (DZ+).

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Wissenswertes zu den Eichenprozessionsspinnern

Die Schleiernetze an Büschen und Bäumen der harmlosen Gespinstmotte werden oft mit dem Nest des gefährlichen Eichenprozessionsspinners verwechselt. Hier erklären wir Ihnen, wie Sie erkennen, welches Gespinst Sie vor sich haben und liefern Wissenswertes rund um den Eichenschädling, dessen Kontakt Sie meiden sollten.
21.06.2017
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Bei der Stadt Dorsten sind bis zum 26. Juni per Mail oder über die EPS-Hotline (02362/66 44 43) rund 850 Meldungen zu Fundstellen eingegangen. Im bisherigen EPS-Rekordjahr 2018 waren es 500 Meldungen in der gesamten Saison.

Im Auftrag der Stadt kümmern sich aktuell fünf Firmen um die Beseitigung der Nester an städtischen Bäumen. „Die Gelände von Schulen und städtischen Kindergärten sind fertig behandelt“, sagt Stadtsprecher Ludger Böhne. Es komme aber auch hier immer wieder zu Nachmeldungen und dann würden EPS-Einsätze unterbrochen, weil Schulen und Kitas oberste Priorität hätten. 10 von 30 gemeldeten Spielplätzen stehen noch aus.

Derzeit werden auch Nester am Waldfriedhof Tüshausweg entfernt, was noch einige Tage dauern wird. Danach gehen die Arbeiten am Friedhof Glück-Auf-Straße weiter. Die EPS-Beseitigung in dicht bewohnten Siedlungen mit starkem Befall beginnt in diesen Tagen ebenfalls. „Im Außenbereich werden keine Nester gesäubert“, so Böhne.

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Nach dieser EPS-Saison wird die Verwaltung Bilanz ziehen und beraten, wie man künftig mit dem Phänomen umgehen wird. Gesprochen wird dann auch über eine Maßnahme aus den Niederlanden.

Dort hat die Gemeinde Groesbeek im April Nistkästen an Eichen aufgehängt, um Meisen und Rotkehlchen anzulocken, damit die Vögel die Raupen fressen. Mit Erfolg, wie die NRZ berichtet. „Das haben wir mit Interesse zur Kenntnis genommen und die Meisen sind möglicherweise auch eine Option für uns“, sagt Ludger Böhne.

Raupen-Plage: Schon fast doppelt so viele EPS-Meldungen wie im bisherigen Rekordjahr

Die Blaumeise - ein Helfer im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner? © dpa

Niels Ribbrock von der Biologischen Station in Lembeck ist skeptisch, was die gefiederten Helfer angeht. „Mir ist nicht bekannt, dass Meisen an EPS-Raupen rangehen. An die Falter schon, aber damit wird man die Reproduktion nicht verringern können.“

Die Raupen werden laut Ribbrock nur von wenigen Spezialisten wie dem Kuckuck, der sich noch in überschaubarer Population in der Lippeaue oder im Hervester Bruch hält, oder dem noch selteneren Pirol gefressen. Auch Schlupfwespen und Raupenfliegen würden die Larven teilweise fressen. „Aber das ist alles noch Zukunftsmusik“, sagt Ribbrock. „Im Moment ist nur zu beobachten, dass sich der Eichenprozessionsspinner jährlich weiter ausbreitet.“

Raupen-Plage: Schon fast doppelt so viele EPS-Meldungen wie im bisherigen Rekordjahr

Jeder dritte Kunde, der aktuell zu Elisabeth Dalhaus (l.) und Dr. Ulrike Welslau in die Löwen-Apotheke kommt, fragt nach Behandlungsmethoden im Zusammenhang mit dem Eichenprozessionsspinner. © Leonard Maas

Das bekommen auch die Dorstener Apotheken zu spüren. „Jeder dritte Kunde fragt derzeit nach Behandlungsmöglichkeiten“, sagt Elisabeth Dalhaus von der Löwen-Apotheke in der Altstadt. Bei bestimmten Präparaten komme es wegen der hohen Nachfrage schon zu Engpässen.

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