Maximilian Kaluzna und seine Mutter lesen gemeinsam im Disney-Märchenbuch, das Max zur Kommunion geschenkt bekommen hat. © Lydia Heuser
Hoffnung für Maximilian

„Jeden Tag nutzen“ – Max und seine Familie möchten 2021 „Power geben“

Viele Dorstener nahmen dieses Jahr Anteil an dem Schicksal des schwerkranken Jungen Max und spendeten für eine neue Therapie. Seine Mutter erzählt von der Diagnose und Max von seinen Träumen.

Weihnachten ist dieses Jahr für alle Familien anders als sonst. Manch einer bleibt aus Sorge vor dem Virus gleich ganz für sich, andere feiern im kleinsten Kreis entgegen ihrer Familientradition.

„Erst dachten die Ärzte, es sei Migräne“

Familie Kaluzna hat schon frühzeitig Weihnachtsflair in die eigenen vier Wände einziehen lassen. „Ich mache jetzt alles schneller“, meint Iwona Kaluzna. Mit „jetzt“ spielt sie auf den Moment an, als sie von der niederschmetternden Diagnose ihres Sohnes Max erfuhr.

„Erst dachten die Ärzte, es sei Migräne“, erinnert sich die Mutter des Sechsjährigen. Im Sommer, wenige Wochen vor der Einschulung, fingen die Symptome an: Erbrechen am Morgen, manchmal Kopfschmerzen.

Nach eingehenden Untersuchungen war aber schnell klar: Max hat einen bösartigen, inoperablen Tumor in seinem Kopf.

Max träumt von einem Besuch beim FBI und er möchte mir Delfinen schwimmen

Wer Max heute erlebt, kann kaum glauben, dass dieser lebensfrohe Junge todkrank ist. „Ein bis zwei Jahre“, deutet die Mutter an. „Die Ärzte sagen uns, wir sollen jeden Tag nutzen.“

Corona und die Einschränkungen stehen da freilich im Weg. Max hat große Wünsche: „Ich will einmal zum FBI und Panzer fahren und mit Delfinen schwimmen“, erzählt er mit strahlenden Augen.

Zu seiner Kommunion gab es bereits eine Überraschung, die es mit dem Panzer aufnehmen kann. Der Verein Strahlemännchen holte den Jungen von Zuhause mit einer Limousine ab und eskortierte ihn zur Kirche St. Agatha.

Wie ein Präsident habe er sich da gefühlt, erzählt seine Mutter. „Und Kindersekt durfte ich auch trinken“, ergänzt Max mit einem breiten Grinsen.

Besuch bei der Polizei

Und am Tag vor Heiligabend die nächste Überraschung: Max besuchte die Dorstener Polizeiwache. Die Beamten haben Max und seine Mutter mit einem Streifenwagen zu Hause abgeholt und sind auf Umwegen zur Dienststelle am Südwall gefahren – ein paar Meter sogar mit Blaulicht. Wachleiter Frank Fiege zeigte Max den Wachbereich, den Funkplatz, von dem aus mit den Streifenwagenteams kommuniziert wird und alles, was zur Polizeiausrüstung dazugehört: vom Anhaltestab (im Volksmund „Kelle“), dem Funkgerät, der schweren Schutzweste, bis zur Handfessel. Die durfte Max an den Handgelenken seiner Mutter auch gleich ausprobieren – und glücklicherweise fanden die Beamten den passenden Schlüssel zum Aufschließen.

Max nahm am Steuer eines Streifenwagens Platz, wünschte der Dorstener Innenstadt über den Außenlautsprecher „Frohe Weihnachten“ und war regelrecht aus dem Häuschen, als die Beamten ihm einen „Kinder-Dienstausweis“ mit Passfoto und Namen überreichten. Dazu gab’s einen Polizei-Teddy und eine süße Tüte zu Weihnachten.

Max durfte sogar am Steuer eines Streifenwagens Platz nehmen und war regelrecht aus dem Häuschen, als die Beamten ihm einen „Kinder-Dienstausweis“ mit Passfoto und Namen überreichten. Dazu gab’s einen Polizei-Teddy und eine süße Tüte zu Weihnachten. © Polizei © Polizei

Spendenaktion „Hoffnung für Maximilian“

Seit Iwona Kaluzna von der Erkrankung weiß, ist sie von ihrer Arbeit freigestellt. Sie kann sich jetzt ganz um ihren Sohn kümmern. Regelmäßig muss der zur Physio- und Ergotherapie und zu Untersuchungen ins Klinikum nach Münster. Mutter und Sohn erledigen diese Touren oft mit Bus und Bahn, manchmal kann sich Iwona Kaluzna auch ein Auto ausleihen.

Seit über einem Monat bekommt der Junge ein neues Medikament, für dessen Finanzierung viele Dorstener im September an die Caritas gespendet haben.

Noch während die Spendenaktion lief, erklärte die Krankenkasse, das Medikament ONC 201 doch zu bezahlen.

„Damit hatten wir nicht gerechnet“, sagt Sabine Cremer von der Caritas Dorsten, die die Spendenaktion „Hoffnung für Maximilian“ organisierte. Da die Spenden jedoch zweckgebunden sind, kann das Geld nun nicht einfach für andere Vereine oder Zwecke verwendet werden.

Geplant war, das monatlich 2000 Euro teure Medikament zu bezahlen und der Rest, sofern etwas übrig geblieben wäre, wäre an den Hospizverein gegangen. Nun wird das Geld für medizinische Belange, die die Lebensqualität von Max steigern, eingesetzt.

Maximilian liebt seine Rennbahn. Die Staffelei im Hintergrund war ebenfalls ein Geschenk, weil Max sehr gerne malt.
Maximilian liebt seine Rennbahn. Die Staffelei im Hintergrund war ebenfalls ein Geschenk, weil Max sehr gerne malt. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Augentropfen kann die Familie beispielsweise davon bezahlen oder auch das Therapiedreirad, das die Mutter für Max über einen Verein besorgen konnte. „Max kann nicht mehr so gut Radfahren. Die Gefahr, dass er umkippt, ist zu groß“, erklärt die Mutter. Das Therapierad ist robust, hat drei Räder und ein Körbchen für Kleinigkeiten.

„Und nächstes Jahr geben wir richtig Power“

Seit Mitte November geht Max wieder stundenweise in den Kindergarten. Ihm macht es Freude, aber es sei wohl auch anstrengend, nimmt seine Mutter an. „Er hat motorische Probleme“, erklärt sie. Die wenigen hundert Meter von der Wohnung zum ZOB seien schon schwierig, seine Füße würden dann schmerzen.

Trotz der endlichen Zeit, die der Familie noch bleibt, versuchen sie das Beste daraus zu machen. Weihnachten wollen sie mit Iwona Kaluznas Schwester feiern, sie ist in dieser Zeit eine wichtige Stütze für die Frau.

„Und nächstes Jahr geben wir richtig Power“, meint Maximilians Mutter. Sobald es möglich ist, will sie Max so viele Lebensträume wie möglich erfüllen.

Durch die Spenden, die mit dem Stichworten „Freizeit für Maximilian“ eingegangen sind, wird die Familie noch schöne gemeinsame Momente genießen können.

14.000 Euro seinen bisher auf diesem „quasi Unterkonto“ der Spendenaktion „Hoffnung für Maximilian“ eingegangen.

An das Schlimmste der ganzen Untersuchungen erinnert sich Max übrigens noch ganz genau. „Der Coronatest. Die gehen mit dem Stäbchen bis gaaaanz nach hinten durch die Nase“, erzählt der Junge.

Für Iwona Kaluzna steht fest: „Wir geben nächstes Jahr richtig Power.“ So lange es gesundheitlich geht, will sie die Träume ihres Sohns erfüllen. Wenn Corona es zulasse, wollen sie mit der Familie noch mal Urlaub am Meer machen, gemeinsam Zeit verbringen und einfach Familie sein.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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