Ist dieses Dorstener Haus die mysteriöse Villa Großbüning?

dzStadtgeschichte

Das letzte Rätsel um die zwei Häuser, die ein Dorstener auf historischen Postkarten entdeckt hat, scheint gelöst. Viel deutet auf eine Villa in zentraler Lage. Doch ein Geheimnis bleibt.

13.09.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Rätsel um die beiden Dorstener Postkarten-Villen könnte gelöst sein. Zur Vorgeschichte: Ein Dorstener hatte zwei unbekannte Häuser auf historischen Postkarten aus Dorsten entdeckt und um Mithilfe bei der Identifizierung gebeten. Mehrere Leser hatten eines der beiden Häuser wiedererkannt, es steht am Alten Postweg. Doch die „Villa Großbüning“ auf der anderen Postkarte blieb ein Mysterium.

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Der Dorstener Stefan Günther ist sich sicher, das Rätsel gelöst zu haben. Seiner Meinung nach handelt es sich um sein eigenes Haus an der Marler Straße 1. Dieses habe er vor rund 20 Jahren gekauft. Und zwar laut mündlicher Überlieferung als „Direktoren-Villa der Glashütte der Gelsenkirchener Spiegelmanufaktur“.

Dazu passt, dass der Gelsenkirchener Industrielle Moritz Großbüning laut mehrerer Überlieferungen seinerzeit als Generaldirektor eine Glasfabrik in Gelsenkirchen-Schalke leitete und ein Zweigwerk in Dorsten errichtete, das später von der „Dorstener Glashütte“ übernommen wurde. Es stand in unmittelbarer Nähe zum Haus an der Marler Straße.

Kaufvertrag von 1891

Stadtarchivar Martin Köcher, der sich ebenfalls auf die Suche gemacht hatte, bestätigt, dass die Glashütte Eigentümerin des Gebäudes war, bevor dieses aus der Insolvenzmasse an die Stadt ging. Auch einen Grundstücks-Kaufvertrag aus dem Jahr 1891 hatte Köcher gefunden.

Der Hintergrund: 1892 hatte die Gelsenkirchener Spiegelmanufaktur einen Schleifbetrieb in Dorsten eingerichtet, 1896 folgte die Spiegelglas-Gießerei. Das Haus an der Marler Straße stamme vermutlich aus dem Jahr 1897, so der Archivar.

Ist dieses Dorstener Haus die mysteriöse Villa Großbüning?

Im Erdgeschoss findet sich noch der Original-Deckenstuck. © Falko Bastos

Doch das äußere Erscheinungsbild stimmt Martin Köcher skeptisch. „Da müsste sich baulich schon viel verändert haben.“ Er hält auch für möglich, dass das gesuchte Haus gar nicht mehr existiert. Die Villa auf der Postkarte zeigt einen prachtvollen Vorbau mit Balkon. „Der muss durch einen Bombeneinschlag im Krieg zerstört worden sein“, vermutet Stefan Günther.

Ist dieses Dorstener Haus die mysteriöse Villa Großbüning?

Die Postkarte zeigt die Villa Großbüning mit dem prachtvollen Vorbau. © Privat

Feldmark oder Hervest?

Die Ostseite des Hauses, die in Richtung des Netto-Marktes an der Marler Straße zeigt, wurde offenbar vor langer Zeit erneuert. Denn sie besteht aus einem anderen Klinker als die anderen Seiten. Auch die Gesimse der anderen Seiten finden sich hier nicht wieder. „Das beweist, dass dort früher etwas angebaut gewesen sein muss“, so Günther. Die beiden oberen Etagen seien von der Vorbesitzerin umfassend renoviert worden, während im Erdgeschoss noch der originale Fußboden und Deckenstuck vorhanden seien.

Ist dieses Dorstener Haus die mysteriöse Villa Großbüning?

Die Fassade an der Ostseite wurde vor längerer Zeit erneuert. © Falko Bastos

Stutzig macht aber noch ein weiterer Punkt. Auf der Postkarte wird die „Villa Großbüning“ Hervest-Dorsten zugerechnet. Stefan Günther vermutet, dass sich mit dem Verlauf der Lippe auch die Ortsgrenzen verändert haben könnten. „Das war schon immer Feldmark“, sagt Archivar Köcher. Andererseits sei er auch schon auf mehrere alte Dokumente gestoßen, die etwa Liegenschaften in Holsterhausen Hervester Gebiet zugerechnet hätten. Manches bleibt eben ein Geheimnis.

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