Schwerer Unfall: Was ist mit der Ampel an der Königsberger Allee?

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Es war ein Dienstagabend, als der schwere Unfall an der Königsberger Allee/Bestener Straße passierte. Einige Dorstener wundert es gar nicht, dass es dort gekracht hat. Sie kennen den Grund.

Dorsten

, 31.07.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dienstagabend (23. Juli), 21 Uhr: Auf der Königsberger Allee (L463) sind wenige Fahrzeuge unterwegs. An der Kreuzung Bestener Straße/Gahlener Straße regeln Ampelanlagen den Verkehr. Ein Unfall passiert: Ein 25-Jähriger aus Dorsten, der von der Königsberger Allee mit seinem Pkw nach links in die Gahlener Straße einbiegen will, kracht im Kreuzungsbereich zur Bestener Straße mit dem Auto eines 76-Jährigen zusammen. Der will von der Bestener Straße aus die Königsberger Allee in Richtung Gahlener Straße überqueren.

Polizei geht der Unfallursache auf den Grund

Anlieger der Königsberger Allee wundert es nicht, dass es an diesem Abend hier gekracht hat: „Die Ampel wird ja immer um 21 Uhr abgestellt“, sagt eine Angestellte der angrenzenden Westfalen-Tankstelle. Sie wohne in der Nähe der Plaggenbahn, die ebenfalls die Königsberger Allee wenige hundert Meter nach der Bestener Straße kreuzt. Auch hier würden die Ampelanlagen abends abgestellt und morgens gegen 6 Uhr wieder in Betrieb genommen.

Schwerer Unfall: Was ist mit der Ampel an der Königsberger Allee?

Die Kreuzung bei Tag: Die Ampelanlage ist in Betrieb. © Claudia Engel

Straßen NRW ist zuständig für die Landstraße Königsberger Allee und die Ampeln an deren Kreuzungen. Vonseiten des Landesbetriebes heißt es auf unsere Anfrage: „Eine planmäßige Abschaltung der Ampel an der fraglichen Stelle zu einer bestimmten Zeit gibt es nicht. Gerade bei größeren Kreuzungen bleiben unsere Lichtsignalanlagen in Betrieb.“ Das stimmt nicht, sagen Dorstener.

Übereinstimmende Aussagen von Dorstenern

Wir haben uns unter den Kunden an der Westfalen-Tankstelle in der Nähe der Unfallstelle umgehört. Drei Besucher sagen übereinstimmend auf unsere Anfrage: „Die Ampel wird abends abgestellt.“ Ein junger Mann aus der Nachbarschaft will selbst erlebt haben, wie er eben noch Grün hatte und von jetzt auf gleich das gelbe Licht an der Ampel blinkte. Das sei immer abends gegen 21 Uhr der Fall. Die Angestellte der Westfalen-Tankstelle pflichtet ihm bei. Und mit ihr einige Stimmen auf Facebook, die sich nach dem Unfall geäußert haben. „Man sollte mal überlegen, ob es sinnvoll ist, bei so einer Kreuzung die Ampeln abends so früh abzuschalten.“

Die Polizei ist zurzeit noch dabei, der Unfallursache für die Karambolage der beiden Pkw am 23. Juli um 21 Uhr auf den Grund zu gehen. Polizeisprecher Andreas Lesch sagte: „Wir ermitteln, wie der Hergang war.“

Schwerer Unfall: Was ist mit der Ampel an der Königsberger Allee?

Die Polizei sicherte nach dem Unfall die Spuren der beiden Fahrzeuge. Links der Wagen des 25-Jährigen. © Guido Bludau

Bei dem Unfall erlitten der 76-jährige Fahrer, seine 73-jährige Beifahrerin und ein 20-jähriger Beifahrer des jüngeren Autofahrers schwere Verletzungen. Der 25-jährige Mann zog sich leichte Verletzungen zu. Der Sachschaden war erheblich: 34.000 Euro.

Die Ampel war nach dem Unfall dunkel

Fakt ist: Die Ampel war nach der Karambolage außer Betrieb. Das zeigen auch die Fotos unseres Reporters Guido Bludau. Eine mögliche Erklärung für den Ausfall der Ampel an der Königsberger Allee könnte eine Störung gewesen sein, hieß es bei Straßen NRW.

Nicht auszuschließen ist, dass die Ampelschaltung der großen Hitze in der letzten Woche zum Opfer gefallen ist. Signalanlagen reagieren empfindlich auf Wärme, wie Beispiele aus größeren Städten zeigen. Die Ampeln hätten Sensoren, die die Hitze registrieren und sich abschalten, „wenn elektronische Bauteile wegen der Wärme drohen zu versagen“.

An der Königsberger Allee handelt es sich allerdings um ältere Ampelmodelle. Eine neue digitale Schaltung soll es erst 2021 geben.

Verkehrsschilder regeln die Vorfahrt statt der Ampel

Die Polizei erinnert daran, dass bei Ampelstörungen die Verkehrsschilder die Vorfahrt an solchen Kreuzungen regeln. Danach hat der untergeordnete und der die Königsberger Allee querende Verkehr das Nachsehen. Das Schild „Vorfahrt gewähren“ hängt deutlich sichtbar an den Ampelmasten an der Bestener Straße und an der Gahlener Straße.

Die Polizei will die Zeugen und Unfallbeteiligten jetzt vernehmen. Auch bei Straßen.NRW habe die Polizei wegen der Ampelschaltung nachgefragt. „Wir warten noch auf eine Antwort“, so Andreas Lesch. Sollten sich Widersprüche zur Ampelschaltung bei den Zeugenanhörungen ergeben, „dann würde sich die Polizei zu dem Zeitpunkt, als der Unfall passiert ist, selbst ein Bild verschaffen, ob die Ampel anbleibt oder ausgeht“, sagte Lesch.

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