In Dorsten wurden viel mehr Freiflächen zugebaut als in fast allen anderen Revierstädten

dzFlächenverbrauch

Weil neue Wohn- und Gewerbegebiete gebaut wurden, hat Dorsten seit 2019 viel mehr Freiflächen verloren als andere Städte im Ruhrgebiet: Das hat Vor- und Nachteile.

Dorsten

, 05.02.2020, 04:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Bückelsberg in Wulfen wurde ein neues Wohngebiet gebaut, am Schultendiek in Holsterhausen und an der Feldhausener Straße in der Feldmark ebenso. Der Industriepark (Stadtgrenze Marl) ist durch Unternehmens-Ansiedlungen wie Genan, Stiftsquelle oder Arvato erweitert worden, auch auf zuvor ungenutzten Freiflächen auf dem Zechen- und Ruhrgas-Gelände stehen nun Firmengebäude.

Alles Beispiele dafür, wo in den vergangenen zehn Jahren in Dorsten kräftig gebaut wurde. Aber es gibt noch einige mehr. Alle Bauvorhaben haben mit dafür gesorgt, dass in der Lippestadt seit 1999 so viele Grün-, Landwirtschafts- und Waldflächen in Siedlungsbereiche ungewandelt wurden wie in kaum einer anderen Stadt im Ruhrgebiet.

Nur vier Städte vor Dorsten

Die Siedlungsfläche hier stieg seitdem nämlich um 66 Hektar - umgerechnet mehr als 90 Fußballfelder groß. Doppelt so viel wie in der Großstadt Essen (plus 35 Hektar), mehr als dreimal so viel wie in Duisburg und Bochum. Nur Dortmund, Hamm und Bottrop stehen in der Rangliste vor Dorsten.

In Dorsten wurden viel mehr Freiflächen zugebaut als in fast allen anderen Revierstädten

Arvato Bertelsmann ist eine der größten Gewerbeansiedlungen der vergangenen Jahre in Dorsten. © Foto: Blossey

Die Zahlen finden sich in einer RVR-Studie, die jetzt im Dorstener Umwelt- und Planungsausschuss vorgestellt wurde. Rainer Heimann (SPD) wusste in der anschließenden Diskussion nicht so ganz, wie er die Statistik werten solle.

Jetzt lesen

Dass in Dorsten so viel gebaut werde, „ist eine gute Nachricht“, dass dafür so viel Grün verloren gehe, „ist aber schlecht für den Klimaschutz.“ Michael Haake (Grüne) mahnte: „Wir müssen im Hinterkopf behalten, wie wir bei Baumaßnahmen einen Ausgleich schaffen - wir stehen in der Verantwortung, sorgsam mit Freiflächen umzugehen.“

„Äpfel mit Birnen verglichen“

Rüdiger Bente (FDP) erklärte hingegen, „in der Statistik werden Äpfel mit Birnen verglichen, wir haben in Dorsten weiter einen hohen Wohnwert“. Auch Stefan Risthaus (CDU) meinte, der genannte Flächenverbrauch müsse relativiert werden - in den Ruhrstädten wird auch viel gebaut, „die haben aber mehr Konversionsflächen“, also zuvor schon mal bebaute Brachflächen.

Jetzt lesen

Stadtbaurat Holger Lohse hatte angesichts des Zahlenwerks ein „ambivalentes Gefühl“: „Wir müssen den Wohnraumbedürfnissen nachkommen und Gewerbeflächen anbieten“, betonte er: „Aber gleichzeitig sind Freiflächen ein wichtiges Gut.“

Zum größten Teil unbebaut

Trotz des Rückgangs an Waldflächen um 28 Hektar und der Landwirtschafts- und Grünflächen um 53 Hektar: Dorsten ist weiter zum größten Teil unbebaut.

Mit 23,7 Prozent Waldfläche steht die Lippestadt revierweit an dritter Stelle und sie gehört zu den 19 von 53 Ruhrgebiets-Kommunen, in denen mehr als die Hälfte des Stadtgebiets landwirtschaftlich genutzt wird (50,1 Prozent). Demgegenüber stehen 6,3 Prozent Wohnbau-, 5,1 Prozent Straßenverkehrs- und 2.0 Prozent Gewerbeflächen.

Lesen Sie jetzt