Das erste Stadtklänge-Konzert des Jahres: Emotionaler Einstand

dzIn der Franziskanerkirche

Es war eine lange Durststrecke wegen Corona. Jetzt aber konnten die Stadtklänge wieder erklingen und die Zuhörer waren mehr als begeistert.

von Sabine Bornemann

Dorsten

, 06.09.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach langer Durststrecke konnte am Samstag erstmals wieder ein Stadtklänge-Konzert stattfinden. In der Franziskanerkirche wollte das Duo Marc Brenken (Jazzpiano) und Thomas Döller (Flöten) in seinem Programm „Invisible colors“ vielfältige Klangfarben, wenn schon nicht sichtbar, so doch wenigstens hörbar und fühlbar machen. Und das gelang hervorragend. Dieser Jazz war nicht abgehoben, sondern nahezu körperlich und sehr emotional.

Schon seit der Kulturhauptstadt 2010 hat sich Thomas Döller immer mehr vom klassischen Flötisten hin zur Improvisation entwickelt. Damals experimentierte er mit einer Kombination von Kohlemundstück und Stahlrohr im Flötenbau. Inzwischen hat er sich eine Kontrabassflöte anfertigen lassen, von der es nur wenige Exemplare auf der Welt gibt.

Sie hat einen Tonumfang wie ein Cello und eine Rohrlänge von 2.60 Meter. Auch dieses exotische Instrument war in der Kirche zu erleben. Pianist Marc Brenken studierte ebenfalls an der Essener Folkwang-Universität und spielt heute überwiegend Eigenkompositionen. Sein Motto lautet: „Man muss das fühlen, was man spielt, damit man dem Publikum etwas geben kann.“ Brenken hatte einige Überraschungen im Gepäck.

Bewegung am Piano wie ein Schlangenmensch

Das erste Stück „La Folia Italiana“ war eine Adaption des italienischen Jazzkontrabassisten Paolo della Parte. Dieser Auftakt war harmonisch und einladend, in Anlehnung an alte italienische Musik. Schon im zweiten Stück wurde der eigenwillige Charakter des Komponisten Brenken deutlich: „Dank Je Wel, Jeroen“ vermittelte den Eindruck einer angeregten Diskussion zwischen Piano und Flöte.

Manchmal waren sie sich die beiden auch einig, gingen einige Schritte zusammen, bevor einer durch mehrfache Wiederholung „sein Argument bekräftigte“. Brenken bewegte sich am Piano wie ein „Schlangenmensch“ und fügte oft mit dem Mund rhythmische Effekte hinzu. Thomas Döller verlieh seiner Erregung teilweise Ausdruck durch einen flatternd-vibrierenden Flötenansatz.

Hallgerät und Echos als Begleitung

Auch das Impro-Solo von Thomas Döller auf der Kontrabassflöte war faszinierend. Er verwendete dabei ein Hallgerät und Echos. Auch Atemgeräusche wurden verstärkt. Döller spielte völlig versunken mit geschlossenen Augen und der Sound wirkte wie aus einer anderen Galaxie herübergeweht. Das lustigste Stück war „Funky Camel Dance“ von Marc Brenken.

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Hier konnte man sich gut vorstellen, gleichbleibend auf einem Kamel sitzend dahin zu schaukeln, völlig ungerührt von allen Ereignissen am Wegesrand. Nur einmal „scheute das Tier“: Nach einem bedrohlichen Crescendo trommelte Brenken auf dem Altar herum, um dann wieder in den alten Trott zu verfallen. Die Karawane zog weiter.

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