Das Neubaugebiet Auf dem Beerenkamp in Dorsten aus der Luft: Im oberen Bereich sollen weitere 28 Wohneinheiten entstehen. © Guido Bludau
Grundstücksmarktbericht 2021

Immobilienmarkt Dorsten: Hauskauf in Dorsten wird zum Luxus

Nie zuvor waren Häuser in Dorsten so begehrt wie jetzt. Die Nachfrage schlägt sich in den Preisen für den Immobilienkauf nieder. Dorstener bekommen das Monopolyspiel zu spüren.

Eine Dorstener Familie sucht seit mehr als fünf Jahren ein Haus oder ein Grundstück in Dorsten. Beispielhaft hat die sechsköpfige Familie Ignatjuk unserem Medium erzählt, wie schwierig es ist, in Dorsten ein Haus zu einem erschwinglichen Preis, bis 270.000 Euro, zu bekommen.

Allein ist die Familie damit nicht. Mehrere Dorstener, die den Bericht gelesen haben, stimmen mit den Ignatjuks überein: „In Dorsten sind Häuser rar, die bezahlbar sind oder ein Grundstück, auf dem man bauen kann.“

Familie Ignatjuk mit Vater Daniel und Mutter Oxana sowie den Kindern Olivia (10), Diana (4), Oliver (13) und Jason (4) sowie Pekinesen-Hündin Mia suchen seit fünf Jahren vergeblich ein Grundstück mit Haus oder nur ein Grundstück in Dorsten zum Bauen.
Familie Ignatjuk mit Vater Daniel und Mutter Oxana sowie den Kindern Olivia (10), Diana (4), Oliver (13) und Jason (4) sowie Pekinesen-Hündin Mia suchen seit fünf Jahren vergeblich ein Grundstück mit Haus oder nur ein Grundstück in Dorsten zum Bauen. © Claudia Engel (A) © Claudia Engel (A)

Der Gutachterausschuss für die Städte Dorsten, Gladbeck und Marl bewertet die Lage auf dem Immobilienmarkt alljährlich neu. Und liefert in seinem 79 Seiten umfassenden Bericht für 2021 Gründe dafür, warum Kaufwillige leer ausgehen können.

Gutachterausschuss verzeichnet weiteren Anstieg der Preise

„In dem vergangenen Geschäftsjahr ist ein weiterer Anstieg der Preise für bebaute Grundstücke und Eigentumswohnungen in allen drei Stadtgebieten zu vermerken. Für den Teilmarkt Wohnungseigentum wurde zudem in Dorsten, Gladbeck und Marl ein deutlicher Anstieg der Fallzahlen und der Geldumsätze registriert“, stellt der Gutachterausschuss fest.

Für das Marktsegment der Baulandverkäufe sei ebenfalls ein Preisanstieg zu vermerken. Die Anzahl der Baulandverkäufe sei indes weiterhin rückläufig und nur durch Verkäufe in Neubaugebieten in Dorsten und Marl temporär gebremst, so der Gutachterausschuss.

Der Druck auf dem Immobilienmarkt wächst weiter

Eine weitere Erklärung, warum Kaufwillige in Dorsten womöglich nicht zum Zug kommen, ist der stetig gewachsene Druck auf dem Immobilienmarkt im gesamten Ruhrgebiet bis hinein ins Münsterland. Dadurch, dass in den Nachbarorten oder in den Großstädten des Reviers Häuser noch teurer und ebenfalls umkämpft sind, dehnt sich die Druckwelle in die benachbarten Regionen aus. Heißt: Nicht nur Dorstener suchen in Dorsten ein Haus zum Kaufen.

Günstig war es in Dorsten vielleicht vorgestern, wie die vom Gutachterausschuss ermittelten Vergleichspreise zu den Vorjahren zeigen. 2020 wurden 60,1 Millionen Euro beim Verkauf und Kauf von 191 Ein- und Zweifamilienhäusern (das sind durchschnittlich 314.700 Euro) umgesetzt, im Jahr zuvor waren es noch 194 Immobilien gewesen, die mit einen Umsatz von 51, 8 Millionen Euro zu Buche schlugen. Indiz dafür, dass die Kaufpreise für Immobilien weiter gestiegen sind.

764 Kauffälle für alle Segmente

In Dorsten wurden 2020 insgesamt 764 Kauffälle für alle Teilmärkte, unbebaute Grundstücke, bebaute Grundstücke, Wohnungs- und Teileigentum sowie

Erbbaurechte und Erbbaugrundstücke verzeichnet; das waren 30 mehr als im Vorjahr. Dabei flossen 155 Millionen Euro für den Erwerb von Bauland, von bebauten Grundstücken oder für den Kauf von Häusern und Wohnungen.

Die Summe lag etwas niedriger als 2019, doch diese Werte sind nicht gesunkenen Kaufpreisen geschuldet, sondern: „Der Wert liegt unter dem Niveau des Vorjahres, weil „in den Umsatzzahlen auch Kauffälle enthalten waren, die unter „persönlichen Verhältnissen“ der Vertragsparteien abgeschlossen wurden (u. a. Verwandtschaft)“, erläutert der Gutachterausschuss. Heißt: „In den Übersichten längerer Zeitreihen sind die Zahlen der Geschäftsjahre bis einschließlich 2019 nur bedingt mit

nachfolgenden Jahren vergleichbar“ – das stellt der Gutachterausschuss in seinen Betrachtungen fest.

Oberhalb von 400.000 Euro wird ebenfalls gekauft

Will man in Dorsten ein „Häuschen“ kaufen, dann müssen Kaufwillige tiefer und tiefer in ihre Taschen greifen: im Durchschnitt sind zwischen 250.000 und 350.000 Euro (ca. 95 Immobilien von 191) fällig. Oberhalb dieser Schwellenwerte gibt es für einige Erwerber aber auch finanzielle Spielräume: etwa 60 Häuser und Wohnungen zwischen 400.000 und über 500.000 Euro wurden ebenfalls verkauft.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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