Immer mehr Schwerlasttransporte rollen über die B 58

dzVerkehr

Nachts, wenn alles schläft, rollen sie durch Wulfen und Deuten. Denn dann ist Platz auf der B 58. Und den brauchen die langen und breiten Schwerlasttransporte. Es werden offenbar immer mehr.

Wulfen, Deuten

, 18.10.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anwohner der B 58 wundern sich seit längerer Zeit über den Verkehr, der nachts an ihren Haustüren vorbeirollt. Die großen Transporter haben Bauteile für Windkraftanlagen geladen oder übergroße Baumaschinen, Getriebe oder Brückenträger.

Seit drei Jahren mehr Verkehr

Stadtsprecher Ludger Böhne bestätigte auf Anfrage, dass die Zahl der Großraum- und Schwerlasttransporte in den letzten drei Jahren zugenommen hat: „Das hat mit den Baustellen auf der A 52, der A 43 und der A 2 zu tun.“ Die B 58 gilt als geeignete Ausweichroute, aber eben nur zwischen 22 und 4 Uhr.

Die Menschen in Wulfen und Deuten sind vielleicht auch deshalb gerade besonders sensibilisiert, weil sie eines Tages den kompletten Verkehrskollaps auf der viel befahrenen Durchgangsstraße befürchten. Spätestens dann, wenn der Industriepark Große Heide realisiert ist, könnte auch das normale LKW-Aufkommen tagsüber deutlich steigen. Die Stadt sieht allerdings keine Gesundheitsgefahren.

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Über 4.000 Anhörungen im letzten Jahr

Zuständig für die Genehmigung eines Schwerlast- oder Großraumtransports ist in der Regel die Straßenverkehrsbehörde, in deren Zuständigkeitsbereich der Transport beginnt oder in der das Unternehmen seinen Sitz hat. Die Kommunen auf dem Weg sind dabei anzuhörende Stellen. Die Anhörung erfolgt digital über das bundesweite System VEMAGS.

Die Verkehrsabteilung im Ordnungsamt der Stadt Dorsten hat 2019 insgesamt 4.615 Anhörungen bearbeitet, in diesem Jahr waren es bislang rund 3.200. „Die ist ist nicht gleichzusetzen mit der Zahl der Fahrten“, betont Böhne. „Für beispielsweise zehn Transporte von identischen Rotorflügeln einer Windkraftanlage ist nur eine Anhörung erforderlich.“ Die tatsächliche Zahl der Fahrten wird statistisch auch nicht erfasst, da es „als normal gelten muss, dass Lastverkehr über Straßen rollt. Die Menge ist dabei unerheblich.“

Schwerlasttransport auf der B 58 in Wulfen

Die großen Transporter haben oft Bauteile für Windkraftanlagen geladen oder übergroße Baumaschinen. © Guido Bludau

„Wenn nur die jeweilige Ladung die zulässigen Maße überschreitet, ist eine Ausnahmegenehmigung von den Vorschriften über Höhe, Breite und Länge erforderlich. Dann sind grundsätzlich auch bei kreisangehörigen Städten die dortigen Ordnungsbehörden zuständig“, erklärt Böhne. „Sobald jedoch die zulässigen Gewichte überschritten werden oder der Transport mit Fahrzeugen stattfindet, die die zulässigen Maße überschreiten, ist die Kreisverwaltung zuständig.“

Wirtschaftliche Interessen haben Vorfahrt

Kreissprecherin Svenja Küchmeister bestätigt, dass Transporte aber „nur abgelehnt werden, wenn sie aus verkehrsrechtlicher Sicht nicht genehmigungsfähig sind“. Mit anderen Worten: Wirtschaftliche Interessen haben Vorfahrt, auch auf einer Bundesstraße durch Wohngebiete.

Reichen Straßenbreite und Kurvenradien? Gibt es auf dem Weg besondere Hindernisse? Sind Brücken für die Last ausgelegt? Über das System VEMAGS prüfen die Kommunen auf der Transportstrecke, ob die beantragte Fahrt durchführbar ist und vermerken eventuelle Auflagen.

Bis 4,20 Meter Breite gibt es keine Probleme

„Die allermeisten Großraum- und Schwerlasttransporte sind mehr oder minder unauffällig, weil sie die zulässigen Gewichts- und Größenbegrenzungen nicht extrem überschreiten“, sagt Dorstens Stadtsprecher. Breiten bis 4,20 Meter bei normalem Gewicht seien in der Regel mit relativ geringem Aufwand durchführbar.

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Die auffälligen und gelegentlich spektakulären Schwertransporte sind eher die Ausnahme. Das war beispielsweise im Dezember 2018 der Fall, als die Dorstener Aak zum Freizeitbad Atlantis transportiert und mit einem Spezialkran an ihren Platz gehievt wurde.

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