Immer mehr Kirchenaustritte - in Dorsten gibt es auch andere Signale

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Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus. Das Bistum Münster meldet einen traurigen Rekord. In Dorsten hingegen gibt es eine Entwicklung gegen den Trend.

Dorsten

, 04.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Bistum Münster meldet einen Höchststand an Kirchenaustritten für das Jahr 2019. Insgesamt sind fast 17.000 Menschen im vergangenen Jahr ausgetreten. Bisher galt 2014 als trauriges Rekordjahr: Damals gab es an die 12.000 Austritte.

Überraschung in Dorsten

Während der Blick auf das Bistum insgesamt und auf das Kreisdekanat Recklinghausen, zu dem auch die 14 Kirchengemeinden des Dekanats Dorsten gehören, ernüchtert, lässt sich in Dorsten eine etwas positivere Tendenz aus den Zahlen ablesen. Auch hier haben Katholiken ihre Austritte erklärt – 366 meldet das Bistum. Jedoch: Durch Taufen von Kindern (385), Eintritte Erwachsener (6) und Wiederaufnahmen (9) konnten die katholischen Gemeinden den Verlust abmildern.

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Wie kommt es aber, dass die Mitgliederzahl von 2018 auf 2019 trotzdem gesunken ist? 46.800 Mitglieder zählte Dorsten noch vor zwei Jahren, ein Jahr später sind nur noch 46.196 Menschen in der katholischen Kirche verzeichnet. Der Grund sind die Sterbefälle. Sie fließen nicht in die Berechnung der Kirchenaustritte ein, wohl aber in die Berechnung der Gemeindemitglieder.

Das sind die Gründe für Austritte und Wiedereintritte

Pfarrer Alfred Voss von der Pfarrei St. Laurentius in Lembeck freut sich über die gestiegenen Zahlen der Kindertaufen. 40 Kinder mehr als noch 2018 wurden in Dorsten getauft und traten so der katholischen Kirche bei. "Erwachsenentaufen sind eher selten bei uns", schildert Voss seine Erfahrungen. Häufiger seien da schon Übertritte vom evangelischen zum katholischen Glauben. Berufliche Gründe seien da wohl der Auslöser, glaubt Voss, der derzeit kommissarisch auch Dechant in Dorsten ist.

Pfarrer Alfred Voss (St. Laurentius) freut sich über die steigende Zahl von Taufen.

Pfarrer Alfred Voss (St. Laurentius) freut sich über die steigende Zahl von Taufen. © privat

Hinter den Austritten vermutet Voss auch finanzielle Gründe, konkret die monatliche Kirchensteuer. Jeder Kollege gehe anders mit Austrittsersuchen um. "Wir haben da keine Dekanatslösung." Einige schrieben die ausgetretenen Personen an, suchten das Gespräch. So habe ein Ehepaar seinen Kirchenaustritt aufgrund des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche erklärt. Später sei das Paar wieder eingetreten.

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Auch der Bischof von Münster, Felix Genn, gibt selbstkritisch zu bedenken: "Es hat sicherlich immer noch mit dem Bekanntwerden von Verbrechen sexuellen Missbrauchs und dem Umgang damit, vor allem mit verletzten Personen, von Seiten der kirchlichen Verantwortungsträger zu tun."

Bistum appelliert an die Gemeinden

Bischof Genn appelliert an seine Kollegen: "Es gibt, auch wenn die Austrittszahlen weiter hoch bleiben sollten, nur einen Weg: Die Menschen müssen erfahren, dass wir als Christinnen und Christen gerne für sie da sind. Wir sind nicht von gestern, sondern stehen mitten in dieser Welt."

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